Informationen zum Thema Kritische Psychologie

Psychotherapie, Psychiatrie und Psychosomatik. Sowie alles was man selbst im Alltag für sich tun kann. Therapie in Eigenregie. Leitsätze, Affirmationen, mentale Übungen, Entspannung und autodidaktische Weiterbildung in punkto psychischer Verfasstheit. Freier Austausch, Tipps und Themendiskussionen; rund um professionelle Therapien und eine gute Selbstfürsorge. Psychologiestudium und beruflicher Werdegang auf dem Sektor Psychologie und Psychiatrie.

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Marina
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Informationen zum Thema Kritische Psychologie

Beitrag von Marina »

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Informationen zum Thema Kritische Psychologie

Ich möchte in diesem Thema zu einer alternativen Sicht auf die Themenkomplexe Psychologie, Religion und Politik informieren. Die sogenannte "Kritische Psychologie" ist bestrebt, die genannten Themen in einen erweiterten gesellschaftlichen und geschichtlichen Kontext zu stellen. Der wesentliche Vorwurf, den diese alternative Disziplin an die klassische Psychologie richtet, ist ihr Bestreben, bestehende Verhältnisse zementieren und als natürlich gegebene Ordnung propagieren zu wollen. Was sich konkret darin äußert, dass in erster Linie eine Lehre vertreten wird, die davon ausgeht, dass es für alle Zu- und Umstände Standardlösungen geben könne, die, wären sie nur genügend statistisch / empirisch belegt, als Prämissen dienen könnten, denen sich die individuelle Persönlichkeit nur zu unterwerfen / anzugleichen hätte; um darin ihr Heil zu finden. Kurzum: Funktioniere in den bewährten Parametern und alles wird gut.

Da aber oftmals nicht "alles gut" wird, sondern eher "noch schlimmer", entwickelten sich alternative Konzepte. Zum Teil als Parawissenschaften gegeißelt, häufig auch tatsächlich sehr stark esoterisch angehaucht, spiegeln diese Alternativen dennoch allesamt nur Eines: Die Sehnsucht danach, sein zu dürfen, wie man ist. Um sein zu können, wie man ist, muss man erst einmal den Raum finden, der einen ermutigt, sich auf die Suche zu begeben, nach dieser Person, die da im Innen wohnt. Und zwar abseits der Pfade von Standardsinnsuche, wie sie in diverser Lebensberatungsliteratur und populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen propagiert wird. Abseits davon, in wohlfeile Konzepte gedrängt und "richtig gemacht" zu werden. Auch beschäftigt sich die Kritische Psychologie mit Macht, speziell dem Machtgefälle, das in therapeutischen Konstellationen und innerhalb von Mainstreamideologien entsteht. Damit, dass Menschen oftmals die Gedankenkonstrukte Anderer, so sehr verinnerlicht haben, dass sie diese Werte für ihre eigenen halten und sich indes wundern, damit todunglücklich zu sein.

Mit all dem und noch einigem mehr, setzt sich die Disziplin der kritischen Psychologie auseinander. Dieses Thema dient dem Sammeln von Informationen, dem Feedback und ggf. dem Austausch und der Diskussion zu diesem Konzept.

LG Mina
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Janundso
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Re: Informationen zum Thema Kritische Psychologie

Beitrag von Janundso »

Ich könnt mir gut vorstellen, dass dieses "Therapeut/ Psychiater will über dem Patienten stehen" schon hier und da ein Problem ist. Gerade bei Psychiatern.

Ich frag mich auch, wie dieses "in diagnostische Schubladen stecken" für Menschen ist, die nur eine Tendenz zu etwas haben. Muss sich unschön anfühlen. Und sicher auch nicht selten, dass sowas passiert.
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Marina
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Re: Informationen zum Thema Kritische Psychologie

Beitrag von Marina »

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Hi Jan..
Janundso hat geschrieben: 16. Nov 2021, 20:25 Ich könnt mir gut vorstellen, dass dieses "Therapeut/ Psychiater will über dem Patienten stehen" schon hier und da ein Problem ist. Gerade bei Psychiatern.
Letztendlich sind wir alle Menschen mit Befindlichkeiten und diese hängen nicht am Bildungsniveau. Man darf zwar davon ausgehen, dass eine Person, die eine fundierte Ausbildung genossen hat, weniger unbedarft an eine Sache heran tritt; aber das bedeutet nicht zwingend, dass er / sie dem menschlich auch gewachsen wäre. Man hat früher in akademischen Kreisen auch sehr viel öfter das Wort "Herzensbildung" vernommen; womit eine Qualifikation auf menschlicher und der Ebene der Lebenserfahrungen gemeint war. Heute wird der Fokus eher auf reine, statistische Fakten und (oftmals stures) Beharren und Begrenzung auf vollständig rationale Inhalte vorgenommen. "Kompetenz" darf nicht in Zweifel gezogen werden. Die Belegung derselben wird anhand von entsprechenden, beglaubigten Nachweisen vollzogen. Das muss genügen. Dass ein durchaus hoch dekorierter Fachmann jedoch keineswegs davor gefeit ist, ein (zu) geringes Selbstwertgefühl sein Eigen zu nennen und dieses dann über die Domination seiner Patienten kompensiert; das kommt nicht auf den Tisch.
Ich frag mich auch, wie dieses "in diagnostische Schubladen stecken" für Menschen ist, die nur eine Tendenz zu etwas haben. Muss sich unschön anfühlen. Und sicher auch nicht selten, dass sowas passiert.
Du weißt das doch. (?) ;-) Das ist im Übrigen etwas, das man tunlichst vermeiden sollte. Schon alleine um zu verhindern, dass der Patient selbst sich zu sehr festlegt und eine Art Fixierung darauf entsteht. So etwas kann zwar längerfristig Orientierung bieten. Schnellschüsse sind hingegen nicht seriös. Vermutungen (die eindeutig als solche zu deklarieren wären) zu äußern, in welche Richtung es gehen könnte, diese sind mAn statthaft. Eine abschließende Diagnose ist indes immer eine Sache, die wohlbedacht und sorgfältig abgeklärt gehört.

LG Mina
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Janundso
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Re: Informationen zum Thema Kritische Psychologie

Beitrag von Janundso »

MinaHarkness hat geschrieben: 17. Nov 2021, 12:06
Du weißt das doch. (?) ;-)

LG Mina
[/align]
Heeee ^^

Das wirklich Gruselige ist finde ich aber die Reaktion von meinem Psychiater und der neuen Therapeutin. Zur Psychiaterin renne ich 3 mal im Jahr, großartig gut kennen tu ich die auch nicht. Hätte schon erwartet, dass die mal genauer abchecken, was da lief. Hätte eig sogar erwartet, dass sie mir nicht glauben. Aber das war so ein ganz gelassenes: "Joah der alte Therapeut ist wohl ziemlich gestört". Als wäre es so ganz alltäglich und passiert eben hier und da mal ^^ Wenn die so unverwundert reagieren, scheint das ja wohl nicht all zu selten zu sein.
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Marina
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Re: Informationen zum Thema Kritische Psychologie

Beitrag von Marina »

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Janundso hat geschrieben: 17. Nov 2021, 14:27 Gruselige ist finde ich aber die Reaktion von meinem Psychiater und der neuen Therapeutin. Zur Psychiaterin renne ich 3 mal im Jahr, großartig gut kennen tu ich die auch nicht. Hätte schon erwartet, dass die mal genauer abchecken, was da lief. Hätte eig sogar erwartet, dass sie mir nicht glauben. Aber das war so ein ganz gelassenes: "Joah der alte Therapeut ist wohl ziemlich gestört". Als wäre es so ganz alltäglich und passiert eben hier und da mal ^^ Wenn die so unverwundert reagieren, scheint das ja wohl nicht all zu selten zu sein.
Nein, es ist nicht so selten / ungewöhnlich. Das liegt daran, dass es keineswegs ungewöhnlich ist, dass das Interesse, an einem Studium der Psychologie, mit eigenen Anteilen zusammenspielt. Respektive das Tendieren zu dieser Fachrichtung, dadurch unterfüttert ist, dass der Betreffende eigene Problematiken aufweist, die er dadurch hofft, mit dem entsprechenden Wissen, besser bearbeiten zu können. Das war bei mir im Übrigen ebenfalls der Fall und auch ein Grund mit, darauf zu verzichten, in dieser Hinsicht therapeutisch tätig zu werden. Man kann mit einer solchen Ausbildung schließlich noch sehr viel mehr anfangen. Nichtsdestotrotz werden viele Menschen Therapeut, ohne die entsprechende charakterliche Festigkeit aufzuweisen. Es finden Projektionen / Übertragungen statt, was verheerende Folgen haben kann. Kritische Psychologie setzt sich auch mit diesem Umstand auseinander; nämlich mit dem überzogenen Unfehlbarkeitsanspruch. Dieser ist schlichtweg unhaltbar.

LG Mina
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Re: Informationen zum Thema Kritische Psychologie

Beitrag von Janundso »

Zeig mir deine Patienten und ich sage dir wer du bist :grin:
MinaHarkness hat geschrieben: 18. Nov 2021, 10:33
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Das war bei mir im Übrigen ebenfalls der Fall und auch ein Grund mit, darauf zu verzichten, in dieser Hinsicht therapeutisch tätig zu werden.
Wundert mich irgendwie. Also klar, wenn Leute was schlimmes erlebt haben und wenig Mitleid bekommen ists doof für sie. Aber sonst? Geht ja eigentlich nur drum, ob der Therapeut eine "durchschnittlich gut helfende" Therapie trotzdem schafft.

Wobei - selbst "wenig Mitleid" hat ja auch Vorteile. Hab mal gelesen, dass es anscheinend hier und da passiert, dass Patienten, die besonders schlimme Dinge erlebt haben, als schizophren (oder irgendwas anderes psychotisches, weiß nicht mehr genau) fehldiagnostiziert werden. Da könne man vermuten, die Psyche des Therapeuten war da einfach nicht stark genug. Und deswegen sind die Sachen eben nie geschehen und der Patient brabbelt nur irgendwas psychotisches vor sich hin ^^
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Anders_son
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Re: Informationen zum Thema Kritische Psychologie

Beitrag von Anders_son »

Wahrscheinlich hängt es auch mit der "Erfahrung" zusammen. Und dem Arbeitsumfeld. Für mich macht
es schon einen Unterschied aus, ob da jemand sitzt, der sich nur aus theoretischen Konstrukten bedient
oder jemand mit Lebenserfahrung. Diese Lebenserfahrung sollte sich dann nicht nur auf das Fachgebiet
und das Gegenüber beschränken. Genau das ist dann auch der Fehler, der zu Fehldiagnosen führt.
Ich würde es mal so ausdrücken, es sollte jemand mit "Charakter" und auch einer gewissen "Willensstärke"
sein. Auch wenn das dazu führt, dass man als Patient und Psychologe nicht zusammen passt.
Wenn ich jetzt jemanden als Psychologe hätte, der sich besonders durch Allgemeinplätze ausdrückt
und seine nicht vorhandene Lebenserfahrung kaschiert, wäre das nichts für mich. Ein Gesprächspartner
auf Augenhöhe, der etwas mehr mitbringt. Das ist okay. Irgendwie ...so sehe ich das bei mir ... muss ja
eine Vertrauensbasis aufgebaut werden.

Tja, eigentlich wollte ich einen link beifüge, der vielleicht hierher passt. :D

Hans-Joachim Maatz "Wir dürfen nicht sein, wie wir sein möchten".

„Um Böses zu tun, muss ein Mensch zuallererst glauben, dass das, was er tut, gut ist.“
Alexander Solschenizyn

zitiert von Anders_son (ehemals Oxymon)
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