Sternenlose Nacht

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Starless
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Sternenlose Nacht

Beitrag von Starless »

...aktuell fühlt es sich an, als würde kein einziger Glücksstern mehr für mich am Himmel scheinen und auf die Sternschnuppe, die mir meinen Wünsche erfüllt, warte ich vergeblich. Aber was würde ich mir eigentlich wünschen? Wo soll man da anfangen? Vermutlich würde ich mir am ehesten psychische Gesundheit wünschen. :(

Ich habe das Gefühl, dass ich mein Leben komplett gegen den Baum fahre.

Es war noch nie sonderlich leicht, ich hatte schon seit Kindheit ein paar psychische Auffälligkeiten und Problemchen, aber nichts, was mich jetzt sonderlich am Leben und Alltag hindern würde. Bis 2015 würde ich mich als ziemlich glücklich und zufrieden bezeichnen. Aber dann kam der 9. März 2015 und seitdem kommt mir mein Leben vor wie eine einzige Talfahrt.

Zwischendrin hatte ich das Gefühl, es würde wieder bergauf gehen und war zuversichtlich. Dann November 2017 ein starkes Trigger-Erlebnis und es wurde psychisch immer schwerer und schwerer. Seit 2018 ist mein Leben durch diverse Umstände komplett aus der Bahn geraten. Aber noch möchte ich dazu keine genaueren Details schreiben.

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Ich weiß auch noch nicht so genau, was ich hier alles reinschreiben und preisgeben werde... aber in erster Linie muss ich mich einfach mal auskotzen und ausheulen. Besonders die letzten Wochen waren wieder so verdammt schwer und ich komm langsam hart an meine Grenzen.

In den letzten Wochen kam einfach so vieles zusammen. Ich wurde ungeplant schwanger und hatte eine Fehlgeburt. Was vermutlich sogar "besser" war... wie gesagt, die SS war nicht geplant und ich wüsste nicht, wie ich in meiner aktuellen psychischen Verfassung ein Kind großziehen sollte. Es war auch ein sehr früher Abgang, also wirklich rational nicht so "schlimm"... dennoch leide ich darunter im Moment psychisch mehr, als ich gedacht hätte. Vor allem weil meine Schwester erst kürzlich ein Kind bekommen hat und ich jetzt ständig mit Baby-Fotos/Videos bombardiert werde und irgendwie kommen dann so Gedanken, "was wäre, wenn...". Aber die verwerfe ich dann auch schnell wieder, es bringt ja alles Grübeln nichts.

Dann habe ich den Kontakt beendet zu einem Menschen, der mir sehr viel bedeutet und der mir immer eine große Stütze war in den vergangenen 3 Jahren. Aber ich habe das Gefühl das Leben und die Psyche dieses Menschen zerstört zu haben und weiß nicht, wie ich mir das jemals verzeihen soll... da ist es einfach jetzt nötig, erstmal auf Distanz zu gehen, sich zu sortieren und zu sammeln... und dann zu überlegen: Wie soll es jetzt weitergehen?

Jetzt hatte ich auch noch mit der Schwiegerfamilie Stress und Streit... wieder mal geht es um die Psyche. Ich habe das Gefühl es werden Wunder erwartet, dass es doch jetzt "endlich mal besser werden muss". Man wird teilweise unter Druck gesetzt, emotional, dass nun endlich was passieren muss. Aber was soll passieren? Ich würde mir doch auch wünschen, dass es wieder bergauf geht...

Einfach alles zu viel im Moment.

Sorry, manches ist jetzt vielleicht etwas konfus und unverständlich, da teilweise aus dem Kontext gerissen und weil ich noch keine genaueren Details dazu geschrieben habe... aber irgendwo muss man ja anfangen.

Mal sehen, wie ich das hier weiterführen werde.
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MinaHarkness
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Re: Sternenlose Nacht

Beitrag von MinaHarkness »

..

Liebe Starless..
Starless hat geschrieben: 1. Aug 2021, 20:46 Ich habe das Gefühl, dass ich mein Leben komplett gegen den Baum fahre.

[..]
Sorry, manches ist jetzt vielleicht etwas konfus und unverständlich, da teilweise aus dem Kontext gerissen und weil ich noch keine genaueren Details dazu geschrieben habe... aber irgendwo muss man ja anfangen.

Mal sehen, wie ich das hier weiterführen werde.
.. dieses Gefühl, mein Leben komplett vor den Baum gedonnert zu haben, das kenne ich tatsächlich auch sehr gut. Und auch Dein Erleben, dass einem die ersten Zeilen vorkommen, als setze man eine Nussschale in einem tosenden Ozean aus. Aber das Schreiben ist ein magisches Ding, insofern, als dass es eigendynamisch wirkt. Ich habe es immer wieder erlebt, dass, las ich meine Texte nach einer Weile noch einmal, ich rückblickend erfasste, dass ich Dinge bereits aufgeschrieben hatte, bevor sie mir überhaupt konkret bewusst waren. Das beobachtete ich immer häufiger. Gewöhnte mir an, meine Texte regelmäßig noch einmal zu lesen, war einige Zeit ins Land gegangen.

Und dann ging mir irgendwann ein ganzer Kronleuchter auf; verstand ich die eigentliche Magie des Schreibens. Ich ging von der irrigen Annahme aus, ich hätte Dinge geschrieben, bevor sie mir bewusst waren. Aber das stimmt nicht. Ich schrieb (mir) Dinge, damit sie in mir überhaupt erst (strukturiertes) Wissen wurden / werden konnten. Vorher war da nur ein unbestimmtes Wabern von Erfahrungen, wirbelnde Erinnerung, chaotische Gefühle, unbestimmtes Sein. Das Schreiben fasst das alles, bringt es in Worte und macht daraus inneres, strukturiertes Wissen. Dieser Prozess läuft zuerst unbewusst, bis man ihn irgendwann immer mehr erfasst und bewusst forcieren kann. Das ist therapeutisches Schreiben und das lässt sich erlernen.

Es kann immens hilfreich sein und ich bin immer wieder begeistert, lese ich, wie Menschen sich zu reflektieren beginnen und dabei ihre inneren Welten entdecken. Du kannst das auch. Und ich wünsche Dir von Herzen, dass Du es für Dich nutzen wirst, weil ich glaube, dass Dir das sehr helfen könnte. Du bist intelligent, kognitiv geprägt und zugänglich, das habe ich "drüben" schon immer gelesen. Viel Potenzial, das, wäre es frei von der Knute des ständigen an sich selbst Leidens, seine Flügel spannen und lebendig werden könnte. ..

LG Mina
Exkursionen, fern von Schablonen, können sich lohnen.
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