Die Umkehr der Abhängigkeit, oder: die eigene Aufmerksamkeit & Zeit als Wert

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Marina
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Die Umkehr der Abhängigkeit, oder: die eigene Aufmerksamkeit & Zeit als Wert

Beitrag von Marina »

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Die Umkehr der Abhängigkeit, oder: die eigene Aufmerksamkeit & Zeit als Wert

Besonders @Kephalopyr .. aber auch an alle Anderen, die diese Problematik womöglich - in den unterschiedlichsten Varianten und Abstufungen - an sich beobachten mögen.

Es geht hier um einen Wechsel, um nicht zu sagen eine Umkehr, der Betrachtungsweise / Perspektive. Häufig geraten Menschen in ein Erleben, sich vom Gegenüber nicht genügend wertgeschätzt zu fühlen. Derjenige, an den sich die Wünsche richten, scheint diese, mehr oder weniger offensichtlich, nicht zu erwidern. Häufiger tritt auch die Situation auf, dass zwar von besagtem Gegenüber sein Interesse beteuert wird, glaubhaft dargelegt, man wäre dem Betreffenden wichtig, etwas Besonderes, der "beste Freund / Freundin" u. ä. m.; das Verhalten jedoch spricht eine andere Sprache. Es wird sich nicht rückgemeldet, auf Nachfragen wird herumlaviert, zweideutige Aussagen und halbherzige Erklärungen folgen.

Kurzum, man weiß nicht, woran man wirklich ist, hat aber, tief im Bauch, das untrügliche Empfinden, dass die Beteuerungen / Worte, den Handlungen / dem Verhalten eindeutig widersprechen. Manchmal hat man zwar das "Glück", dass der Betreffende sich derartig deutlich ignorant zeigt, dass man selber sich über die Diskrepanz zwischen Aussagen und Verhalten nichts mehr vormachen kann, und folglich womöglich die Motivation findet, die Reißleine konsequent zu ziehen und den Kontakt zu beenden. Damit ist das Drama dann beendet, auch wenn es "weh tut" (erst einmal). Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Man kennt es ja.

Besagtes Ende des Schreckens ist indes nicht zwingend. Und so verbleiben häufig Menschen in Bindungen (ich rede hier von der Bekanntschaft, bis über die Freundschaft, bis hin zu konkreten Paarbeziehungen), die sie als unbefriedigend und herabwürdigend erleben. Sie werden zu "Wartenden", darauf, dass das Gegenüber ihre Bemühungen erwidern möge. Da es das manchmal tut (und manchmal einfach nicht), verstärkt sich dieses Hoffen und Warten immer weiter, weil durch diese Taktik (die der Manipulation zuzurechnen ist, indes oft wohl unbewusst angewandt wird) eine Form der Abhängigkeit entsteht. Die Unsicherheit ob das Gegenüber sich meldet, das Warten und Bangen, erzeugt, meldet der Betreffende sich dann endlich doch, einen regelrechten "Kick im Hirn" und die Freude ist der Reaktion kaum angemessen, sondern, aufgrund des Vorlaufs, deutlich größer.

So wird die Qual des Wartens immer größer und die Freude der Meldung des Gegenübers, nimmt ebenfalls kontinuierlich zu. Und dieses Gegenüber wird somit immer wichtiger im eigenen Erleben, da womöglich die gesamte Tagesstimmung davon dominiert wird, ob der Betreffende sich meldet oder man seinen Tag wieder mit (oft quälendem, von Selbstzweifeln durchzogenem) Warten verbringt. Man weiß, instinktiv, dass da gerade massiv etwas schief läuft und man sich immer mehr davon berühren lässt und abhängig macht, ob jemand "sich quasi herablässt", einen mit Aufmerksamkeit zu bedenken. So fühlt man sich vielleicht zunehmend minderwertiger (und wie ein Idiot) und wähnt sich noch abhängiger von der ersehnten Rückmeldung. Eine klassische mentale Falle.

Die Perspektive auf sich selbst, die daraus entsteht, ist eine ohnmächtige Hilflosigkeit, die sich dem Wohlwollen der Anderen ausgeliefert sieht, ob diese bereit sind, sich mit einem sozusagen "abzugeben". So wird man regelrecht zu einem "Süchtigen", einem Aufmerksamkeitsjunkie, der dem "nächsten Schuss" (wider besseren Wissens, bzw. mit dem latenten Wissen, sich nichts Gutes damit zu tun) entgegen fiebert. Erfolgt dann besagter Schuss, feuern alle Neuronen und die Qual ist für kurze Zeit vorbei, bis das Spiel von vorne beginnt. Man investiert Nachfragen, Zeit, Bemühungen und wird nur immer wieder frustriert, bleibt aber, aufgrund des eigenen Abhängigkeitserlebens in dieser Situation.

..

Nicht schön.

Hier einmal (m)ein Lösungsansatz. Man muss den Betreffenden nicht direkt absägen (den Kontakt beenden), was man meist ad hoc ohnehin nicht schafft; ähnlich einem kalten Drogenentzug. Aber, was man tun kann, das ist, sich ganz gezielt auch anderen Kontakten zu öffnen und diese auch aktiv zu suchen. Diese Aufmerksamkeit und Zeit, die beim "unwilligen Objekt der Begierde" zu oft ins Leere läuft, anderen Menschen zukommen zu lassen und dann die Erfahrung zu machen, dass diese anders, als mit Missachtung, darauf reagieren. Man kann, indem man aktiv Aufmerksamkeit verteilt und somit auch welche zurück erhält, die Perspektive auf sich selbst verändern und sich seiner eigenen Wirkmacht (wieder) bewusst(er) werden. Unmittelbar erleben, dass man etwas zu geben hat, anstatt passiv warten zu müssen, ob irgendwer das eigene Bemühen würdigt. Indem man erlebt, dass man sich das, was man in Abhängigkeit ersehnte, nämlich Rückmeldung und Aufmerksamkeit / Achtsamkeit der eigenen Person gegenüber, sich von sehr vielen Menschen holen kann, die das Ganze deutlich mehr zu würdigen wissen, stellt sich das Erleben des eigenen Wertes wieder ein.

Die eigene Zeit und Aufmerksamkeit, die eigenen Gedanken und die Zuwendung, die man teilt, besitzen einen Wert! Sie sind ein Geschenk das man macht. Und je mehr man das begreift, um so mehr wird man loslassen können, von den Personen, die dieses Geschenk, dieses wertvolle Geschenk, nicht zu würdigen wissen und im Gegenzug nichts liefern. Man ist doch nicht die Caritas. Und selbst wenn, dann entscheidet man immer noch selbst, wem man Wohltaten zuteil werden lässt. Man hat es selbst in der Hand und die Eigenmacht, sich "seine Leute" selbst zu wählen. Und wer nicht will, so what? Es gibt doch genug Andere, die einen eher zu würdigen wissen - und das was man zu geben / zu teilen hat.

Das erst einmal als grundsätzlichen Gedankengang. Ergänzungen, Hinterfragungen, gemeinsames Ausarbeiten -> ausdrücklich erwünscht.

LG Marina

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Re: Die Umkehr der Abhängigkeit, oder: die eigene Aufmerksamkeit & Zeit als Wert

Beitrag von Volantis »

Im Bezug auf romantisches dating nennt man das ganze im englischen „roster“ und hier ist die Beschreibung der „Strategie“ und ihrer Vorteile: [Externer Link : bitte anmelden]
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Re: Die Umkehr der Abhängigkeit, oder: die eigene Aufmerksamkeit & Zeit als Wert

Beitrag von Marina »

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Ja, @Volantis. Oder auch: [Externer Link : bitte anmelden]

LG Marina
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Re: Die Umkehr der Abhängigkeit, oder: die eigene Aufmerksamkeit & Zeit als Wert

Beitrag von Volantis »

Marina hat geschrieben: 22. Sep 2022, 20:52 ..

Ja, @Volantis. Oder auch: [Externer Link : bitte anmelden]

LG Marina
Ja… wobei ich das in dem Kontext nicht als primäre Strategie empfinde. Die Vorgehensweise, stets mehrere potentielle Partner oder Partnerinnen kennen zu lernen, verteilt Aufmerksamkeit und Fokus und reduziert Liebeskummer und Fixierung - wie du ja bereits so wahr beschrieben hast.

Doch klar, schadet nichts :mrg:
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Re: Die Umkehr der Abhängigkeit, oder: die eigene Aufmerksamkeit & Zeit als Wert

Beitrag von Marina »

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@Volantis .. ich hatte den Artikel eigentlich besonders deshalb ausgewählt, weil er sich mit Beziehungen beschäftigt und den Unterschied zwischen Push & Pull, zum "Flow" herausstellt:
„Flow“ oder „Push and Pull“?

Eine mögliche Grundhaltung ist, jeden Menschen so zu nehmen, wie er ist — und das von jedem Menschen zu nehmen, was er geben möchte. Dabei drückt man Beziehungen (nochmal: mit Beziehung meine ich jedwede Form der Verbundenheit) kein Etikett auf und hat kein Regelwerk, nach dem eine Freundschaft oder Liebesbeziehung verlaufen muss, damit sie „echt“ ist oder „funktioniert“. Zwischenmenschlicher Kontakt folgt dieser Auffassung nach einem „Flow“. In der Soziologie gibt es dazu analog das Bild von einem Fluss, auf dem man in seinem eigenen kleinen Boot sitzt: Ich kann den Fluss nicht aufhalten, aber ich kann mein Boot darin steuern. Das ist auf Beziehungen übertragbar: Man kann den Fluss einer Beziehung nicht aufhalten — sprich: Wie eine Beziehung verlaufen soll, so wird sie auch verlaufen; egal, ob ich auf die Nachricht heute antworte oder morgen. Ehrliches Interesse an einer Person verflüchtigt sich nicht einfach. Andersherum gedacht lässt sich Interesse auch nicht einfach so mit einer einzelnen Handlung entzünden. Wenn es kommt oder geht, dann kommt oder geht es eben, weil es ohnehin von vornherein kommen oder gehen sollte. Man geht also am besten mit dem „Flow“ und lässt die Dinge auf sich zukommen.

Das kann man nun entweder pragmatisch, egoistisch oder feig nennen. Ich halte es für vor allem für praktikabel, denn damit bleibt man bei sich und trägt eher keine eigens für die Beziehung gestrickte Rolle nach außen, die zu den angedachten Beziehungsprozessen passt. Paradox daran ist, dass die durch das Fehlen der Beziehungsrolle vorhandene Nähe gleichzeitig Distanz erzeugt: „Mit dem Flow gehen“ heißt auch, passiv zu sein und nicht für Beziehungen zu kämpfen.

Auf der anderen Seite könnte man daher die Grundhaltung als „Push and Pull“ bezeichnen. Wenn man Menschen zu sich zieht und an sich bindet, geht das unweigerlich damit einher, dass man andere Menschen von sich wegstößt und Bindungen löst. Mal ist der Kontakt zu den Eltern enger, dann wieder hat man genug von der Familie und braucht erst einmal Abstand. Beziehungen können davon leben oder daran sterben, denn der Modus operandi ist hier Aushandlungssache und wird stets (oder oft) neu verhandelt. Das kann erotisch oder zerstörerisch sein; Eros und Thanatos dirigieren hier — wie so oft — abwechselnd das Orchester.
Nochmal Quelle: medium.com/@simoneines/beziehungen-und-das-push-and-pull-paradox-2a6698391ca9

Ich finde das eigentlich recht gelungen in unserem Kontext. ;-)

LG Marina
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Kephalopyr
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Re: Die Umkehr der Abhängigkeit, oder: die eigene Aufmerksamkeit & Zeit als Wert

Beitrag von Kephalopyr »

Ich danke dir wirklich sehr für deine Worte! :hdl:

Wir unterhielten uns ja jetzt schon des Öfteren darüber und wenn ich jetzt an die Zeit zurückdenke, bevor wir das erste Mal über einen Gewissen "Hahn" sprachen, dann bin ich echt mehr als froh, nicht mehr in diese Situation bzw. Abhängigkeit zu stecken. Ich kann dir immer noch nicht genug dafür danken und dir beschreiben, welch eine Erleichterung das für mich war, das aus einer völlig anderen Sichtweise betrachten zu können und dadurch erstmal zu realisieren, was ich mir da selbst mit angetan habe. Natürlich ohne mir dessen bewusst zu sein.

Nun fällt mir das auch jetzt immer leichter, Stück für Stück, davon wegzukommen.
Alles braucht seine Zeit und mit diese, wächst man! (:
Marina hat geschrieben: 22. Sep 2022, 20:39 Sie werden zu "Wartenden",
Das trifft es ganz gut.
Man wird wahrhaftig zum Wartenden, Hoffenden, auf etwas, von dem man eigentlich bereits weiß,
dass man das von dieser Person nicht erhält, aber man hört anfangs erst nicht auf sich selbst.
Oft erst dann, wenn man bereits in diese Abhängigkeit geraten ist, leider.
Aber ich denke es ist schon ein wichtiger Schritt erreicht, wenn man sich dessen überhaupt schon mal bewusst wird, anstatt es zu verdrängen, oder nicht wahrhaben zu wollen.
Volantis hat geschrieben: 22. Sep 2022, 20:49 Im Bezug auf romantisches dating nennt man das ganze im englischen „roster“ und hier ist die Beschreibung der „Strategie“ und ihrer Vorteile:
Vielleicht verstehe ich Wunder auch nur falsch, aber was ich da bisher herauslesen konnte, wirkt das Ganze wie ein Spiel und das ist das Problem dabei.
Als wäre es ein einzig großer Markt, auf dem man sich nach Produkten umschaut und die Männer einfach nur nach irgendwelchen Kriterien aussucht, aber so ganz bewusst, so: "Der ist jetzt 5 Zentimeter zu groß, den will ich nicht. Auf zum Nächsten!" ... das ist doch schrecklich! :!:
Als wäre es vollkommen egal, dass man Gefühle besitzt. Da wird einfach nach anderen Dingen gesucht und danach beurteilt.
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Re: Die Umkehr der Abhängigkeit, oder: die eigene Aufmerksamkeit & Zeit als Wert

Beitrag von Volantis »

Kephalopyr hat geschrieben: 23. Sep 2022, 00:08
Volantis hat geschrieben: 22. Sep 2022, 20:49 Im Bezug auf romantisches dating nennt man das ganze im englischen „roster“ und hier ist die Beschreibung der „Strategie“ und ihrer Vorteile:
(…)

Als wäre es ein einzig großer Markt, auf dem man sich nach Produkten umschaut und die Männer einfach nur nach irgendwelchen Kriterien aussucht, aber so ganz bewusst, so: "Der ist jetzt 5 Zentimeter zu groß, den will ich nicht. Auf zum Nächsten!" ... das ist doch schrecklich! :!:

Als wäre es vollkommen egal, dass man Gefühle besitzt. Da wird einfach nach anderen Dingen gesucht und danach beurteilt.
Guten Morgen,

ich habe in dein Zitat Absätze gemacht und entfernt.

Ja, du schaust dich um und du natürlich wählst du nach irgendwelchen Kriterien. Dein Gegenüber ja ebenso. Die „5 cm“ sind es meiner Meinung nach keinesfalls (aber macht ja jede Frau, wie sie meint). Es sind DEINE Kriterien und diese Wahl ist wichtig, denn du wählst jemanden, den du nah an dich heranlassen wirst, für eine gewisse Zeit (oder für immer, je nachdem wie romantisch du bist :kn: ).

Daher kann ich diese Kriterien als gar nicht wichtig genug empfinden. Ich habe in deinem anderen Thread gelesen, dass du diesbezüglich nicht ganz sicher bist, daher hier nur in kürze und drüben gerne intensiver: grundsätzliche Werte und Ziele sollten übereinstimmen. Sonst will der eine Kinder und der andere nicht. Ist ne existenzielle Sache. Oder religiöse Überzeugungen. Sozusagen die absolute Basis, die es braucht, damit man überhaupt eine Beziehung führen kann. Alle anderen würdest du sowieso nicht romantisch Daten.

Der Vorteil in einem „roster“ ist genau der, den Marina geschrieben hat. Du hast mehr Auswahl. Du fokussierst dich nicht auf einen Mann, sondern es gibt mehrere, mit denen du Kontakt hast. Was gleichzeitig bedeutet, dass du Unterschiede erkennst. Wer meldet sich immer und gerne und zuverlässig bei dir? Wer hört gut zu? Wer ist aufmerksam und zugewandt? (Und etliche mehr). Im umkehrschluss bedeutet das, wenn einer verschwindet, bist du nicht gleich am Boden zerstört.

Die Sache mit den Gefühlen in der romantischen Liebe ist die: du musst ein wenig steuern, an wen du sie verschenkst. Sonst ist es ein auf und ab und du vergibst deine Liebe und Energie in Konstellationen, die es einfach nicht wert sind. Und du bist ein Mensch, deine Leidensfähigkeit ist einfach auch endlich. Jede dieser „Trennungen“ oder jede Enttäuschung bleibt irgendwie in dir. Prägt dich für den nächsten Kontakt. Besonders wenn du mit ehrlichen, ernsthaften Absichten und offenem Herz in diese Kontakte investierst. Das geht ein Mal gut. Wahrscheinlich auch zehn Mal. Aber irgendwann bist du sehr wahrscheinlich traurig, enttäuscht, redest dir ein, dass es an dir liegt oder den Männern.
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Re: Die Umkehr der Abhängigkeit, oder: die eigene Aufmerksamkeit & Zeit als Wert

Beitrag von Marina »

..

Soo..
guten Morgen. :-)
Kephalopyr hat geschrieben: 23. Sep 2022, 00:08 Ich danke dir wirklich sehr für deine Worte! :hdl:
Dafür nicht! Remember: Alles, was man den Anderen erzählt, erzählt man auch immer sich selber. Und ich, mit meinem erst gestern beendeten Drama - das mir btw. noch immer nachhängt, so ist es ja nicht - kann mir diesen Vortrag auch wunderbar selber halten. Insofern ist das auch für mich eine Art Reminder.
Wir unterhielten uns ja jetzt schon des Öfteren darüber und wenn ich jetzt an die Zeit zurückdenke, bevor wir das erste Mal über einen Gewissen "Hahn" sprachen, dann bin ich echt mehr als froh, nicht mehr in diese Situation bzw. Abhängigkeit zu stecken. Ich kann dir immer noch nicht genug dafür danken und dir beschreiben, welch eine Erleichterung das für mich war, das aus einer völlig anderen Sichtweise betrachten zu können und dadurch erstmal zu realisieren, was ich mir da selbst mit angetan habe. Natürlich ohne mir dessen bewusst zu sein.
Das ist, in meinen Augen, einer der wesentlichsten Gründe, warum wir andere Menschen brauchen, damit wir nicht in unserem eigenen Kopfkosmos rettungslos versacken. Gut, natürlich gibt es noch viele andere Gründe, aber in Punkto "innere Verstrickungen / Abhängigkeiten" ist ein Perspektivwechsel schlicht fundamental hilfreich, so man es schafft, ihn zu vollziehen / sich darauf einzulassen. Das ist im Übrigen auch der wohl wesentlichste Teil einer erfolgreichen Therapiearbeit, die man eben nicht zwingend mit dem Profi vollzieht; der zeigt einem idR ja nur den Anfang, vermittelt den Werkzeugkasten (die Skills um mit sich zu arbeiten) und die Bedienanleitung für die Werkzeuge und dann -> "Probieren sie sich (in freier Alltagswildbahn) aus!"
Nun fällt mir das auch jetzt immer leichter, Stück für Stück, davon wegzukommen.
Alles braucht seine Zeit und mit diese, wächst man! (:
Meine Erfahrung: Selbstfürsorge ist Übungssache. Und je mehr man übt, um so sicherer wird man, für sich (selbst) sorgen zu können, was einen ganz automatisch unabhängiger von anderen Menschen, bzw. deren Zuwendung / Aufmerksamkeit werden lässt. Und auch rechtschaffen wütend, fühlt man sich missachtet / nicht wertgeschätzt, was manchmal auch eine gute Motivation darstellt, sich von destruktiv wirkenden, frustrierenden Kontakten zu lösen.
Marina hat geschrieben: 22. Sep 2022, 20:39 Sie werden zu "Wartenden",
Das trifft es ganz gut.
Man wird wahrhaftig zum Wartenden, Hoffenden, auf etwas, von dem man eigentlich bereits weiß,
dass man das von dieser Person nicht erhält, aber man hört anfangs erst nicht auf sich selbst.
Oft erst dann, wenn man bereits in diese Abhängigkeit geraten ist, leider.
Aber ich denke es ist schon ein wichtiger Schritt erreicht, wenn man sich dessen überhaupt schon mal bewusst wird, anstatt es zu verdrängen, oder nicht wahrhaben zu wollen.
Eigentlich ist diese Phase eine, die ich persönlich mit am Schwierigsten empfinde. Das Problem ist nämlich keineswegs gebannt, hat man es denn erkannt. Nur, dass man sich jetzt beim "Mist Bauen" zuschauen kann, weiß bereits wo es endet, sieht dem nahenden Drama aber, in Ermangelung von Handlungsideen, paralysiert entgegen. Man sieht die eigenen Mechanismen, die eigenen Marionettenfäden, weiß diese indes aber noch nicht zu durchtrennen. Das baucht dann noch eine Weile, bis das eigene Rückgrat (die eigene Selbstsicherheit) fest genug verankert ist, dass man weiß, auch ohne diese Fäden aufrecht stehen zu können; dass man keine Marionette mehr sein will und muss. Dass man selbstständig laufen kann. Und dann kommt der Rest von allein. Es ist ein fließender Prozess, der natürlich eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt.
Vielleicht verstehe ich Wunder auch nur falsch, aber was ich da bisher herauslesen konnte, wirkt das Ganze wie ein Spiel und das ist das Problem dabei.
Als wäre es ein einzig großer Markt, auf dem man sich nach Produkten umschaut und die Männer einfach nur nach irgendwelchen Kriterien aussucht, aber so ganz bewusst, so: "Der ist jetzt 5 Zentimeter zu groß, den will ich nicht. Auf zum Nächsten!" ... das ist doch schrecklich! :!:
Als wäre es vollkommen egal, dass man Gefühle besitzt. Da wird einfach nach anderen Dingen gesucht und danach beurteilt.
Wir tun das ohnehin. Frauen bei Männern, Männer bei Frauen, Divers bei Divers.. nur ist das häufig unbewusst, weil es verdrängt oder (vor sich selbst) verleugnet wird. Weil es ja "schrecklich" ist. Aber, Du z. B. willst einen Mann mit Hirn. Das ist im Grunde nichts Anderes. ;-) Je bewusste man sich macht, was man will und was einen anmacht (ich könnte auch nur mit einem Intelligenzler und der muss auch noch maskulin-dominant sein, sonst passiert bei mir erotisch rein gar nichts), um so größer die Chance, dass man fündig wird, bzw. die "richtige Wahl" trifft.

LG Marina
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