Immanenz

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Venom
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Immanenz

Beitrag von Venom »

Ich wünsche in diesem Tagebuch ausschließlich Kommentare folgender Personen: MinaHarkness

Im·ma·nenz
/Immanénz/

Substantiv, feminin [die]
das Innewohnen, Enthaltensein

Be·reit·wil·lig·keit
/Bereítwilligkeit/

Substantiv, feminin [die]
das Bereitwilligsein
Entgegenkommen

Der Wille ist in der Bereitwilligkeit immanent. Womit sich der Titel erklären lässt. Unterhalten wir uns also über den Willen und über das, dem dieser Wille innewohnt.

Hallo Mina, hier wären wir. Ich knüpfe dort an, wo wir aufgehört haben.
Ich nehme an, Du assoziiert mit der Auflösung dieser Blockade, auch die, die mit Deiner Wut korreliert. Mir ist auch völlig klar, was Du willst. Das ist indes schwierig, sehr schwierig um genau zu sein. Es kommt sehr wesentlich darauf an, wie reflektiert Du selbst bist. Nicht nur Dein Verhalten, sondern auch Deine Innenwelt betreffend.
Diese Blockade erzeugt die Wut. Diese Blockade ist etwas, vor das ich pralle und mich als machtlos/hilflos erlebe. Das macht mich rasend. Das tut es immer. Diese Blockade, ganz gleich wie vielfältig die Situationen auch sein mögen, in denen sie sich zeigt, sie ist immer dieselbe. Und sie erzeugt immer dasselbe. Erst Hilf- bzw. Machtlosigkeit und daraus erwachsend Wut. Mir geht es in erster Linie darum, diese Blockade zu eliminieren. Denn tatsächlich gehe ich davon aus, dass das die Wut verschwinden lassen könnte. Nun sagst du mir, es käme auf meine Reflektiertheit an.

Worauf beziehst du das? Auf mein Bestreben, zu einer anderen Person Nähe zu erlangen? Dazu muss ich reflektiert sein, bezüglich meines Verhaltens und meiner Gefühle? Diese Blockade, in ihrer für mich extremsten Form, tritt in der Tat grundsätzlich in der Situation auf, wenn ich vor die Blockade der Person pralle, die sich mir verweigert. Es ist tatsächlich gar nicht meine. Es ist irgendeine und doch dieselbe. So als wären alle diese Personen ab einem gewissen Punkt zugenagelt. Es gibt nichts, einfach nichts, was daran vorbeizuführen scheint.

Die Betreffende, immer wechselnde und doch ewig gleiche, die mir den Zugang zu sich verschließt und mir erklärt, ich würde es nicht verdienen, ihr zu begegnen, aufgrund meiner unzureichenden, ja, was? Ich weiß es nicht. Ich weiß, streng genommen, nicht einmal was der Vorwurf ist. Zu kalt. Bin ich ein Kühlschrank? Zu distanziert. Liegt das an mir? Ich habe in solchen Konstellationen eher den Eindruck, dass ich der Person zu nahe komme und sie panisch wird. Das ist keine Distanz.

Das ist ein Vorwand, sich mir zu verweigern, ohne zugeben zu müssen, dass nicht ich das Problem bin. Und auch das spielt mit in den, sich daraus letztendlich ergebenden, einsamen Wutanfall hinein. Ich weiß, dass diese Person lügt. Aus Angst. Ich fühle mich für dumm verkauft. Aber ich lächele, atme tief durch und frage freundlich nach. Beim wiederholten Mal, wenn dann das übliche Lavieren erfolgt, werde ich auch mal energischer und formuliere aus, dass ich davon ausgehe, dass mir gerade suggeriert werden soll, ich wäre ein Eiswürfel, einzig um die eigene Furcht nicht ansehen zu müssen.

Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, in der derartige „Verhöre“ an der Tagesordnung waren. Und ich weiß nur zu genau, welche Ausweichstrategien wir Kinder nutzten, um nicht zugeben zu müssen, was sich tatsächlich in uns abspielte, um nicht bestraft zu werden. Und, verdammt sei ich, wenn ich nicht exakt diese Show vor mir sitzen habe. Hier, heute, immer wieder. Manchmal noch garniert mit Tränen. Zu wenig Mitmenschlichkeit/Empathie. Alleine der Begriff ist mir ein rotes Tuch geworden. Was bedeutet Empathie? Sich vorführen zu lassen und sich dafür noch zu bedanken, dass einem das Defizit unterstellt wird, das eigentlich dort zu finden ist, wo all diese Vorwürfe herkommen? Sag du es mir, Mina. Ist das reflektiert? Ist das mitfühlend? Oder ist das einfach Bullshit?
Du willst jemanden der Dir ganz gehört.
Ja. Vielleicht. Ich hätte es anders umschrieben. Ich will jemanden, der den Mut hat, mich ganz zu sich zu lassen. Der mich nicht vor Wände laufen lässt und mir schließlich, wenn ich mir den Schädel daran blutig geschlagen habe, noch erklärt, dass ich das Problem wäre. Und sich, das ist dann noch die absolute Krönung, in irgendwelchen Netzwerken ausheult, wie schmählich, sang und klanglos ich sie abserviert hätte. Wie ich mit mir fertig werde, das ist ohnehin nie das Thema. Bisher ist mir das noch immer gelungen. Die Frage ist nur, wie lange noch? Ich habe Mordgelüste diesbezüglich. Und zwar mittlerweile in einem Ausmaß, das ich selbst als besorgniserregend einstufe. Und nun bin ich auch noch ein Psycho. Das ist wirklich große Klasse. Ich schicke diesen Text jetzt ab, bevor ich ihn mitsamt dem iBook vor die Wand befördere.

Grüsse, Venom
Nicht die Tugend fordert man von uns, sondern nur ihre Maske.
Wenn wir uns zu verstellen wissen, so ist man zufrieden.
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MinaHarkness
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Re: Immanenz

Beitrag von MinaHarkness »

..

Grüß Dich Venom..
den Link in meinem TB hattest Du gesehen? Wie auch immer, hier also noch mal, weil ich denke, das könnte in gewisser Weise vielleicht etwas erhellend sein. Womöglich findest Du Dich in manchen Teilen wieder. Und falls nicht, um so besser.
Und nun bin ich auch noch ein Psycho.
Ich hatte die erste Zeit ebenfalls Schwierigkeiten mit dieser Diagnose. Das steigert sich, wenn man sich im Netz beliest und feststellt, dass man nun quasi zu einer Art Superpredator avanciert sein soll. Zuerst war ich wütend. Danach begann ich mich zu fragen, inwieweit all das, was dort so veröffentlicht ist, mit mir zu tun hat? Ich sah auch etwas genauer hin, wer sich dort besonders krass erging und warum. Das war hilfreich. Weil ich feststellen durfte, dass es sich in vielen Fällen um enttäuschte Exen handelte, die ihre Enttäuschung abarbeiteten und folglich, aus dieser Enttäuschung (und gekränkter Eitelkeit) heraus, nur zu gerne die Gesamtschuld an der gescheiteten Beziehung, dem "Psycho" anzulasten suchten. Dann waren da noch die Geschäftemacher*innen. Oft gescheiterte, halbseidene Akademiker*innen, über den zweiten Bildungsweg, die versuchten, den Eitelkeitsgekränkten Bücher oder diverse Kurse zu verkaufen, die sie in ihrem Bestreben der Schuldzuweisung unterstützen sollten. Kurzum, ein ziemlich trauriges, wenig aussagefähiges Bild.

Als ich mich mehr darauf konzentrierte, was in der aktuellen Forschung dazu veröffentlich wurde, relativierte sich das Ganze und ich fand mich und mein Erleben auch weitaus besser und klarer abgebildet. Du bist nun zwar ein von einer gewissen Klientel Stigmatisierter, Venom. Aber Du bist es nicht wirklich, weil es letztendlich nicht um Dich geht. Du bist nun nur ebenfalls ein Sinnbild, für eine Form des Versagens am Gegenüber. Und selbst das ist im Grunde grober Unfug, denn Du bist schließlich nicht Deine Diagnose. Mein Partner liest im Übrigen sporadisch mit und bat mich, Dich darauf hinzuweisen, dass Diagnosen lediglich Arbeitshypothesen darstellen, keine in Stein gemeißelten Endpunkte. Das hast Du also bereits selbst sehr richtig erkannt und formuliert.
Ich schicke diesen Text jetzt ab, bevor ich ihn mitsamt dem iBook vor die Wand befördere.
Das Aufschreiben allein hat Dich also bereits in Rage versetzt. Darf ich erfahren, wie Du diese Wut gestern kanalisiert hast? Bist Du aktuell in einer Beziehung? Für mich liest es sich, als hätte erst kürzlich wieder "ein Drama" sein Ende gefunden; in Deinem Leben. Ich kann mich natürlich auch täuschen. Was mich überdies noch interessieren würde, das sind die Zeiträume, von denen wir hier sprechen. Wie lange dauern im Schnitt diese Beziehungsversuche, bevor Du sie beendest, respektive beenden musst, weil Du es nicht mehr handlen kannst?

Und zum guten Schluss: Was konkret meint --> Ich will jemanden, der den Mut hat, mich ganz zu sich zu lassen. (?)

Wie sähe dieses, Dich zu sich lassen, konkret aus? Was würdest Du von der Partnerin erwarten? (Ich nehme an, Du bist heterosexuell und es sind immer Frauen?)

HG Mina
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Venom
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Re: Immanenz

Beitrag von Venom »

MinaHarkness hat geschrieben: 6. Sep 2021, 10:19 Und zum guten Schluss: Was konkret meint --> Ich will jemanden, der den Mut hat, mich ganz zu sich zu lassen. (?)

Wie sähe dieses, Dich zu sich lassen, konkret aus? Was würdest Du von der Partnerin erwarten? (Ich nehme an, Du bist heterosexuell und es sind immer Frauen?)

HG Mina[/align]
Hallo Mina, du weißt, wie ich das meine und zwar ganz genau. Du könntest nicht schreiben, wie und was du schreibst, wüsstest du es nicht. Du lebst bereits, was ich noch will, wenn mich nicht alles täuscht. Was glaubst du denn, warum ich in dieser gezielten Weise auf dich zukomme? ;) Ich bin bisexuell, was bestimmte Bereiche betrifft, innerhalb derer es mir Vergnügen bereitet Macht auszuüben. Eine Beziehung käme für mich aber nur mit einer Frau infrage, das ist richtig. Ich melde mich später zurück. Jetzt habe ich noch einige Termine.

Was hat es zu bedeuten, dass aus LG nun HG wurde?

Grüsse, Venom
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Re: Immanenz

Beitrag von MinaHarkness »

..

Hallo Venom..
Venom hat geschrieben: 6. Sep 2021, 11:34 .. du weißt, wie ich das meine und zwar ganz genau. Du könntest nicht schreiben, wie und was du schreibst, wüsstest du es nicht. Du lebst bereits, was ich noch will, wenn mich nicht alles täuscht.
..das weiß ich nicht mit Gewissheit. Womöglich unterscheiden sich unsere Vorstellungen davon, das gilt es (u. a.) heraus zu finden, denke ich. Sollten wir indes das Gleiche meinen, wäre das ein ziemlich verrückter Zufall. Ich habe sehr lange Zeit angenommen, dass das, von dem ich selbst gar nicht genau wusste, dass es in mir als Ideal angelegt ist, nicht realisierbar wäre. Schlichtweg deshalb, weil es keinen passenden Gegenpart dazu geben würde. Dass ich diesen lange Jahre direkt vor der Nase hatte, das war mir nicht gewahr. Nun hat sich das geklärt und jetzt tauchst Du auf und bekundest, eben so zu sein / das Gleiche zu wollen, wie dieser Gegenpart, mit dem ich lebe. Besagter, mit mir lebender Gegenpart, ist im Übrigen, nach Durchsicht Deiner bisherigen Texte, zu der Ansicht gelangt, dass das in etwa hinkommen könnte; und darüber ziemlich amüsiert. Ich darf mich nun fortgesetzt aufziehen lassen, was meine Begehrlichkeiten betrifft.
Was glaubst du denn, warum ich in dieser gezielten Weise auf dich zukomme? ;)
Ich habe das schon verstanden. Indes entscheide ich nicht alleine, inwieweit ich mich auf - was auch immer - einlassen werde.
Was hat es zu bedeuten, dass aus LG nun HG wurde?
Es erscheint mir Dir gegenüber angemessener, Dich "herzlich" zu grüßen, anstatt "lieb". Dann bis später.

HG Mina
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Venom
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Re: Immanenz

Beitrag von Venom »

Hallo Mina, die Termine sind mir heute nicht so leicht gefallen wie üblich. Ich war dort etwas abwesend und derweil in meinem Kopfkino zu Gast. :lol:
Das Aufschreiben allein hat Dich also bereits in Rage versetzt.
Mehr als ich erwartet hätte, ja.
Darf ich erfahren, wie Du diese Wut gestern kanalisiert hast?
Es kostet mich etwas Überwindung, dir darauf eine ehrliche Antwort zu geben. Ich habe mich einigen Vorstellungen hingegeben, die u. a. dazu führten, dass ich bedauerte, nicht einmal ansatzweise zu wissen, wie du aussiehst. Danach war ich wieder ausgeglichen.
Bist Du aktuell in einer Beziehung? Für mich liest es sich, als hätte erst kürzlich wieder "ein Drama" sein Ende gefunden; in Deinem Leben. Ich kann mich natürlich auch täuschen.
Nur knapp daneben. Ich stehe kurz vor der Beendigung eines weiteren Dramas. Das Auffinden dieses Forums, wird mir das Ganze allerdings leichter machen, schätze ich.
Was mich überdies noch interessieren würde, das sind die Zeiträume, von denen wir hier sprechen. Wie lange dauern im Schnitt diese Beziehungsversuche, bevor Du sie beendest, respektive beenden musst, weil Du es nicht mehr handlen kannst?
Das bewegt sich im Schnitt zwischen einigen Wochen bis einigen Monaten. Mittlerweile werden die Intervalle jedoch kürzer, weil ich unwilliger und unduldsamer werde, mich an etwas, bzw. jemandem abzuarbeiten, bei der ich doch schon von vorneherein weiß, dass sie sich nicht ändern wird. Sie ist, wie bisher immer, die Falsche. Ich habe heute in meinem Kopfkino genauer darüber nachgedacht und bekomme langsam eine Idee davon, woran das liegen könnte. Noch ist es unausgegoren und ich bin erschöpft, besonders meine geistigen Kapazitäten betreffend. Aber ich komme darauf zurück.
..das weiß ich nicht mit Gewissheit. Womöglich unterscheiden sich unsere Vorstellungen davon, das gilt es (u. a.) heraus zu finden, denke ich.
Nachdem du bereits einiges an Text vorgelegt hast, nehme ich an, du erwartest, dass ich dem mit meinen Worten Ausdruck verleihen sollte? Ich werde es also ausführen. Aber nicht mehr heute.
Sollten wir indes das Gleiche meinen, wäre das ein ziemlich verrückter Zufall.
Ich glaube nicht an Zufälle. Das Resonanzgesetz hingegen, das halte ich nicht für völlig abwegig. Vielleicht war ich soweit. Oder du bist es.
Ich habe sehr lange Zeit angenommen, dass das, von dem ich selbst gar nicht genau wusste, dass es in mir als Ideal angelegt ist, nicht realisierbar wäre. Schlichtweg deshalb, weil es keinen passenden Gegenpart dazu geben würde.
Was hast du in dieser Zeit getan? Hast du aktiv gesucht? Doch wohl eher nicht, wenn du das, was vor deiner Nase war, sogar übersehen hast, wie du sagst.
Besagter, mit mir lebender Gegenpart, ist im Übrigen, nach Durchsicht Deiner bisherigen Texte, zu der Ansicht gelangt, dass das in etwa hinkommen könnte; und darüber ziemlich amüsiert. Ich darf mich nun fortgesetzt aufziehen lassen, was meine Begehrlichkeiten betrifft.
Begehrlichkeiten klingt gut. Ich steuere bei Gelegenheit gerne noch meine bei.
Ich habe das schon verstanden. Indes entscheide ich nicht alleine, inwieweit ich mich auf - was auch immer - einlassen werde.
Das ist mir bewusst. Der Betreffende wird wissen, dass mir das nicht gefällt. Vielleicht gefällt ihm das.
Es erscheint mir Dir gegenüber angemessener, Dich "herzlich" zu grüßen, anstatt "lieb".
Danke.

Grüsse, Venom
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MinaHarkness
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Re: Immanenz

Beitrag von MinaHarkness »

..

Hallo Venom..
wie ich las, hast Du "dem Elend" ein Ende gemacht. Ob ich Dich jetzt unbedingt beglückwünsche sollte, darüber bin ich noch nicht schlüssig. Wie auch immer, ein totes Pferd soll man nicht mehr reiten, insofern..
Es kostet mich etwas Überwindung, dir darauf eine ehrliche Antwort zu geben. Ich habe mich einigen Vorstellungen hingegeben, die u. a. dazu führten, dass ich bedauerte, nicht einmal ansatzweise zu wissen, wie du aussiehst. Danach war ich wieder ausgeglichen.
Ich bin derartigen Antworten nicht abgeneigt und betrachte sie als Kompliment. Der optischen Leerstelle wurde indes Abhilfe geschaffen. Anzumerken wäre vielleicht, dass es scheinbar vielen Frauen Probleme bereitet und sie sich in solchem Kontext "missbraucht" fühlen oder "herabgewürdigt". Das ist mir bereits häufiger aufgefallen. Das bewegt sich erfahrungsgemäß exakt auf der Ebene, auf der der Hase im Pfeffer liegen dürfte, der Dich vor Blockaden prallen lässt. Vielleicht war das heute auch schon ein Einspieler in Deinem mentalen Kinosaal?
Nur knapp daneben. Ich stehe kurz vor der Beendigung eines weiteren Dramas. Das Auffinden dieses Forums, wird mir das Ganze allerdings leichter machen, schätze ich.
Ja. Scheinbar hat das hervorragend funktioniert. Ist es Dir denn schwer gefallen? Es las sich jedenfalls nicht so.
Das bewegt sich im Schnitt zwischen einigen Wochen bis einigen Monaten. Mittlerweile werden die Intervalle jedoch kürzer, weil ich unwilliger und unduldsamer werde, [..] Noch ist es unausgegoren und ich bin erschöpft, besonders meine geistigen Kapazitäten betreffend. Aber ich komme darauf zurück.
Nur kein Stress. Ich selbst befinde mich aktuell ebenfalls in zeitlichen Notsituationen. Dass Du nun hier aufgeschlagen bist, das macht es nicht besser. Was aber keineswegs heißen soll, dass ich das bedauern würde. Außerdem schätze ich, dass wir sicherlich nicht die Typen sind, die in solchem Rahmen zum Weglaufen neigen. Anders: Ich denke, wir können uns Zeit lassen.
Nachdem du bereits einiges an Text vorgelegt hast, nehme ich an, du erwartest, dass ich dem mit meinen Worten Ausdruck verleihen sollte? Ich werde es also ausführen. Aber nicht mehr heute.
Bitte kein Stress! (Wie gesagt.) Aber, ja - ich bin gespannt.
Was hast du in dieser Zeit getan? Hast du aktiv gesucht? Doch wohl eher nicht, wenn du das, was vor deiner Nase war, sogar übersehen hast, wie du sagst.
Nein. Ich war allein und versuchte damit möglichst gut zurecht zu kommen. Eine Weile kompensierte ich mit diversen Sessions, was sich irgendwann nur noch hohl, ernüchternd und irgendwie entwürdigend anfühlte. Ich stellte also auch diese Aktivitäten ein und beschränkte mich auf mich selbst. Aus diversen Gründen legte ich schließlich einen Nervenzusammenbruch hin und wurde damit empfänglich für die Zuwendungen meines aktuellen Partners. Alles Weitere ergab sich daraus.
Begehrlichkeiten klingt gut. Ich steuere bei Gelegenheit gerne noch meine bei.
Tust Du das nicht bereits?
Das ist mir bewusst. Der Betreffende wird wissen, dass mir das nicht gefällt. Vielleicht gefällt ihm das.
Uns gefällt es. Wenn es so richtig schön sein soll, tut es doch immer auch ein bisschen weh. (?) ;-)

HG Mina
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Venom
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Re: Immanenz

Beitrag von Venom »

Hallo Venom..
wie ich las, hast Du "dem Elend" ein Ende gemacht. Ob ich Dich jetzt unbedingt beglückwünsche sollte, darüber bin ich noch nicht schlüssig. Wie auch immer, ein totes Pferd soll man nicht mehr reiten, insofern..
Hallo Mina, die Gelegenheit war günstig, weil sie sowieso angerufen hat. Während ich ihr übliches Gerede an mir habe vorbeirauschen lassen, dachte ich darüber nach, ob ich es sofort oder lieber per Text- oder Sprachnachricht beenden sollte. Nachdem ich, schätze ich, mindestens 10 Minuten geschwiegen hatte und sie das nicht einmal bemerkte, in ihrem endlosem, belanglosem Geplapper, über irgendeine Shoppingtour mit irgendwelchen Freundinnen, habe ich sie unterbrochen und ihr mitgeteilt, dass ich denke, dass ein Weiterführen dieser Beziehung sinnlos wäre. Sie fiel aus allen Wolken. Mir war das unerklärlich.

Seit Wochen werde ich vollgeheult, dass sie das Gefühl hätte, ich liebe sie nicht mehr. Während ich fortwährend versuchte zu ihr durchzudringen und, hinter all diesem zwanghaft überangepasstem Scheiß, die eigentliche Person zu finden hoffte, die ich irgendwo da drin vermutete. Aber dort war nichts. Nur Scham, Angst, Hysterie, sich verstecken wollen vor mir. Wie soll ich sowas lieben? Erklär mir das mal einer. Und wie soll sowas mich lieben? Wenn ich mich ihr zeigen würde, die fällt mir doch tot um vor Entsetzen. Dass sie sich dafür interessiert hätte, davon reden wir jetzt mal gar nicht. Das ist so bizarr, so völlig aussichtslos und grottendämlich, dass es schon wieder lustig ist. Demzufolge habe ich angefangen zu lachen, als sie mir vorwarf, ich hätte sie nie geliebt. Ja! Wie denn auch? Jetzt bin ich natürlich ein Monster, das sie auch noch auslacht, während es ihr Herz bricht.

:hdk:
Ich bin derartigen Antworten nicht abgeneigt und betrachte sie als Kompliment. Der optischen Leerstelle wurde indes Abhilfe geschaffen. Anzumerken wäre vielleicht, dass es scheinbar vielen Frauen Probleme bereitet und sie sich in solchem Kontext "missbraucht" fühlen oder "herabgewürdigt". Das ist mir bereits häufiger aufgefallen. Das bewegt sich erfahrungsgemäß exakt auf der Ebene, auf der der Hase im Pfeffer liegen dürfte, der Dich vor Blockaden prallen lässt. Vielleicht war das heute auch schon ein Einspieler in Deinem mentalen Kinosaal?
Mina, ich weiß nicht, warum ich gerade jetzt über dich gestolpert bin, aber ich bin froh darüber. Ja, der Einspieler war da, wie du richtig vermutest. Allerdings war das, was du mir vorhin geschickt hast, noch wesentlich eindrücklicher in dieser Hinsicht. Das war so, als würde man eine Raubkatze neben einem Lamm postieren und mich fragen, was ich glaube, was besser zu mir passt?

Ich hatte erwähnt, dass ich einen Hintergrund habe, der von Strenge und starren, moralischen Regeln geprägt war. Und, das begreife ich tatsächlich erst jetzt, der dafür sorgte, dass meine Wahl immer auf möglichst unschuldig und tugendhaft erscheinende Frauen fiel, schließlich suche ich im Grunde etwas Festes. Eine „anständige“ Frau. Und eine „anständige“ Frau, die ist sittsam, achtet darauf, nicht bei „etwas Schmutzigem“ erwischt zu werden und schon gar nicht, will sie sich selbst ansehen, während jemand anderer dabei ist. Denn dabei könnte es unter Umständen gar nicht so anständig zugehen, wie es nach außen erscheinen soll.

Aber genau dort will ich hin. Ich will dorthin, wo der Anstand endet und das Menschsein beginnt. Wo man befreit ist von all dem, von dem ich in meinem Leben zu viel hatte. So viel, dass ich mich gezwungen sah, mich davon innerlich komplett abzutrennen. Diese ganze Sauergrütze aus angeblicher Gottgefälligkeit, Anstand und Moral, die dazu führt, dass Kinder grün und blau geprügelt werden, wenn sie es wagen, Kind sein zu wollen. Diesem vollkommen kranken Umfeld entwachsen zu sein, betrachtete ich eigentlich als meine Lebensleistung, nur um, genau jetzt, feststellen zu müssen, dass es mich in gewisser Weise noch immer bestimmt. Und dann noch diese Diagnose. Was soll ich jetzt denken? Ich könnte gerade schon wieder etwas gegen die Wand werfen. Vielleicht sollte ich nochmal duschen. Diesmal kalt.

Ich habe mir eingebildet, dass sie sich doch überwinden können müssten. Wenn sie mich lieben, wie sie sagen, dann müssen sie sich mir doch zeigen wollen? Müssten doch wollen, dass man sie, also die eigentliche Person am tiefsten Grund, ansieht und annimmt wie sie ist. Aber alles was ich zu sehen bekomme, ist immer nur das gleiche Abziehbild, einer Persönlichkeit, deren dringlichstes Bestreben darin besteht, ihre wahre Natur zu verbergen, sogar vor sich selber, wie es mir scheinen will. Wie soll ich mich einer solchen Persönlichkeit anvertrauen? Wie soll ich auch nur im Entferntesten darauf vertrauen können, dass eine solche Persönlichkeit mich ansehen und annehmen könnte. Das kann nicht gehen. Und im Grunde weiß ich das wohl schon sehr lange.

Diese Wut, womöglich bezieht sie sich auch auf meine eigene Idiotie, die sich in alledem ausdrückt. Das sortiert sich momentan in mir und muss sich erstmal setzen. Es blieb bei diesem kranken Versteckspiel. Sie sich vor mir. Ich mich vor ihnen. Jetzt habe ich gerade richtiggehend Hass. Ich werde mal zusehen, dass ich mich abkühlen gehe.

Grüsse, Venom
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Re: Immanenz

Beitrag von MinaHarkness »

..

Sei mir gegrüßt Venom..
ich hoffe, Du hast Dich heute früh möglichst zügig wieder abkühlen können; was immer das für Dich auch bedeutet haben mag in dieser Situation. Mir selbst haben sich durch Dein Posting viele Fragen beantwortet, unseren vorhergehenden Dialog betreffend. Da Du nun ziemlich eindrücklich dargelegt hast, worum es Dir im Wesentlichen geht, gelange ich zu der Ansicht, dass wir im Kern wohl tatsächlich das gleiche Erleben teilen. Zufall oder Resonanz, im Endeffekt ist das Ergebnis wie es eben ist.
Das war so, als würde man eine Raubkatze neben einem Lamm postieren und mich fragen, was ich glaube, was besser zu mir passt?
Du machst Dir kein Bild, wie sehr ich die Lämmer beneidet habe. Darum, dass sie nicht besudelt sind, wie ich selbst mich so lange Zeit erlebt habe. Mir war das indes nicht wirklich bewusst und ich wollte es auch gar nicht wissen. Stattdessen erging ich mich in überheblicher Verachtung und darin, die Lämmer auszubooten, was mir, aufgrund deren offensichtlicher Naivität und Sehnsucht nach Zuneigung und Bestätigung / Zuspruch, nicht schwer gefallen ist. Es war sehr schnell, sehr langweilig, weil es immer das Gleiche war. Es bedeutete eigentlich keinerlei Herausforderung mehr und ödete mich nur noch an. Da ich lügen kann, wie gedruckt und ohne jegliches schlechte Gewissen, und überaus kreativ darin bin, war es für Charaktere, die bereits bei einer Notlüge rot anlaufen, überrannt von ihrer Scham, schlichtweg jenseits ihres Vorstellungsvermögens, was ich vollkommen gelassen und ungerührt abliefern kann. Und ich wette meinen Hintern, dass Du das ebenfalls kannst. Du hast es früh erlernt, sehr früh, will ich meinen.

Das bringt mich zu Deiner Frage aus meinem Tagebuch, alias:
Venom hat geschrieben: 5. Sep 2021, 12:48 Nun kommst du und sagst nicht nur, dass es weniger Gefühle wären, sondern Wille, der sich auch noch lenken ließe. Ganz so, als würde ich entscheiden, ob ich heute die rote oder die schwarze Krawatte anlege. Oder habe ich dich missverstanden?
Nicht wirklich. Es ist tatsächlich eine Entscheidung. Will ich ehrlich sein? Oder will ich es nicht? In erster Linie zu mir selbst. Denn - und das ist die Crux (und die Blockade, vor die Du pralltest, bei Deinen Gegenübern) - man kann zum Gesprächspartner nur so ehrlich sein, wie man es sich selbst gegenüber bereit ist zu sein. Verleugnet man sich selbst, warum auch immer (dazu kommen wir dann sicherlich im Weiteren noch), dann ist "da drin", tatsächlich nichts weiter, als das, was Du als Angst, Scham und sich verstecken wollen erlebt hast. Da ist NICHTS WEITER, was für die Betreffende wahrnehmbar wäre, verstehst Du? Sie versteht nicht (oder will nicht verstehen / es überfordert sie), was Du von ihr willst und sie fühlt sich von Dir bedrängt, genötigt und ungeliebt. Du bist ein Aggressor, der ihr weh tut, weil er sie in Bedrängnis bringt, mit seinen "Verhörtechniken eines Staatsanwaltes". Sie bricht in Tränen aus, sagt Dir, Du wärest kalt, unmenschlich und hättest kein Mitgefühl; und Du willst sie töten dafür. Weil Du siehst, dass sie Dich anlügt. Doch das tut sie nicht. Sie lügt SICH an (und damit Dich). That's it. That's all. Sie hat gar keine Wahl. Sie ist so ehrlich, wie sie es eben sein kann. Ihrem Reifegrad entsprechend. Denk einmal in Ruhe darüber nach Venom.

Du suchtest eine "anständige Frau", eine zum "Familie gründen", nehme ich an. Kinder? Wenn Dein altes Weltbild Dich noch bestimmt, wenn auch nur latent, gehören diese ebenfalls dazu. Ergo werden die Frauen wohl auch recht jung sein, die Du auswählst, oder? Das sind selbst noch Kinder. Und deshalb sitzen sie auch in dieser Art vor Dir, meint:
Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, in der derartige „Verhöre“ an der Tagesordnung waren. Und ich weiß nur zu genau, welche Ausweichstrategien wir Kinder nutzten, um nicht zugeben zu müssen, was sich tatsächlich in uns abspielte, um nicht bestraft zu werden. Und, verdammt sei ich, wenn ich nicht exakt diese Show vor mir sitzen habe.
Du siehst richtig. Deine Wahrnehmung trügt Dich nicht. Da sitzt ein verängstigtes Kind vor Dir, das davon träumt, was Liebe sein könnte; indes nicht einmal im Ansatz begreift, was das wirklich bedeutet.

Was Du willst, das steht hier, Du selbst hast es mir verlinkt, weil Du Dich daran entzündet / aufgehangen hast; und deshalb kommst Du auf mich zu:
MinaHarkness hat geschrieben: 13. Aug 2021, 02:05
Und dann entdeckte ich:

- Dass Nähe zulassen, nichts weiter bedeutet, als sich selbst (darin) aushalten zu können.
- Sich selbst bis ins letzte Ende zu reflektieren, um den Zugang zuzulassen und sich selbst (und das Gegenüber) dort in Empfang zu nehmen.
- Dass das Wissen, darum, jemandem den Schlüssel zum eigenen tiefsten Innen zu übergeben, einen nicht schwach, sondern um so vieles stärker werden lässt.

Denn in diesem Akt des vollkommenen Vertrauens, liegt die unbedingte Annahme des eigenen Selbst. Und dieses Selbst, es ist die gewaltvollste und gezielteste Triebkraft im eigenen Inneren. Nichts vermag so sehr für sich einzustehen. Nichts sonst ist in der Lage, derartige (Widerstands)Kräfte zu mobilisieren. Nichts sonst, als die eigene, unbedingte innere Nähe, Annahme und Einsicht, verhilft einem zu mehr Eigenverantwortlichkeit und Eigenmacht.

Sich völlig zu verschenken (verschenken zu können), impliziert, dass das, was man verschenkt, einem selbst vollständig gehört.

Man sagt Menschen wie mir nach, dass wir nicht wüssten, was Liebe ist. Heute sage ich denen, die mir das nachsagen, dass sie selbst es nicht wissen.

..

Liebe ist Wille. Unbedingter, vollkommen bewusster, unbeugsamer, von Sehnsucht beflügelter, zielgerichteter Wille. Ich will wollen.

Wollen heißt leben(dig sein) und Bereitwilligkeit bringt Frieden.


..
Bereitwilligkeit und Immanenz. Man muss es wollen, um es zu spüren. Ich habe sehr wollen müssen, mit allem was ich bin, um mich selbst so weit eröffnen zu können. Und es geht stetig weiter. Aber ja, ich will. Es ist das Beste, was ich je für mich getan habe. Jedoch ist das nicht die Norm. Das ist sogar so verflixt weit ab davon, dass es schwierig wird einen Gegenpart zu finden und den Weg gemeinsam zu komplettieren. Das schrieb ich bereits. Am Ende ist man Eins. Man ist UNS. Du begegnest UNS, Venom. In mir lebt ein weiteres Wesen, desjenigen, dem ich gehöre, weil ich das will. Ob aus Zweien in mir, Dreie werden könnten, diese Frage stellte sich bisher nicht. Der Gedanke ist nicht unattraktiv. So weit für heute. Ich hoffe, Dein Tag wird gut laufen.

HG Mina
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Re: Immanenz

Beitrag von Venom »

Hallo Mina, danke für deine aufschlussreiche Antwort. Ich befinde mich in einer Verfassung, die ich selbst als „neben mir“ bezeichnen würde. Die restlichen Termine habe ich canceln müssen, weil ich mich außerstande sehe, mich in diesem Zustand adäquat zu verhalten. Das ist mir zuvor noch niemals passiert. Ich bin so voller Hass, wenn ich mich dem Thema auch nur peripher zuwende, dass ich glaube, zur Zeit wäre es besser, ich richte meinen Fokus gezielt auf andere Dinge.

Ich kann mich zwar problemlos freischaufeln, weil ich in einer Position tätig bin, die mir maximalen Freiraum lässt, dennoch fühle ich mich von der akuten Lage etwas bedroht, weil ich sie wenig einzuschätzen weiß. Was tust du in solchen Situationen? Du hast mehrmals von einem „Ozean aus Hass“ geschrieben und von „asozialen Phasen“, was mich vermuten lässt, dass dir mein derzeitiges Befinden nicht unbekannt sein dürfte. Wie lange dauert sowas bei dir an?

Grüsse, Venom
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MinaHarkness
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Re: Immanenz

Beitrag von MinaHarkness »

..

Angesichts dessen, Venom, was Du beschreibst, halte ich es tatsächlich für besser, wenn wir das Thema erst einmal ruhen lassen. Bezüglich Deiner Fragen reiche ich gleich noch eine PN nach.

HG Mina
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Venom
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Re: Immanenz

Beitrag von Venom »

Mina, es ist faszinierend für mich, wie du mit mir reden kannst, ohne, dass ich wütend werde. Hätte man mich gefragt, was ich tun würde, käme irgendeine Frau, die ich noch nicht einmal persönlich kenne, daher, und würde mir erklären wollen, dass ich mich all die Jahre lang verarscht hätte, ich hätte nur gelacht. Nachdem du nachsetzt, mir erläuternd, dass ich nun einer dieser Dämonen meiner Kindheit wurde (vielleicht lebt auch eine ganze Horde in mir, auch diese Vorstellung verdanke ich nun dir) bescherten mir meine paar Stunden Schlaf, nicht viel mehr als wirre Träume.

Zerschlagen, wie ich mich fühle, habe ich beschlossen, dass ich Urlaub brauche. Etwas, das ich mir seit einigen Jahren nicht mehr in nennenswerter Form gegönnt habe. Nicht nur, um mich nicht in Langeweile zu verlieren, sondern auch deshalb, weil ich keinerlei Lust in mir verspürte, mit einer derer in Urlaub zu fahren, an denen ich mich inbrünstig zum Sisyphos gemacht habe. Arbeit ist auch eine hervorragende Ausrede. Ich stelle mir deine Stimme vor, die trocken vermerkt: „Auch vor sich selber.“ Du bist bereits in meinem Kopf. Faszinierend, wie gesagt.

Zwischenzeitlich habe ich mich etwas regulieren können und bin zwar noch immer in einer Art Nebel verfangen, allerdings deutlich versachlicht. Mir ist nachvollziehbar, was du ausführst, Mina. (Dass dies ein realer Rufname ist, macht es attraktiv, ihn zu gebrauchen, merke ich. Ich überlasse es dir, ob du es ebenso halten willst.) Ich verstehe jetzt auch besser, warum ich das, von dem mir klar wird, dass ich es zu finden hoffte, nicht in diesen Frauen finden konnte, die du ganz richtig als Kinder bezeichnest.

Kleine Rauschgoldengel scheuen Schmutz. Den auch noch in sich selber zu suchen, unter den Augen des gestrengen Vaters, das überfordert sie, das verstehe ich jetzt. Der ein Hosianna trällernde Teppich, er soll gnädig darüber liegenbleiben, durchtränkt von sittsamen Krokodilstränen. Ich habe die Kindlein auch nie fachgerecht verschnürt, obwohl ich davon träumte. Wobei ich die Vorstellung pädophil zu sein, die darin mitschwingt, irgendwie witzig finde. Ich kann mich hingegen damit beruhigen, dass ich auf eine erwachsene Frau deutlich besser anspreche, was du mir eindrücklich bewiesen hast.

Auf mich wirkt unser Austausch, hier, und besonders an anderer Stelle, regelrecht besänftigend. Wohl aus dem Gefühl heraus, dass diese Welt mich scheinbar doch nicht vollständig betrogen hat. An besagter anderer Stelle findest du ebenfalls etwas vor. Ich war mir nicht sicher, ob du das hier würdest haben wollen, wobei ich davon ausgehe, dass wir einen gewissen Exhibitionismus beiderseits in uns vorfinden.

Beste Grüsse, Gabriel

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Re: Immanenz

Beitrag von MinaHarkness »

..

Grüß Dich Gabriel..
ich habe immer wieder feststellen dürfen, dass das Darlegen bestimmter, psychisch gesteuerter Funktionsmechanismen, durchaus hilfreich sein kann. Dass ich mich bemühe, mich dabei einer möglichst wenig psychologisierten Sprache zu bedienen, hat sich immer wieder als Vorteil erwiesen. Du kennst nun zwar, wie Du mir mitteiltest, einige Termini mehr, nichtsdestotrotz sind sie nur Hülle für Inhalt, den ein Laie oft nicht damit zu verknüpfen weiß. Was nützt denn der klügste Vortrag, wenn er ins Leere läuft? Deshalb habe ich es auch versucht, wie ich es versuchte. Mit Erfolg, wie mir scheint. Hierin kommt mir zugute, dass ich in der Vergangenheit gelernt habe, im Zuge meiner ehemaligen Tätigkeit, dass es elementar ist, Sachverhalte (be)greifbar zu machen. Man tut indes das Gegenteil, verklausuliert man sie in Fachsprache, die das Publikum - mit viel Glück - nur rudimentär zu erfassen weiß. Die Kunst, sie besteht darin, das Verklausulierte in eindringliche, anschauliche Worte zu fassen. In solche, die zu durchdringen mögen. Als Du mir geschrieben hattest, dass Du das Ganze als überaus eindrücklich in Dir (nach)empfindest, wusste ich, ich hatte erreicht was ich wollte. Du verstehst, was ich sage, be-geifst es in Dir. Ich belüge Dich nicht, das kannst Du spüren; warum also solltest Du zornig auf mich werden? ;-)

Und hat man diese Mechanismen erst erkannt (und genau dorthin wollte ich Dich mitnehmen), fügt sich die innere Logik in fast magischer Weise zusammen und ergibt ein stimmiges Bild, von dem man vorher nur Fragmente sah. Diese Fragmente, Puzzleteilen gleich, die einen zu unzähligen, vergeblichen Versuchen animierten, sich zusammen zu setzen, nur um sie am Ende wutentbrannt vor die Wand zu werfen, sind die Zutaten der Selbsterkenntnis. Die, mit denen man sich am intensivsten und dringlichsten beschäftigte, sie sind das eigentliche Lebensthema.

Was Du mir an anderer Stelle überstelltest, das ist in der Tat nichts, was ich für öffentlichkeitsgeeignet (wenn auch durchaus für -wirksam :D) halte. Indes mir die Vorstellung dessen, was Du mir, ebenfalls sehr eindrücklich, darlegtest, sehr großes Vergnügen bereitet; gebe ich mich ihr hin. Was ich natürlich ausgiebig getan habe. Davon wiederum profitiert nun derjenige, der das Ganze begleitend und interessiert beobachtet. Mich immer wieder sehr intensiv befragend, was das alles mit mir macht, um wohl heraus zu finden, wie wir Alle den größten Spaß haben könnten, letztendlich. Ich verlasse mich dabei gerne auf ihn, weil er ein wunderbar hedonistischer Mensch ist, der darin großes kreatives Potenzial besitzt.

Um den Urlaub beneide ich Dich ein wenig. Wir sind hier derartig dicht, mit zu erledigenden Dingen, dass die Zeit, die ich mir für das Internet und nun auch für unsere beginnende Liaison nehme, eigentlich grundsätzlich woanders fehlt. Nichtsdestotrotz reut mich dieser Diebstahl am Kontingent in keinster Weise. Wie wir erfreulicherweise nun wissen, ist die Entfernung zwischen Dir und uns eine überschaubare. Wir könnten also womöglich darüber nachdenken, dass Du einen Teil Deines Urlaubes hier oben verbringst. Dieses Gebiet ist touristisch gut aufgestellt und selbst bei uns um die Ecke gibt es Angemessenes zur Miete. Nicht zu vergessen, dass es hier landschaftlich sehr schön ist, falls Du dem Flanieren in freier Wildbahn etwas abgewinnen kannst.

Deine Annahme, bezüglich des Exhibitionismus, dürfe hiermit erschöpfend bestätigt sein. :hea:

Herzlichst, Mina
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Re: Immanenz

Beitrag von Venom »

Liebe Mina, diese Idee gefällt mir außerordentlich gut, wie ich dir, sehr zu meinem Gefallen, nun persönlich sagen konnte. Ich stehe noch immer unter dem Eindruck dieses Gesprächs, das ich in einer solchen Intensität nicht erwartet hätte. Diese, mir vollkommen neue Konstellation, übt auf mich einen überraschend starken Reiz aus, den ich durchaus zu schätzen weiß. Du kennst es wohl selber nur zu gut, dass derartige Bewegtheit etwas ist, das Seltenheitswert besitzt und damit den zugeordneten Stellenwert erhält. Ich befinde mich jetzt in einer Situation, meine gesamte Erwartungshaltung zu hinterfragen, tiefere Bindungen betreffend.

Zusätzlich ist es für mich eine völlig neue Erfahrung, dass eine Frau mir Vorträge hält. Und dann auch noch solche, mit denen ich tatsächlich etwas anfangen kann. Was sich sexistisch liest und auch absolut so gemeint ist. Womit sich impliziert das darin enthaltene Kompliment verstärkt. So herum geht es schließlich auch. Ich nehme diese Eindrücke jetzt mit und behalte deine Stimme im Kopf, während ich etwas für meine Fitness tun werde, von der ich annehme, dass ich sie in nächster Zeit noch brauchen werde. Natürlich rein das Flanieren betreffend, dem ich in der Tat zugeneigt bin, je urwüchsiger, umso lieber.

Ebenso herzlich, Gabriel
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Re: Immanenz

Beitrag von MinaHarkness »

..

Werter Gabriel..
ich für meinen Teil kann das Resümee ziehen, dass es sogar noch deutlich besser war, als ich es mir erhofft hatte. Sehr viel besser als erwartet, das trifft es. Ich bin nun sehr gespannt auf das, was geschehen wird und auch angenehm erfüllt davon. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Internetpräsenz mir auch in dieser Hinsicht dienlich sein wird; bin indes äußerst erfreut darüber. Was nun die Vorträge angeht, so sehe ich alle Menschen als Reisende an, auf ihrem höchsteigenen Weg. Dass ich Dich scheinbar so mühelos und effektiv zu erreichen vermag, liegt, so meine Überzeugung mittlerweile, daran, dass wir die gleiche Sprache sprechen und Du bereits mit gepackten Koffern an einer Wegkreuzung standest, an der wir uns gegenseitig nur noch abholen mussten. Ich war bereits bei Deinem ersten Beitrag hier getriggert, ob Deiner Ausdrucksweise, die der meinen so verblüffend ähnlich ist. Dass Du auch optisch dem entsprichst, was ich präferiere, so wie eine Stimme besitzt, auf die ich sehr affin reagiere, komplettiert den Glücksfall. Dass es sich im umgekehrten Fall genauso zu verhalten scheint, führte dann zur Intensität des Gespräches, die ich in gleicher Weise erlebt habe. Ich bin, wie gesagt, sehr gespannt, wie es sich in der persönlichen Begegnung gestalten wird.

Der Zustand, in dem ich mich nun befinde, ist mir überaus angenehm. Der Spieltrieb ist auf einem Level, dass er sich fortwährend mit all diesen neuen Möglichkeiten beschäftigen will. Unser Beider Beobachter wiederum, nutzt diesen Zustand genüsslich in seinem Sinne aus und zieht mich überdies noch auf damit, ob ich mir nicht zu viel zutrauen könnte, will ich mich gleich zwei unbedingten Herren der Schöpfung anvertrauen. Ich indes bin übermütig und stelle mir das als wundervolle Uferlosigkeit vor, in die ich mich schwelgerisch hinein zu begeben gedenke. Mea maxima culpa. Ich stehe nun einmal nicht auf einer sonnigen Weide herum. Wie war das mit dem Exhibitionismus? Ich lerne aktuell etwas über meinen, schätze ich.

Herzlichst .. und anderes .. Mina
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Re: Immanenz

Beitrag von Venom »

Geschätzte Mina, ich habe meinen, ebenfalls ausgeprägten Spieltrieb, bisher immer nur in einem Umfeld ausleben können, mit dem mich nichts Persönliches verbunden hat. Die Idee, dass sich das nun ändern wird, hat etwas ungewöhnlich Anregendes. Die Vorstellung, dir Freude zu bereiten, sie macht mir selbige. Diese Komponente ist weitgehend neu. Bisher habe ich diese Art Zusammenkünfte eher zur Abarbeitung (vorwiegend von Aggression und Trieb) genutzt, bei der mir die Reaktionen der Spielpartner lediglich zur Bestätigung meiner Absichten dienten. Dass uns jemand dabei zusieht oder unterstützt, ist etwas, das sich noch einpassen muss in mir, fühlt sich grundsätzlich aber nicht unangenehm an. Ich kenne derartige Zusammensetzungen, allerdings, wie gesagt, in einem unpersönlichen Rahmen.

Ich habe einiges von dir nachgelesen, zwischenzeitlich, Mina. Und ich bin einerseits nicht erstaunt darüber, dass sich, aus deiner Lebensgeschichte heraus, diese Art Neigungen entwickelten. Andererseits frage ich mich, inwieweit ich mich womöglich an einer Trauma-Reinszenierung beteiligen würde? Ich würde gerne mehr darüber erfahren, über das „Setting“, wie du es nennst, deines Missbrauchserlebens, bei dem mir besonders die Formulierung „rituell“ ins Auge fiel. Verbindet uns womöglich sogar mehr, als ich bisher weiß? Bin ich eventuell auch aus meinem Hintergrund heraus ein „geeigneter Kandidat“? Ich wäre ebenso ein „Opfer“, das als „Täter“ taugt, dem man, inhärent in einem Gewaltakt, vergeben kann?

Ich bilde mir ein, dass derartige Nachstellungen in gewisser Weise alte Blockaden würden aufbrechen können. Oder täusche ich mich darin? Ist das womöglich sogar das, worum es (dir/euch) dabei geht? Ich wünsche mir, zu wissen, worin ich involviert werden werde, als „Dritter im Bunde“. Und, als was dieser Dritte im Bunde sich betrachten darf? Bin ich lediglich ein Gehilfe auf Zeit, oder ergibt sich daraus etwas, das weiter reichen kann und soll? Ich stelle in mir den Impuls fest, wissen zu wollen, auf was ich mich einlasse. Ich nehme an, dieser Impuls entsteht aus dem Umstand heraus, dass ich derzeit meinen gesamten Lebensplan auf dem Prüfstand stehen habe, was den Bereich Bindung und Familienplanung betrifft. Mich haben die letzten Tage, in dieser und auch anderer Hinsicht, durchaus erschüttert.

Danke im Übrigen für das großzügige Angebot des Gästezimmers, welches ich gerne annehme. Das bedeutet, dass ich unsere Zusammenkunft als gesetzt ansehe, unabhängig davon, wie deine Antworten auf meine Fragen ausfallen werden. Ich versuche jedoch, meine Erwartungshaltung anzupassen, um unnötige Irrtümer meinerseits zu vermeiden.

Herzlich und nachdenklich, Gabriel
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Re: Immanenz

Beitrag von MinaHarkness »

..

Lieber Gabriel..
Deine letzte Replik hat mich nun um so mehr davon überzeugt, dass Du "der Richtige" bist. Dein explizites Nachfragen, beweist ein Gespür, das für mich von unschätzbarem Wert ist. Und es zeigt mir, dass Du dort hin willst, wo Du bekundest hin zu wollen. Zu der Person als solches. Du bist somit überaus aufmerksam und gezielt fragend. Ich kann mir schon vorstellen, dass die Englein in Panik verfielen. ;-) .. Das ist es indes auch, wo ich hin will. Zu mir. Hinter die Blockaden; Stück für Stück, immer mehr. Zu dem, was am Urgrund schlummert. Dort, wo der Schmutz eines ganzen Lebens den Bodensatz bildet, den ich aufzurühren gedenke, um ihn der Strömung übergeben zu können, die ihn hinweg tragen kann.

Gut, gehen wir es im Einzelnen durch. Du verdienst eine möglichst detaillierte Antwort:
Andererseits frage ich mich, inwieweit ich mich womöglich an einer Trauma-Reinszenierung beteiligen würde?
Absolut würdest Du das, Gabriel. Ich nenne zahllose Trigger mein Eigen, in diesem Kontext, die sich mit Sicherheit in einer Dreierkonstellation noch einmal in deutlich verschärfter Form zeigen würden. Mein Partner, der mich unverzüglich zurück zu holen weiß, sollte ich aufgrund eines solchen Triggers dissoziieren, wird Dir dahingehend zu assistieren wissen. Der Vorteil, der in diesem Umstand liegt, respektive, dass ich völlig "außer mir" sein kann, ist die Intensität, die sich daraus ergibt. Das muss man zu handhaben wissen, was gegeben ist, durch die Anwesenheit meines Partners, der Dir, wie gesagt zeigen wird, wie ich funktioniere, so dass Du mich regulieren / führen kannst. Man könnte auch über Switches nachdenken, doch das ist Zukunftsmusik. Dazu ein Link: Hier.
Ich würde gerne mehr darüber erfahren, über das „Setting“, wie du es nennst, deines Missbrauchserlebens, bei dem mir besonders die Formulierung „rituell“ ins Auge fiel. Verbindet uns womöglich sogar mehr, als ich bisher weiß? Bin ich eventuell auch aus meinem Hintergrund heraus ein „geeigneter Kandidat“?
Ja. Das hast Du auf den Punkt genau erkannt. Zum Setting bekommst Du eine private Mitteilung, die ich im Anschluss hieran verfassen und Dir senden werde. Ich will das hier nicht manifestieren, weil das etwas ist, das mögliche Missbrauchsopfer, die vielleicht irgendwann einmal in diesen Thread hinein stolpern und mitlesen, aus den Angeln hebeln könnte. Im Angesicht dessen, was das Thema dieses Forums ist, möchte ich das nicht riskieren. Ich denke, wir befinden uns aktuell sowieso bereits an einem schmalen Grat dessen, was man noch öffentlich schreiben kann. Nichtsdestotrotz will ich es darlegen. Auch deshalb, um zu manifestieren, dass das, was oft in die Schmuddelecke gestellt wird, durchaus heilsam sein kann.
Ich wäre ebenso ein „Opfer“, das als „Täter“ taugt, dem man, inhärent in einem Gewaltakt, vergeben kann?
Auch diese Note schwingt in der Komposition mit, ja. Ich versuche, im Wesentlichen, mir über all das meine unbedingte Liebesfähigkeit zurück zu holen. Nicht nur einem Menschen gegenüber, sondern möglichst umfassend. Ich suche einen "Weg zurück". Ich hatte vor einigen Jahren nicht mehr wirklich daran geglaubt, dass es ihn überhaupt gäbe. Die Fortschritte, die ich gemeinsam mit meinem Partner erzielen konnte, haben uns mittlerweile beide von der Existenz dieses Weges überzeugt. Ich hatte "einen Wunsch frei", sozusagen als "Jungesellinnenabschied", vor unserer Hochzeit. Dieser Wunsch bist nun Du geworden.
Ich bilde mir ein, dass derartige Nachstellungen in gewisser Weise alte Blockaden würden aufbrechen können. Oder täusche ich mich darin? Ist das womöglich sogar das, worum es (dir/euch) dabei geht?
Ganz genau. Fast schon hellseherisch genau. Ich will, dass Du vor meine Blockade(n) prallst. Aber nicht, um Dich weinend abzuweisen, sondern Dich auf zu fordern, es noch einmal - mit mehr Wucht - zu versuchen. Ich will, dass Du mir hilfst und damit Dir selbst. Indem wir in und aneinander erfahren, dass es funktionieren kann.
Ich wünsche mir, zu wissen, worin ich involviert werden werde, als „Dritter im Bunde“.
In einen Heilungsprozess. Für mich. Für meinen Partner. Und, wenn alles gut läuft, auch für Dich. In eine Extremform von Therapie. Weitab der üblichen Pfade. Auf groben Klotz, ein grober Keil.
Und, als was dieser Dritte im Bunde sich betrachten darf? Bin ich lediglich ein Gehilfe auf Zeit, oder ergibt sich daraus etwas, das weiter reichen kann und soll?
Du suchtest doch Liebe, oder? Du wolltest wissen "wie tief rein" es geht? Du gehst mit uns auf die Reise. Wie ich Dir schrieb, in mir existieren bisher zwei Wesen. Das Meine und das desjenigen, dem ich gehöre. Ob daraus drei werden können, das gilt es heraus zu finden. Bist Du drin, werde ich Dich nicht zurückweisen. Dann bleibst Du, so lange Du es willst. Dann gehöre ich auch Dir, so weit Du mich erschlossen haben wirst, indem Du Dich (Dir) selbst erschließt, durch das, was wir gemeinsam mit uns tun. Es soll so weit reichen und so lange Bestand haben, wie Du mitgehen willst. Es ist Deine Entscheidung, Dein Wille. Die Spielregeln sind einfach, es gibt im Grunde nur eine. Größtmögliche Eröffnung und Ehrlichkeit, zu sich selbst und damit untereinander, unter uns Dreien.

Der freiwillige Verzicht, auf eine unserer Fähigkeiten, der zur aalglatten Lüge. Um das Prinzip zu besiegen, das die Hölle erst erschafft, die Selbstlüge.
Danke im Übrigen für das großzügige Angebot des Gästezimmers, welches ich gerne annehme. Das bedeutet, dass ich unsere Zusammenkunft als gesetzt ansehe [..]
Ich freue mich sehr auf Dich. Für mich bist Du ein Geschenk. Falls Du noch weitere Fragen haben solltest, gerne.

Herzlichst Mina
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Re: Immanenz

Beitrag von Venom »

Liebe Mina, ich hatte eine spontane, wenn auch ziemlich gruselige Eingebung, als ich deine Zeilen auf mich wirken ließ. Gruselig, weil ich das, was mir dazu unverzüglich eingefallen ist, als derart grausam kitschig empfinde, dass es mich innerlich etwas schüttelt, solch geballten Widerstand finde ich dazu in mir vor. Dennoch.



Nichtsdestotrotz, nehme ich an, dass das die Vision ist, die deinerseits dahinterstehen wird? In mir löst das Aggressionen aus. Und, wie gesagt, massiven Widerstand. Das wäre also dann das, vor das du bei mir zu prallen gedenkst, während wir bewusst auf Kollisionskurs gehen, wenn ich das Prinzip richtig verstehe? Ich erinnere mich an einen Satz, den du mir vorgestern in dein Tagebuch geschrieben hattest.
Aus dem Hell in uns wird Dunkel, aus Unschuld erwächst die unstillbare Gier, diese wieder herstellen oder zumindest auslöschen zu wollen.
Du willst sie wieder herstellen, ich will sie auslöschen. Bist du der Ansicht, das wären lediglich zwei Zustandsstufen, ein und der gleichen Verfassung?

Es grüsst, Gabriel
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Re: Immanenz

Beitrag von MinaHarkness »

..

Ich hätte eine Gegenfrage, Gabriel: Warum ist dieses Video, das ziemlich alt ist, Dir erinnerlich? Hat Dich das zornig gemacht? Oder etwas Anderes?

..

Das vorerst. Ich habe Dir an anderer Stelle noch etwas hinterlegt. Mehr dann morgen. Ich bin erschöpft und will jetzt nur noch in die Horizontale und mir einen Film verabreichen. Eine friedliche Nacht wünsche ich. Ich nehme Dich gedanklich mit.

Müde Grüße .. Mina
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Re: Immanenz

Beitrag von Venom »

Es ist von 1993, Mina. Dieses Jahr hat für mich eine besondere Bedeutung. (s. Mail) Aber nicht nur deshalb erinnere ich mich daran, denn an viele andere Songs habe ich keinerlei Erinnerung. Die gingen einfach nur an mir vorüber. Ob mich dieses Video wütend machte? Eigentlich weniger. Es ekelt mich an. Es ist zum Kotzen sentimental. Dieser alberne Gaul, mit angeklebtem Horn, wobei diese Ausgeburt an rührseligem Kitsch auch noch rückwärts läuft, während ich ihn gerne höchstselbst zu Sauerbraten verarbeiten würde. Dazu die groteske Nachahmung schmalziger Indianergesänge.

Die Verherrlichung des Alters und irgendwelcher Symboliken. Dieser Schwachsinn, dass Birnen sich wieder an den Baum hängen, nur weil irgendein Witzbold den Film retour fährt. So genau kann ich es gar nicht sagen, weil ich nicht mehr schaffe als kurz reinzuschauen, bevor ich einen, okay, ja, Wutanfall bekomme, dass ich mir diesen Dreck überhaupt ansehe. Die gesamte Bildersprache, die suggeriert, dass Unschuld mit einem derart schwülstigem Güsel zusammenhinge. Eine Weile wurde das verdammte Ding rauf und runter gedudelt, und ich war jedesmal angewidert. Der Text ist nun auch nicht unbedingt ein intellektuelles Highlight.

Gefällt dir das denn, Mina? Ich kann es mir kaum vorstellen. Ich habe mich überwinden müssen, es einzustellen. Es war eben haargenau das, was mir zu dem einfiel, was du geschrieben hast. Ich bin nicht einmal sicher, dass du so etwas dabei im Sinn hattest. Momentan ärgere ich mich, dass wir uns jetzt darüber unterhalten, weil ich es angebracht habe. Keine Ahnung warum. Vielleicht, weil ich will, dass du es richtigstellst, weil mich das beruhigen würde. Es passt so gar nicht in das Bild, das ich bisher von dir habe. Aber in deinen Worten ist es in abstrakter Manier enthalten. Mich beunruhigt das. Ach scheiß drauf. Vielleicht bin ich einfach gestresst von dem Ganzen und sehe weiße Mäuse.

Ruh dich aus und schlaf gut. Irgendwann die nächsten Stunden werde ich das auch mal versuchen. Bislang treibt mich etwas um, das keine Ruhe geben will und das ich, wenn ich es nicht mit ein paar Einheiten am Rudergerät in den Griff kriege, in etwas Alkoholischem ertränken werde. Mich regt das gegenwärtig alles auf.

Grüsse, Gabriel
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Re: Immanenz

Beitrag von MinaHarkness »

..

Wenn Du willst, Gabriel, kannst Du gerne noch anrufen, dann reden wir darüber. Ich bin noch etwas wach. Ich kann ebenfalls nicht schlafen, auch wenn ich körperlich erschossen bin. Mich wühlt das alles ebenso auf, wenn vielleicht auch nicht in gleicher Weise wie Dich; so dennoch tief greifend. Ich kann mir denken, was Dich beunruhigt und das sind keine weißen Mäuse. Aber das jetzt alles zu tippen, das packe ich nicht mehr. Lass uns das am Telefon machen, dann lässt es sich, denke ich, zügig klären.

Bis dann .. Mina
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Re: Immanenz

Beitrag von MinaHarkness »

..

Die "Verfolger" sind oft tückisch und sehr hartnäckig, Gabriel. Der erste Schritt besteht darin, sie zu erkennen. Was häufig nur in der Spiegelung im Gegenüber funktioniert. Du darfst mich anschreien, mon héros tragique - das ist okay. Ich bin kein Engel (und wenn, dann ein durchaus Schrecklicher), sondern nur die Stellvertretung. Und die ist verflixt hart im Nehmen. ;-) Darüber hinaus war es sehr schön. Du bist für mich überaus anziehend, wenn Du so zornig und damit herrisch bist. Ich genieße es, wenn Du mich zu zerfetzen suchst, was Dir nicht gelungen ist, wie man hier nun liest.

Note - ich stehe NICHT auf einer Weide. Ich suhle mich genüsslich, mit Dir, mitten im tiefsten Schlamm. :aetsch:

Nun wirst Du wohl bereits schlafen. Ich habe noch nie eine Nacht in dieser .. impressionistisch-expressionistischen Form zugebracht, wie wir uns das nun gegeben haben; eine Art Premiere. So wie auch das, was wir noch miteinander vorhaben. Es dauert ja nun nicht mehr lange. Ich fiebere dem ein wenig entgegen und genieße die Vorfreude. Jetzt müssen M. und ich bald los. Und ich werde versuchen, nicht im Stehen einzuschlafen. Hab einen erbaulichen Tag, nach einer Nacht mit den Dämonen - und mir, als einem von ihnen. ;-)

Avec amour .. Mina
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Re: Immanenz

Beitrag von Venom »

Ma chère Mina, es ist schon erstaunlich, was mich so alles zu verfolgen scheint, derweil ich mir einbildete, ich wäre der Jäger und nicht der Gejagte. Lass mich dir sagen, dass das mit Sicherheit das expressionistischste und exhibitionistischste Telefonat meines bisherigen Lebens war. Und auch jenes, was mir eine Ruhe in mir bescherte, die ich zuvor nicht kannte. Im Nachhinein wurde mir klar, was du dir alles hast von mir anhören müssen und war erstaunt, dass du, anstatt den Hörer aufzulegen, in stoischer Verbohrtheit weiter gegraben hast.

Ich bin darüber ganz und gar nicht traurig, Trotzdem ist das etwas, was sich für mich fremd anfühlt und an das ich mich erst werde gewöhnen müssen. Es könnte also sein, dass du noch den einen oder anderen Giftpfeil von mir wirst kassieren müssen, trittst du nicht freiwillig zurück, wenn ich dich bereits in deutlicher Drohgebärde anfauche.

Dass dir das Freude zu machen scheint, in gleich mehrerer Hinsicht, das irritiert mich ebenso, wie es mich erheitert. Du bist ein Biest, Mina. Ein impertinentes, hartnäckiges, kleines (165cm sind klein :aetsch:), beharrliches, standhaftes, unnachgiebiges Biest. Ich kann mir dich tatsächlich als Dämon vorstellen, der mit Inbrunst die sich windenden Seelen befragt. Bosch hätte dich malen sollen, als Portrait. Und du hättest lange Reißzähne, spitze Klauen und einen sehr stechenden Blick, wie eine seiner vielen Eulen. Und im Hintergrund zerfledderte Flügel. Dass du mir solche Bilder in den Kopf setzen kannst, das ist etwas, was mich davon überzeugt, dass wir auch jenseits jeden Spieltriebs sehr viel Freude aneinander haben werden. Und das ist etwas, das mich noch weitaus mehr anspricht und zu dir hinzieht, als du dir vorstellen kannst, denke ich mir. Oder du weißt es, was mich auch nicht mehr verwundern würde.

Allerdings kannst du sehr froh sein, dass ich deiner gestern nicht leibhaftig habhaft werden konnte. Obwohl, du hättest es gemocht, vermute ich. Meine üblichen Verteidigungsmechanismen sind damit also obsolet. Stumpfe, nutzlose Klingen. Ich kann mir mittlerweile sehr genau dein Kichern vergegenwärtigen und ein: „Dann lass dir etwas Neues einfallen, du Held!“ Verlass dich darauf, das werde ich.

Auch hier ist nun eine sehr angenehme Spannung entstanden, die ich in einer Art Vorfreude genieße. Eine absonderliche Form von Besessenheit. Womöglich bin ich nun tatsächlich, das erste Mal in meinem Leben, von einem Dämon besessen. Wenn sich das so anfühlt, wie es das derzeitig tut, dann soll das gerne so bleiben.

Je t'embrasse très fort, Gabriel
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Re: Immanenz

Beitrag von MinaHarkness »

Mon héros tragique..
on n’est point toujours une bête pour l’avoir été quelquefois. (Denis Diderot) Und so ist es auch. Sich mitunter unliebsam aufzuführen, das ist nicht immer ein Zeichen der Narretei. Das kann, ganz im Gegenteil, eine Möglichkeit für überaus kluge Dinge sein. Du weißt, WAS diese Ruhe in Dir ist, Gabriel? Vielleicht nennst Du es anders, aber ich nenne es Unschuld. Jedenfalls die Art von Unschuld(sempfinden), die ich meine und die daraus erwächst, in seinem "so Sein" unbedingte Annahme zu erfahren und sich eben nicht schuldig fühlen (und wütend werden) zu müssen; sondern sich angenommen (und damit ohne Schuld) zu erleben.

Unschuld ist ein Synonym, eine Aussage, ein Statement, Gabriel. Dieses Statement sagt, ganz egal wie dumm Du Dich empfinden oder auch tatsächlich aufführen magst - ganz egal, wie sehr Du wütest, tobst und ausfällig wirst - es ist okay, Du bist okay. Unschuld heißt, keine Schuld zuzuordnen / zuzuweisen, für was auch immer. Unschuld ist Liebe, Liebe ist die unbedingte Annahme dessen, was (auch immer) jetzt ist. Was ich tue, wenn ich in Dir grabe und mich beißen lasse von Deinem zornigen Wesen, ist der Versuch, Dir Liebe entgegen zu bringen / Dir mit Liebe zu begegnen / Dich zu lieben, und zu schauen, was das mit Dir macht.

Dass es so spielerisch wirkt und so spaßig für mich, dass es so leicht ist, das liegt daran, dass das das eigentliche Wesen dieses Gefühls ist. Es ist leicht, wenn man es will. Wenn man sich willentlich entschließt, das Gegenüber annehmen zu wollen, ganz egal was der auch immer abliefern wird; dann funktioniert es. Nur zu Angst darf man dabei nicht neigen. Nicht bei jemandem wie Dir. ;-) Wir sehen indes - begegnet man Dir mit Liebe (unbedingter Annahme), wirst Du ruhig. Das ist die Antwort, die ich habe wollte. Du schläfst ungewöhnlich lange, tief und traumlos. .. Unschuld ist kein schwülstiges Video, das Dich zu recht verärgert, weil es das trivialisiert, was so viel mehr wert ist. Du hast es selbst formuliert.
Die gesamte Bildersprache, die suggeriert, dass Unschuld mit einem derart schwülstigem Güsel zusammenhinge.
Dieses Video ist eine faustdicke Lüge. Lügen machen Dich stinksauer. Du bist wie eine Art Messgerät für Lügen. Je mehr Ekel und Zorn, um so größer die Lüge. Die, die in dem Video inszeniert ist, das ist die Suggestion, dass sich die Zeit zurückdrehen ließe, doch das ist eine Lüge. Und auch das Alter oder die Reduzierung auf ursprüngliche Lebensstile, bringen nicht die Unschuld zurück. Alles Lügen, hübsch aneinander gereiht. Was die Unschuld (das Erleben derselben) zurück bringen kann, das ist der Versuch, sich zu lieben. Ich meine das nicht nur körperlich, sondern allumfassend. Ich bin die dämonischste Liebesdienerin, der du je begegnet sein wirst, nehme ich an. Liebe ist für mich Unschuld (und wenn ich mit ganz Babylon eine Orgie feiern würde, das ist davon völlig unabhängig). Und sie ist noch etwas - Gott. Die Kraft, die alles durchdringen und verändern kann, lässt man sich darauf ein.

Warum Du so wütend auf die Unschuld bist, auf die Liebe und auf Gott, das ist unter dieser Prämisse sehr leicht zu beantworten. Es sind diese ganzen Lügen, die damit introjektiv verknüpft sind in Dir. Und ganz am Urgrund, wo dieser wunderschöne, herrische, ätzende, intellektuell äußerst scharfzüngig bewaffnete, unsäglich zornige Mann lebt, den ich in Dir sehe, dort ist die Wahrheit, die Dir zuflüstert und Auskunft gibt, darüber, dass Du belogen wirst. Und Du tobst. Ich gedenke einfach nur, mit Dir die (Selbst)Lügen zu enttarnen - alle. Eine nach der Anderen. Das ist ein Weg. Meiner ist der Gleiche, auf dem ich hoffe, dass Du mich ebenso begleiten wollen wirst, wie ich Dich.

Avec amour .. Mina
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Venom
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Re: Immanenz

Beitrag von Venom »

Guten Morgen, Mina. Ich habe Schwierigkeiten mit dieser Dreifaltigkeit aus Worten, die du mir hier servierst. Gut, ich weiß, wo Abwehr ist, dort steht ein Hinweisschild. Etwas, das ich dir glaube. Prinzipiell kann ich dir und deinen Darlegungen durchaus folgen und sie intellektuell nachvollziehen. Ich halte sie darüber hinaus, unter deinen Gesichtspunkten, für schlüssig. Dennoch hätte ich das Ganze etwas anders interpretiert. Ich selber führe diese, nachträglich auftretende Ruhe, darauf zurück, dass ich bei dir etwas getan habe, beziehungsweise habe tun können, was ich mir in dieser ungezügelten Form ansonsten niemals gestatten würde. Jedenfalls nicht in Anwesenheit einer anderen Person.

Du kannst dir das vielleicht nicht vorstellen, Mina. Aber außer dir hat mich noch niemand so erlebt. Weder am Telefon, noch in der unmittelbaren Begegnung. In mir befindet sich so etwas wie eine Abschaltautomatik, was solche Gefühlsausdrücke angeht. Bisher funktionierte das zuverlässig. Warum es ausgerechnet bei dir zum Totalausfall kam, das erkläre ich mir in Teilen damit, in welchem Zustand ich selbst mich momentan befinde. Und zusätzlich mit dem Umstand, dich als quasi „artverwandt“ einzustufen.

Von einer Artverwandten erwarte ich kein reines Entsetzen oder Sturzbäche aus Tränen, die ich befürchtete, als ich mich noch an den Rauschgoldenglein abarbeitete. Mir kommt auch der Gedanke, dass diese Erwartungshaltung ebenso dazu geführt haben könnte, dass ich sie nötigen wollte, mir ihre „schmutzigen Seiten“ zu zeigen. Wahrscheinlich, um mich darin zu versichern, dass eine Akzeptanz der Meinigen überhaupt im Rahmen des Möglichen läge. Dieser Wunsch, akzeptiert zu werden, ohne mich zu verbergen, er ist ein Dringlicher, das habe ich jetzt gelernt. Du hast das in der betreffenden Situation nicht nur vollumfänglich getan und mir zu vermitteln gewusst, sondern mich, darüber hinaus, kontinuierlich weiter aus mir herausgefordert.

Etwas, das ich noch nie erlebt habe und das dazu führte, dass ich einerseits immer wütender wurde, weil ich mich nicht ernstgenommen sah, was mich andererseits aber immer mehr befreite und dem immensen Druck in mir ein Ventil eröffnete. Ich habe mich regelrecht über dich ausgeschüttet und du hast darin gebadet, anstatt weinend vor mir fliehen zu wollen. Eine Erfahrung für mich, die in ihren weiteren Auswirkungen ungeheuer wohltuend war. Ich habe mich ausgeglichen und ausgepowert gefühlt.

Dass wir so etwas miteinander tun können, das macht dich für mich in einer Weise wertvoll, die von unseren anderen Plänen unabhängig existiert. Natürlich macht es dich darüber hinaus noch viel begehrenswerter für mich, als das ohnehin bereits der Fall ist. Trotzdem würde ich das alles in den Hintergrund stellen können und wollen, würde es nur darum gehen, alleine diese Möglichkeit mit dir zu haben. Das bedeutet im Grunde, dass ich versuche dir zu sagen, dass ich dich für die (für mich) perfekte Therapeutin halte. Dass ich noch ganz andere Dinge von dir will und du, ganz zu meinem Gefallen, auch von mir, das ist sehr schön, aber nicht Voraussetzung für diese Einschätzung. Ich nehme dich mit in meinen Tag.

Je te veux, Gabriel
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Re: Immanenz

Beitrag von MinaHarkness »

Gabriel, mon ange en colère..
assoziativ zu Deinen Zeilen: Schlussendlich sind Dämonen doch auch nur gefallene Engel, die nach Rettung streben. Therapie. Ach Therapie. Ich hatte so viel davon, M. auch. Man kommt ab einem gewissen Punkt an seine Grenzen, bzw. an die der therapeutischen Möglichkeiten. Die offiziellen Leitlinien sind klar und streng. Ich dürfte Dich als Patienten bereits lange nicht mehr annehmen. Dazu sind wir längst zu sehr persönlich ineinander involviert. Ich muss überdies gestehen, dass ich mit Dir auf dieser sehr begrenzten Ebene auch gar nicht würde arbeiten wollen, weil ich mir sicher bin, dass uns das beide frustrieren würde. Das, was in unseren Kontakten mitschwingt, das ist geprägt von einer Art der Anziehung, die in Therapiebeziehungen nichts zu suchen hat.

In einem solchen Rahmen wird elterliche Liebe nachgestellt. Eine Liebe, die besonders auf Loyalität und Sicherheit basiert, so dass der Patient die Erfahrung machen kann, dass es so etwas überhaupt gibt; anstatt immer nur Zurückweisung und Ausnutzung zu erfahren. Die Ebene auf der wir uns bewegen, ist eine erwachsene und damit immer auch erotische Form davon. Und ich müsste lügen, wollte ich bestreiten, dass das in meinem Fall einen großen Anteil am Spaß an der Sache hat. Meine Motivation ist nicht darauf fokussiert, Dich als Patient und Hilfebedürftigen zu sehen; sondern als begehrenswerten Mann. So wie Du mich im Gegenzug als eben solche Frau ansiehst. Wir spielen bereits damit. Insofern wäre eine therapeutische Beziehung - im herkömmlichen Sinne - zwischen uns gar nicht mehr möglich.

Trotzdem geht es um Rettung. Es geht immer darum, irgendwie. Was diese Suche nach Rettung anbelangt, gleichen sich die Motivationen. Erst entsteht Leidensdruck (und sei dieser auch resultierend aus Zorn) und dann beginnt der Betreffende einen Ausweg / Rettung zu suchen. So bist Du hier gelandet und es kam, wie es gekommen ist. Und ich bin froh darüber. Ich wünsche Dir einen entspannten und erbaulichen Tag. Du findest auch an anderer Stelle noch etwas von mir.

Laisse-moi t'embrasser .. Mina
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Re: Immanenz

Beitrag von Venom »

Mon cher espoir, Mina, mir ist es nun unmittelbar ein Anliegen, dich in Kenntnis zu setzen, dass ich dich keinesfalls als bezahlte „Seelenklempnerin“ gewinnen wollte. Meine Eloquenz scheint mich im Stich zu lassen. Der Herr sei mein Hirte! :hea: Was ich im Geiste bereits mit dir veranstaltet habe, wie ich weiß mit deinem Wohlwollen, verbietet natürlich jedwede Beziehung, die die Deklaration als „professionell“ noch verdienen würde. :aetsch:

Was ich eigentlich aussagen wollte, dass ich dich für kompetent halte. Als du mir berichtet hast, warum du dich damals umorientiert hast, konnte ich das nicht unmittelbar nachvollziehen. Schon gar nicht, nachdem ich erlebt habe, was du zu tun in der Lage bist. Und wie. Wir werden darüber reden können, bald, von Angesicht zu Angesicht. Ich habe viele Fragen und noch mehr Kopfkino.

Je t'embrasse et bien plus, Gabriel
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Re: Immanenz

Beitrag von MinaHarkness »

..

Nous allons nous dévorer et en profiter. Je suis vraiment impatient. :fee:

Plein d'anticipation, Mina ..
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Re: Immanenz

Beitrag von Venom »

Je serai avec toi tout le chemin.

Gabriel
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Re: Immanenz

Beitrag von MinaHarkness »

..

Arrive en toute sécurité, démon bien-aimé.

Tu me manques déjà.

Minaé

..
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Re: Immanenz

Beitrag von Venom »

Du fehlst mir hier in einem überraschend eindrücklichen Ausmaß, Minaé. Ich bin dabei die vergangenen Tage für mich auszuwerten. Dabei ist mir bewusst, dass ich damit alleine bin, während du mit M. vermutlich Gleiches unternehmen wirst. Mir geht das etwas ab, wie mir auffällt. Ich werde so gegen 21 Uhr anrufen. Wir können Weiteres bei dieser Gelegenheit besprechen. Es fühlt sich alles wie leergefegt an hier. Es kommt mir so vor, als hätte sich meine Vergangenheit in Luft aufgelöst und hinter als auch vor mir liegt Brachland. Es ist nicht unangenehm. Ich bin in einer versöhnlichen Stimmung, die mir in dieser Form bisher nicht geläufig ist, dass ich sie überhaupt in meinem Repertoire habe. Aber es ist leer. Ich will nicht, dass es so bleibt.

In Gedanken bei dir, Gabriel
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