Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

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MinaHarkness
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Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von MinaHarkness »

Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade / Tetrade
Alias: Narzissmus, Psychopathie, Machiavellismus, Sadismus

Dies ist ein Thema, in dem ich ein wenig mit Vorurteilen aufräumen möchte, indem ich gezielt Informationen zusammentrage und hier gebündelt zur Verfügung stellen möchte, für Interessierte. Das allgemein im Internet (und nicht nur dort) verbreitete Vorurteil, auch und besonders in vielen Foren nachlesbar, hat mich überzeugt, dass etwas Aufklärungsarbeit durchaus angezeigt ist.

Fangen wir an, mit dem, was sich "hochfunktionale Psychopathen" nennt. Mittlerweile hat die Forschung begonnen eine klare Differenzierung zwischen zwei Persönlichkeitsfaktoren der Psychopathie vorzunehmen. Namentlich sind das die "furchtlose Dominanz" und die "egozentrische Impulsivität".

Hierzu aus dieser Quelle zitiert: [Externer Link : bitte anmelden] (forschung-und-lehre.de/karriere/kein-kaltes-herz-103/)
Um das scheinbare Paradox der psychopathischen Persönlichkeit aufzulösen, unterschied der amerikanische Psychologe David Lykken bereits vor über 20 Jahren zwischen zwei Faktoren der Psychopathie, die heute als furchtlose Dominanz und egozentrische Impulsivität bezeichnet werden. Die egozentrische Impulsivität umfasst die Aspekte der Defizite in der Selbststeuerung (geringe Impulskontrolle), den machiavellistischen Egoismus (Skrupellosigkeit), die sorglose Planlosigkeit (Gegenwarts- statt Zukunftsorientierung) sowie die rebellische Risikofreude. Personen mit hoher Ausprägung auf dem Persönlichkeitsfaktor der egozentrischen Impulsivität sollten demnach eine starke Tendenz zu antisozialem und kriminellem Verhalten aufweisen.
..
Der Faktor der furchtlosen Dominanz ist nach Lykken geprägt durch Furchtlosigkeit, Stressimmunität sowie Persuasivität. Die neuere Forschung zeigte, dass die beiden Faktoren der egozentrischen Impulsivität und furchtlosen Dominanz voneinander unabhängig (orthogonal) sind. Das bedeutet, dass man auf dem einen Faktor hohe, mittlere, oder niedrige Werte haben kann unabhängig davon, ob man hohe, mittlere oder niedrige Werte auf dem anderen Faktor hat. Es ist also möglich und es kommt öfter vor, dass Personen zwar hohe Werte auf dem Faktor furchtlose Dominanz aufweisen, aber trotzdem über hohe Selbstkontrolle verfügen, erfolgreich Belohnungsaufschub praktizieren und sich konstruktiv in soziale Gefüge einordnen können.
Das bedeutet, nicht jeder Psychopath ist ein "asoziales Arschloch". Sondern es gibt durchaus Anderes unter ihnen, und nun wieder ein Zitat:
.. je nach Definition und individueller Ausprägung – Psychopathie entweder mit sozialer Abweichung und Kriminalität oder mit besonders herausragenden beruflichen und kreativen Leistungen im Zusammenhang stehen kann. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass besonders kreatives oder heroisches Verhalten zunächst immer eine Abweichung vom konventionellen Verhaltensmuster voraussetzt, kann in Teilaspekten der Psychopathie ein Schlüssel zum Verständnis von Helden- und Märtyrertum, künstlerischem Genius und Revolutionsführern liegen. Während die egozentrische Impulsivität sicherlich eher negative Konsequenzen mit sich bringt, kann furchtlose Dominanz bei ausreichender Verhaltenskontrolle eine äußerst effektive soziale Erfolgsstrategie darstellen. Dutton (2012) empfiehlt deshalb einzelne psychopathische Merkmale wie Rücksichtslosigkeit, Charme, mentale Robustheit oder Furchtlosigkeit in das eigene Verhaltensrepertoire zu übernehmen, um auf diesem Weg erfolgreicher durch das Leben gehen zu können. Vielleicht kann in diesem Zusammenhang Psychopathie wie ein Medikament verstanden werden: In der richtigen Dosis kann sie in schwierigen Situation durchaus hilfreich und heilend sein, bei Überdosierung werden jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit negative Konsequenzen und unerwünschte Nebenwirkungen auftreten.
Hier die Quelle: [Externer Link : bitte anmelden] (de.in-mind.org/article/psychopathie-zwischen-kriminalitaet-und-kompetenz-oder-was-wir-von-psychopathen-lernen?page=2)

Das sind nicht irgendwelche esoterischen Weisheiten, wie man bei Sichtung der Quellen feststellen wird. Sondern es ist der Beginn dessen, was viele andere Krankheitsbilder nach - mitunter Jahrzehnten - der Stigmatisierung erfahren ->Rehabilitierung durch Differenzierung. Ich möchte mit diesem Thema ein wenig dazu beitragen und diese erfreuliche Entwicklung dokumentieren.

Ich bin kein Monster.

LG Mina
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von Ed209 »

Ich habe nicht selten sehr dunkle Gedanken und Gefühle.

Wenn ich in einer deutlich gewalttätigeren Umwelt aufgewachsen wäre, könnte ich mir gut vorstellen, ein egozentrischer und impulsiver Psychopath geworden zu sein, der zu allem fähig ist.

In mir ist ein Monster.
Ich lasse es aber nicht frei.
Dass ich es jahrelang ignoriert habe, hat allerdings seinen Einfluss stärker werden lassen.
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von Inmymind »

Ed209 hat geschrieben: 13. Sep 2021, 19:30 Ich habe nicht selten sehr dunkle Gedanken und Gefühle.

Wenn ich in einer deutlich gewalttätigeren Umwelt aufgewachsen wäre, könnte ich mir gut vorstellen, ein egozentrischer und impulsiver Psychopath geworden zu sein, der zu allem fähig ist.

In mir ist ein Monster.
Ich lasse es aber nicht frei.
Dass ich es jahrelang ignoriert habe, hat allerdings seinen Einfluss stärker werden lassen.
Das sagt sich so schnell. Grundsätzlich kann jeder zum Monster werden. Man muss Leute nur in extreme Situationen bringen und dann darf man mal kräftig staunen. Mach dich mal nicht schlechter als du bist. ;)
Man könnte viele Beispiele für unsinnige Ausgaben nennen, aber keines ist treffender als die Errichtung einer Friedhofsmauer.
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MinaHarkness
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von MinaHarkness »

..
Ed209 hat geschrieben: 13. Sep 2021, 19:30 Ich habe nicht selten sehr dunkle Gedanken und Gefühle.
Lieber Ed209..
die hat jeder Mensch. Erfahrungsgemäß negieren die Einen sie, während die Anderen regelrecht darin schwelgen und sie zelebrieren (man denke nur an "Gothics" u. ä. m.). Dazwischen gibt es mal wieder unendlich viele Abstufungen und die allermeisten davon sind kein bisschen pathologisch.
Wenn ich in einer deutlich gewalttätigeren Umwelt aufgewachsen wäre, könnte ich mir gut vorstellen, ein egozentrischer und impulsiver Psychopath geworden zu sein, der zu allem fähig ist.
Ich denke, auch das sind Überlegungen, die viele Menschen kennen dürften. Besonders solche Menschen, in denen, ganz tief in ihnen Verborgen, ein großer Schmerz sitzt und ein daraus resultierender Zorn, über das eigene Schicksal und darauf, diesem zum Teil regelrecht hilflos ausgeliefert worden zu sein. Determinismus ist in diesem Kontext ein schönes Stichwort. Sich einzugestehen, dass im Innen kein Schaf ist, sondern auch ein Wolf, das ist eine gute Sache. So kommt man sich näher. Man sollte darüber aber nicht vergessen, dass auch ein Wolf kein Monster ist.
In mir ist ein Monster.
Ich lasse es aber nicht frei.
Monstren. Hm. Im Grunde ist das Definitionssache. Als ich den Ordner in Händen hielt, der mir meinen "Monsterstatus" offiziell bestätigte, da erst verstand ich, dass ich das nicht will und begann aktiv das Ganze zu rationalisieren. Es hat auch immer etwas von Attitüde, mit dem "Bösen in sich" zu kokettieren. Es tut gut. Es gibt einem etwas Wildes, Rohes; aber auch Starkes. Es lässt einen sich weniger machtlos fühlen, vermute ich. Während die Rationalisierung des Ganzen einen dort hin führt, zu erkennen, dass die eigentliche Crux darin besteht, sich auch in seiner Schwäche, seiner Bedürftigkeit, seinen Sehnsüchten und all diesem Schafsgedöns anzunehmen, das im Innen genauso herumspringt. Lieber ist man Monster als Muschi. Falls Du verstehst was ich meine. :kn:
Dass ich es jahrelang ignoriert habe, hat allerdings seinen Einfluss stärker werden lassen.
Es gibt so gut wie immer einen Weg hinaus und zurück. Davon bin ich persönlich überzeugt. Dass Du es nun merkst und danach suchst, nun ja, mehr geht nicht.

:flo: LG Mina

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Venom
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von Venom »

MinaHarkness hat geschrieben: 19. Sep 2021, 13:30 Als ich den Ordner in Händen hielt, der mir meinen "Monsterstatus" offiziell bestätigte, da erst verstand ich, dass ich das nicht will und begann aktiv das Ganze zu rationalisieren.
Das kann ich bestätigen. Die Diagnose löste in mir Unwillen und Widerstand in einem Umfang aus, der mich selber überrascht hat. Es kommt dazu, dass die daran geknüpften Attribute keineswegs als erstrebenswert gelten können. Das Lesen darüber macht es auch nicht besser. Allerdings führt es dazu, dass man sich selbst hinterfragt. Ich sehe mich auch nicht als Monster. Das ist in meiner Wahrnehmung sehr übersteigert. Ich würde mich nicht als übertrieben gutmütig ansehen und auch nicht als mitfühlend. Aber ein Monster bin ich nicht. Nur weil man Aggressionen hat, Hassgefühle oder Rachegelüste, wird man nicht zum Untier. Selbst Mordfantasien sind nicht unbedingt ungewöhnlich. Man muss sich nur ein paar Serien auf Netflix ansehen. Das Publikum besteht sicher nicht ausschließlich aus Psychopathen. ;) Wer das behaupten wollte, der schießt mit Kanonen auf Spatzen.

Grüsse, Venom
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Oxymon
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von Oxymon »

Vielleicht ist es ja ähnlich wie beim Wahl-O-Mat, wo viele entsetzt sind, was sie wählen sollen. :ups:
Ein paar beantwortete Fragen und dann kriegst du ein Kärtchen, wie früher auf dem Jahrmarkt.
Deine politische Gesinnung kann man schon mit ca. 25 Fragen feststellen.

Übertrage das auf einen Psych-O-Maten und du hast die entsprechende Antwort.
Mich nerven Psychobibeln ungemein, besonders da heute fast jeder Hinz und Kunz eine
Diagnose stellen darf. Fremddiagnosen finde ich auch geil, da muss man den Menschen
noch nicht mal gesehen haben. Vielleicht reicht ja in 10 Jahren ein Photo und wir
machen dazu noch eine Befragung von 10 Minuten.

Ich finde es sowieso interessant, dass Menschen, die als Fachpersonal meist selber
eine „psychische“ Beeinschränkung haben, so etwas machen dürfen.
Da brauche ich mir nur die eine andere auf ihren Nägeln kauende Gestalt
mehr oder weniger anzuschauen
Wahrscheinlich qualifiziert sie das noch besonders für den Job.

Einer flog über die Diagnose. Geh zu 5 anderen Fachleuten und du kriegst eine
andere Diagnose. :D

LG Oxy
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von Ed209 »

Nach meinem Eindruck ist das Monster eines von vielen Gestalten, die alle zusammen meine Persönlichkeit bilden.
Die Notwendigkeit zu erkennen, allen Gestalten Beachtung zu schenken, ist zwar ein Anfang, aber die Umsetzung ist mühsam.
Vor allem wenn einige dieser Gestalten in meinem Verstand aufeinander losgehen.
Sie sind wie echte Menschen. Werden sich missachtet oder gar misshandelt, werden sie wütend.
Was man alles erreichen könnte, würden sie zusammen arbeiten.
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Venom
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von Venom »

Oxymon hat geschrieben: 19. Sep 2021, 20:06 Einer flog über die Diagnose. Geh zu 5 anderen Fachleuten und du kriegst eine
andere Diagnose. :D
Mir reicht es zur Genüge. Ich habe nun beschlossen, dem nicht zu viel Bedeutung beizumessen. Dass ich mich kürzlich gleich in zwei Menschen, die die gleiche Diagnose bekamen, absolut habe wiederfinden können, untermauert das Ganze allerdings. Dennoch lebe ich weiter nach meiner Regie und nicht danach, was irgendwelche Kataloge behaupten, wie man mit Persönlichkeitsstörung X zu agieren hätte. Die Leute machen sich auch viel zu sehr selber verrückt. Eine Weile habe ich gebraucht um das zu verdauen. Ich werde jetzt aber bestimmt nicht anfangen von Arzt zu Arzt zu rennen, nur um mir selber etwas von Leib zu schaffen, von dem ich mich gar nicht bestimmen lassen muss. Ich habe auch noch andere Dinge zu tun. Es wurde mir nicht auf die Stirn tätowiert, also alles halb so wild.

Grüsse, Venom
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Oxymon
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von Oxymon »

Mir reicht es zur Genüge. Ich habe nun beschlossen, dem nicht zu viel Bedeutung beizumessen. Dass ich mich kürzlich gleich in zwei Menschen, die die gleiche Diagnose bekamen, absolut habe wiederfinden können, untermauert das Ganze allerdings. Dennoch lebe ich weiter nach meiner Regie und nicht danach, was irgendwelche Kataloge behaupten, wie man mit Persönlichkeitsstörung X zu agieren hätte. Die Leute machen sich auch viel zu sehr selber verrückt. Eine Weile habe ich gebraucht um das zu verdauen. Ich werde jetzt aber bestimmt nicht anfangen von Arzt zu Arzt zu rennen, nur um mir selber etwas von Leib zu schaffen, von dem ich mich gar nicht bestimmen lassen muss. Ich habe auch noch andere Dinge zu tun. Es wurde mir nicht auf die Stirn tätowiert, also alles halb so wild.
Satz 1 finde ich gut, bei Satz 2 kam ich etwas ins Zögern. Eine Untermauerung ist ja eine Bestätigung.
Kann man durch eine Bekanntschaft oder eine Freundschaft seine eigene Diagnose bestätigen?
Oder ist das nicht eine Übertragung, ein Wunsch? Weil es vielleicht nicht die Diagnose, sondern
eine Freundschaft verstärkt? Das soll jetzt nicht heißen, dass es nicht stimmt, war nur so
eine Überlegung von mir. Den Rest von dir kann ich nur zustimmen.
Der letzte Halbsatz, da habe ich so ein Gefühl gehabt, dass du dich selber etwas bestätigen willst.
Aber Gefühle sind ja rein subjektiv. Und wenn es bei dir so ist, freue ich mich mit dir.

LG Oxy
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MinaHarkness
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von MinaHarkness »

..
Ed209 hat geschrieben: 19. Sep 2021, 22:47 Nach meinem Eindruck ist das Monster eines von vielen Gestalten, die alle zusammen meine Persönlichkeit bilden.
[..]
Sie sind wie echte Menschen.
Lieber Ed209..
dass man verschiedene Kräfte, die in differente Richtungen streben, in sich vorfindet, das ist vollkommen in Ordnung so. Es ist sogar Teil diverser Therapiekonzepte und mentaler Trainingsmethoden, sich diese als eigenständig vorzustellen. So ist es im Zuge der NLP-Visualisierung ein gängiges Procedere, Gemütszustände, Persönlichkeitsanteile (innere Kräfte), Ideen, Gedanken generell oder innere Vorstellungen als mentale, innere Bilder vor dem geistigen Auge entstehen lassen; um mit diesen in Kontakt / Kommunikation treten und mit ihnen arbeiten zu können.
Die Notwendigkeit zu erkennen, allen Gestalten Beachtung zu schenken, ist zwar ein Anfang, aber die Umsetzung ist mühsam.
Vor allem wenn einige dieser Gestalten in meinem Verstand aufeinander losgehen.
Du bist noch uneins in Dir und auf dem Weg Dich zu befrieden. Die Versöhnung untereinander, das Erkennen und Erleben, wie Zusammenarbeit funktioniert, das ist Übungssache. Übung und Selbstreflexion. Die Innenweltgeister sind nicht dumm. Im Gegenteil, sie sind von einer Klugheit, die über das Rationale weit hinaus reicht. Aber sie sind zornig. Sie sind verletzt. Sie erwarten, dass man ihnen Respekt zollt und ein jeder von ihnen fordert, dass die Anderen vorlegen sollen. In diesem Kontext hilft es oft, wenn man sich klar macht, dass man SELBST, als unabhängige Instanz, NEBEN ihnen existiert.

So kann man beiseite treten, sie sich vorstellen und beginnen, sich bei jedem von ihnen zu entschuldigen. Man kann ihnen erklären, dass man sein Bestes tat und es einem leid tut, dass es nicht genug war, um sie vor ihren Verletzungen bewahren zu können. Man kann ihnen mitteilen, dass man sie nun zu respektieren gedenkt, zu achten und, dass man sich wünscht, dass sie das untereinander ebenso versuchen mögen; damit es für alle besser werden kann. Und dann versuche sie zu betrachten wie alte Freunde und Kampfgefährten; denn das sind sie. Das ist das, was Du in Dir vorfindest Ed209. Deine wahrlich intimsten Freunde, wenn Du bereit bist, sie dazu zu machen. Und deine stärksten Kampfgefährten, an der Seite Deines SELBST (das die Flöhe hütet).
[..] Werden sich missachtet oder gar misshandelt, werden sie wütend.
Und das ist das Gesündeste und Beste, was sie tun können! Sie werden dadurch befähigt, sich zu wehren und Dir mitzuteilen wann und wo Du intervenieren musst und Dir nicht gut tust. Das ist kein feindliches Verhalten; das ist gesunde Wehrhaftigkeit.
Was man alles erreichen könnte, würden sie zusammen arbeiten.
Wenn man weiß, was man will und alle geschlossen an einem Strang ziehen, dann - so gut wie alles.

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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von Fiou »

Ich selber glaube, in Jedem Mensch lebt ein Monster, meistens so gut wie es geht weggesperrt, ich frage mich dann, lasse ich das Monster frei,
weil ich gerade wütend bin oder lassen Andere mein Monster frei weil sie gerade die richtigen Knöpfe gedrückt haben, ab und an staut sich auch viel zusammen, aus allen Richtungen, dann kommt es auch wieder von aussen hinein und öffnet im innen das Tor. Und wenn ich hunger habe, dann kann ich richtig knurrig werden, das ist dann noch mals ein ganz anderer Faktor, es gibt Menschen die unterzuckern und fast durchdrehen, habe ich schon gelesen.
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von Ed209 »

MinaHarkness hat geschrieben: 20. Sep 2021, 14:27
..
Ed209 hat geschrieben: 19. Sep 2021, 22:47 Nach meinem Eindruck ist das Monster eines von vielen Gestalten, die alle zusammen meine Persönlichkeit bilden.
[..]
Sie sind wie echte Menschen.
Lieber Ed209..
dass man verschiedene Kräfte, die in differente Richtungen streben, in sich vorfindet, das ist vollkommen in Ordnung so. Es ist sogar Teil diverser Therapiekonzepte und mentaler Trainingsmethoden, sich diese als eigenständig vorzustellen. So ist es im Zuge der NLP-Visualisierung ein gängiges Procedere, Gemütszustände, Persönlichkeitsanteile (innere Kräfte), Ideen, Gedanken generell oder innere Vorstellungen als mentale, innere Bilder vor dem geistigen Auge entstehen lassen; um mit diesen in Kontakt / Kommunikation treten und mit ihnen arbeiten zu können.
Die Notwendigkeit zu erkennen, allen Gestalten Beachtung zu schenken, ist zwar ein Anfang, aber die Umsetzung ist mühsam.
Vor allem wenn einige dieser Gestalten in meinem Verstand aufeinander losgehen.
Du bist noch uneins in Dir und auf dem Weg Dich zu befrieden. Die Versöhnung untereinander, das Erkennen und Erleben, wie Zusammenarbeit funktioniert, das ist Übungssache. Übung und Selbstreflexion. Die Innenweltgeister sind nicht dumm. Im Gegenteil, sie sind von einer Klugheit, die über das Rationale weit hinaus reicht. Aber sie sind zornig. Sie sind verletzt. Sie erwarten, dass man ihnen Respekt zollt und ein jeder von ihnen fordert, dass die Anderen vorlegen sollen. In diesem Kontext hilft es oft, wenn man sich klar macht, dass man SELBST, als unabhängige Instanz, NEBEN ihnen existiert.

So kann man beiseite treten, sie sich vorstellen und beginnen, sich bei jedem von ihnen zu entschuldigen. Man kann ihnen erklären, dass man sein Bestes tat und es einem leid tut, dass es nicht genug war, um sie vor ihren Verletzungen bewahren zu können. Man kann ihnen mitteilen, dass man sie nun zu respektieren gedenkt, zu achten und, dass man sich wünscht, dass sie das untereinander ebenso versuchen mögen; damit es für alle besser werden kann. Und dann versuche sie zu betrachten wie alte Freunde und Kampfgefährten; denn das sind sie. Das ist das, was Du in Dir vorfindest Ed209. Deine wahrlich intimsten Freunde, wenn Du bereit bist, sie dazu zu machen. Und deine stärksten Kampfgefährten, an der Seite Deines SELBST (das die Flöhe hütet).
[..] Werden sich missachtet oder gar misshandelt, werden sie wütend.
Und das ist das Gesündeste und Beste, was sie tun können! Sie werden dadurch befähigt, sich zu wehren und Dir mitzuteilen wann und wo Du intervenieren musst und Dir nicht gut tust. Das ist kein feindliches Verhalten; das ist gesunde Wehrhaftigkeit.
Was man alles erreichen könnte, würden sie zusammen arbeiten.
Wenn man weiß, was man will und alle geschlossen an einem Strang ziehen, dann - so gut wie alles.

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Leider habe ich es noch nicht geschafft mir selbst, für das was ich mir angetan habe, zu vergeben. Das erschwert mir, die Gestalten in mir, um Vergebung zu bitten.

Meine Gedankenwelt dreht sich noch zu häufig um Fehler und deren Bestrafung. Da ist für eine Entschuldigung nur wenig Platz.
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von MinaHarkness »

..
Ed209 hat geschrieben: 20. Sep 2021, 22:29 Leider habe ich es noch nicht geschafft mir selbst, für das was ich mir angetan habe, zu vergeben. Das erschwert mir, die Gestalten in mir, um Vergebung zu bitten.
Was hast Du Dir denn angetan, Ed209? Vielleicht hilft es, das einmal näher zu betrachten?
Meine Gedankenwelt dreht sich noch zu häufig um Fehler und deren Bestrafung. Da ist für eine Entschuldigung nur wenig Platz.
Verstehe ich Dich richtig, dass Du annimmst, Dich bestrafen zu müssen?

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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von MinaHarkness »

..
Fiou hat geschrieben: 20. Sep 2021, 19:33 Ich selber glaube, in Jedem Mensch lebt ein Monster,
Davon gehe ich ebenfalls aus, Fiou. Allerdings ist die Definition, die mit den antisozialen Persönlichkeiten verknüpft ist, dass dieses Monster, eben nicht, wie bei den "Normalen", lediglich einen Bestandteil der Gesamtpersönlichkeit darstellen würde, sondern deren Hauptkomponente. Anders: Es wird davon ausgegangen, dass Betreffender sich nicht aussuchen könne, ob er "das Monster" frei lässt, sondern, dass es ihn bestimmen würde und er quasi gar nicht anders könne, als destruktiv zu wirken. Das ist das Stigmata, das daran geknüpft ist.
meistens so gut wie es geht weggesperrt, ich frage mich dann, lasse ich das Monster frei,
weil ich gerade wütend bin oder lassen Andere mein Monster frei weil sie gerade die richtigen Knöpfe gedrückt haben, ab und an staut sich auch viel zusammen, aus allen Richtungen, dann kommt es auch wieder von aussen hinein und öffnet im innen das Tor.

Auch hier sehe ich Unterschiede. Tenebrae hat das hier angesprochen: KLICK! Es ist die Qualität / Intensität des Zorns. "Normaler" Zorn kippt iaR nicht über. Jähzorn hingegen schon. Er ist der Urgrund des Amoklaufs. Rasender, nicht mehr zu bremsender oder aber kalter, berechnender, alles beherrschender Hass. Das sind zwar alles Stufen ein- und derselben Treppe, aber die antisozialen Persönlichkeiten, sie stehen, was das betrifft, an ihrem oberen Ende; während der "normal konstituierte" Mensch von unteren Bereichen bis zur Mitte reicht - sinnbildlich gesagt.
Und wenn ich hunger habe, dann kann ich richtig knurrig werden, das ist dann noch mals ein ganz anderer Faktor, es gibt Menschen die unterzuckern und fast durchdrehen, habe ich schon gelesen.
Dazu müsste ich mich mal belesen.

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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von Ed209 »

MinaHarkness hat geschrieben: 28. Sep 2021, 11:36 ..
Ed209 hat geschrieben: 20. Sep 2021, 22:29 Leider habe ich es noch nicht geschafft mir selbst, für das was ich mir angetan habe, zu vergeben. Das erschwert mir, die Gestalten in mir, um Vergebung zu bitten.
Was hast Du Dir denn angetan, Ed209? Vielleicht hilft es, das einmal näher zu betrachten?
Meine Gedankenwelt dreht sich noch zu häufig um Fehler und deren Bestrafung. Da ist für eine Entschuldigung nur wenig Platz.
Verstehe ich Dich richtig, dass Du annimmst, Dich bestrafen zu müssen?

LG Mina
Den Großteil meines Lebens wusste ich, was ich eigentlich möchte und was mir gut tut und was nicht. Trotzdem habe ich häufig nicht danach gehandelt, was letztendlich in einer psychischen Erkrankung endete. Mir selbst zu vergeben, dass ich soviel Zeit meines Lebens mit nicht lebenswerter Zeit verschwendet habe, fällt mir schwer.

Der Gedanke, dafür und für viele andere Dinge, bestraft werden zu müssen, ist bei der Genesung leider hinderlich. Ich denke immer, dass nur eine Strafe bzw. die Aussicht auf etwas Negatives, mich dazu bringt zu handeln. Selbst wenn ich dadurch das Richtige tue, führt der Zwang zu einem negativen Gefühl, was auf Dauer wieder ein Motivationskiller ist, der mich zurückwirft.

Ich habe nochmal über meinen Hang zum Humor nachgedacht und dass dieser auch mal sehr schwarz werden kann.
Einerseits kann ich andere Menschen zum Lachen bringen, was mir gut tut. Andererseits, wenn ich über das Ziel hinaus schieße und andere verletze, bekomme ich, durch die negative Rückmeldung, die Bestrafung, die ich meine zu verdienen und die mir bestätigt, dass es andere Menschen nicht gut mit mir meinen.
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von MinaHarkness »

..

Lieber Ed209..
ich habe meine Antwort an Dich in einen passenderen Thread verlegt. Ich würde das gerne dort mit Dir fortführen, weil es mit dem hiesigen Thema zunehmend weniger zu tun hat, mit dem Anderen jedoch immer mehr.

LG Mina
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von MinaHarkness »

..
Psychopathie zwischen Kriminalität und Kompetenz oder was wir von Psychopathen lernen können

Kompetenz trotz oder sogar wegen Kriminalität?
Sowohl Ted Bundy als auch Jack Unterweger waren für ihre (physische) Attraktivität, ihren Charme und ihre rhetorische Fähigkeit bekannt, so dass sich selbst bei diesen kriminalpsychologischen Extremfällen die Frage stellt, ob in der psychopathischen Persönlichkeit nicht auch Kompetenzen und Ressourcen liegen könnten. Bei genauerer Betrachtung der biographischen Entwicklung von Personen wie Ted Bundy oder Jack Unterweger liegt die Vermutung nahe, dass die psychopathische Persönlichkeit möglicherweise als ein Schutzmechanismus gegen (früh-)kindliche Traumatisierungen verstanden werden kann.
QUELLE: de.in-mind.org/article/psychopathie-zwischen-kriminalitaet-und-kompetenz-oder-was-wir-von-psychopathen-lernen?page=2

..
Psychopathie muss nicht von Nachteil sein

Personen mit hohen Psychopathie-Werten sind egoistisch, intrigant und sabotieren skrupellos ihre Kollegen, um selber besser dazustehen. Für ihre Arbeitgeber sind sie der Super-GAU – doch stimmt das wirklich?

Eine Studie der Universität Bonn zeigt, dass manche Menschen mit psychopathischen Zügen bei ihren Kollegen durchaus als hilfsbereit und kooperativ gelten. Voraussetzung dafür sind allerdings unter anderem aus­ge­prägte soziale Fertigkeiten. Die Analyse ist bereits vorab online im renommierten „Journal of Management“ verfügbar, die Druckfassung erscheint demnächst.
QUELLE: dashoefer.de/newsletter/artikel/psychopathie_muss_nicht_von_nachteil_sein.html

..

Beide Artikel sind in Gänze interessant und informativ. Die Beschäftigung mit einem "Krankheitsbild", das ich immer mehr als "Charakterstruktur" würde definieren wollen, bringt die dringend nötigen Differenzierungen hervor. Es ist ganz besonders heraus zu stellen, dass Psychopathie Entscheidungsspielräume offen lässt. Was meint, der Betreffende hat einen deutlichen Spielraum in seinem Verhalten, innerhalb dessen er sich für mehrere Varianten entscheiden kann. Verhält er sich mehr sozial oder antisozial? Ist er eher zugewandt und freundlich, oder lieber intrigant und latent bis offen aggressiv? Er kann alles sein; aber er muss nicht. Das ist auch der Grund, warum die allermeisten psychopathischen Straftäter als voll schuldfähig begutachtet wurden und werden.

LG Mina
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Janundso
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von Janundso »

Hab mal gelesen, dass Psychopathen öfter dissoziieren als Max Mustermann.

Find ich irgendwie... Unerwartet?
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von MinaHarkness »

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Janundso hat geschrieben: 13. Okt 2021, 08:54 Hab mal gelesen, dass Psychopathen öfter dissoziieren als Max Mustermann.

Find ich irgendwie... Unerwartet?
Das lässt sich vermutlich damit erklären, Jan, dass bestimmte Kanäle stillgelegt sind. Nicht nur im Gehirn selbst, sondern auch aus Traumata heraus, die die Psychopathie erst ausgelöst haben. Die Anlage zur Psychopathie ist genetisch determiniert, die Manifestation ist es nicht. Deshalb ist davon aus zu gehen, dass das volle Spektrum seine Ausprägung zwei Komponenten verdankt. Einer genetischen Disposition und der Traumatisierung; die auch die Neigung zur Dissoziation hervorruft. Denn um eine solche Struktur auszuprägen, dazu braucht es schwere Traumen. Diese gehen immer mit einer dissoziativen Neigung einher. Ich selbst habe als Komorbidität eine DIS.

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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von Janundso »

Glaubst du, ein Psychopath kann erlernen, seine Emotionen mehr zu spüren?
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von MinaHarkness »

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Janundso hat geschrieben: 13. Okt 2021, 11:07 Glaubst du, ein Psychopath kann erlernen, seine Emotionen mehr zu spüren?
Das glaube ich nicht nur; ich weiß es. :kn:

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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von Janundso »

MinaHarkness hat geschrieben: 13. Okt 2021, 11:08 ..
Janundso hat geschrieben: 13. Okt 2021, 11:07 Glaubst du, ein Psychopath kann erlernen, seine Emotionen mehr zu spüren?
Das glaube ich nicht nur; ich weiß es. :kn:

LG Mina
Irgendwie scheint dieses "xy ist nicht heilbar" teilweise totaler bullshit zu sein.

Ich mein, Psychopathen können scheinbar wohl Empathie und Gefühle erlernen.

Da ist doch ein Psychopath mit Empathie, Impulskontrolle und Emotionen doch eig schon recht "geheilt", oder nicht?
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von Mischa »

Janundso hat geschrieben: 13. Okt 2021, 11:11 Irgendwie scheint dieses "xy ist nicht heilbar" teilweise totaler bullshit zu sein.
Damit was 'geheilt' werden kann, muss es erst einmal krank gewesen sein. Ein Punkt über den ich mich mit Mina seit Jahren schon streite. :lol:

Grüßerle!
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von Janundso »

Mischa hat geschrieben: 13. Okt 2021, 14:37
Janundso hat geschrieben: 13. Okt 2021, 11:11 Irgendwie scheint dieses "xy ist nicht heilbar" teilweise totaler bullshit zu sein.
Damit was 'geheilt' werden kann, muss es erst einmal krank gewesen sein. Ein Punkt über den ich mich mit Mina seit Jahren schon streite. :lol:

Grüßerle!
Mischa
Das lass ich lieber mal unkommentiert so stehen :D
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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von MinaHarkness »

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Janundso hat geschrieben: 13. Okt 2021, 11:11 Irgendwie scheint dieses "xy ist nicht heilbar" teilweise totaler bullshit zu sein.
Sagen wir es so, Jan.. es ist Bullshit, wenn der Betreffende gewillt ist, daran zu arbeiten. Viele Personen mit antisozialen Störungen sehen keine Notwendigkeit dazu, weil sie z. B. mit Emotionen, einem Gewissen oder Moral, im Grunde lediglich Probleme und Schwächen assoziieren. Das "tut man sich freiwillig nicht an", fertig.
Ich mein, Psychopathen können scheinbar wohl Empathie und Gefühle erlernen.
Ja. Das wird auch - seit einer ganzen Weile bereits - immer besser untersucht und entsprechende Therapien werden entwickelt.

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Da ist doch ein Psychopath mit Empathie, Impulskontrolle und Emotionen doch eig schon recht "geheilt", oder nicht?
Er ist zumindest sozial kompatibel, bis zu einem gewissen Maß. Psychopathische Züge als solches sind mitunter ja auch durchaus nützlich.

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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von MinaHarkness »

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Kommen wir einmal zu der vermeintlichen Gefühllosigkeit von Psychopathen. Dazu ist zuerst einmal zu vermerken, dass es, rein biologisch, gar nicht möglich ist vollkommen gefühllos zu sein. Wenn ein Artikel also damit daherkommt, kann man ihn bereits getrost kritisch betrachten; oder als wenig bis gar nicht fundiert abhaken. Ein Mindestmaß an Gefühlen ist zwingend notwendig um überlebensfähig zu sein. Hierbei handelt es sich um sogenannte Proto- bzw. Basisemotionen:
Als Grundgefühl, Primäraffekt oder Basisemotion werden jene Gefühle und Affekte bezeichnet, die als wesentlicher Bestandteil jeder menschlichen Existenz angesehen werden. Beispiele für Basisemotionen sind Freude, Überraschung, Wut, Traurigkeit, Angst oder Ekel. Sie sind in allen Kulturen gleichermaßen anzutreffen und werden auf dieselbe Art zum Ausdruck gebracht. Oft werden auch Liebe oder Hass dazugezählt.
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Zudem besitzen auch Psychopathen Spiegelneuronen, die ihnen ermöglichen, in Kombination mit einer, durch ihre klare (von Emotionen weitgehend ungetrübte) Kognition, messerscharfen Beobachtungsgabe, ihre Gegenüber quasi "zu lesen". Diese Begabung hat so gut wie jeder Psychopath, wenn er nicht durch Begleiterkrankungen in seiner Konzentration oder Intelligenz eingeschränkt ist. Psychopathen sind begnadete Psyche-Analysten, schlicht aufgrund ihrer Gesamtkonstitution und sie sind auch sehr interessiert auf dem Gebiet, weil ihnen diese Fähigkeiten extrem nützlich sind, um sich anzupassen und Schwächen in ihrer eigenen Empfindungsfähigkeit zu kompensieren / kaschieren. Sie verstehen und durchschauen ihr Gegenüber, können aber innerlich auf Abstand bleiben. Je weniger impulsiv ein Psychopath dabei geprägt ist, um so klarer sein Blick und um so besser seine Anpassungsfähigkeit, Selbstbeherrschung und Selbstkontrolle. Kommt eine geschliffene Rhetorik hinzu, hat man einen begabten Manipulator vor sich.

Ein Psychopath ist ein Mensch des Willens, nicht des Brauchens oder Fühlens. Sein Wille ist seine stärkste Triebkraft. Das ist - jedenfalls meinen Erfahrungswerten nach - auch seine Form der Liebe. Ein Mensch, der vorwiegend kognitiv bestimmt und innerlich weitgehend unabhängig ist, der braucht nicht, der will. Auch einen Partner / eine Partnerin - oder auch mehrere. Wenn ein Psychopath sich entscheidet eine Bindung einzugehen, tut er das in erster Linie aus rationalen Überlegungen heraus, nicht aus Begehrlichkeit. Sex kann man schließlich auch ohne Bindung haben und das häufig deutlich stressfreier. Je reflektierter der Betreffende ist, um so problemloser wird eine Bindung für ihn werden, die grundsätzlich nach seinen Regeln, zumindest jedoch mit sehr klaren Grenzsetzungen seinerseits laufen wird. Er selbst fühlt sich an diese nur dann gebunden, wenn er das willentlich beschließt. Emotional ist er dem nicht verpflichtet. Es ist schlichtweg eine Kosten-Nutzen-Rechnung und man ist als Partner einer solchen Person gut beraten, ein Auge darauf zu haben, dass diese sich ausgeglichen gestaltet, sonst wird der Psychopath "nachjustieren" und zwar idR in seinem Sinne; er ist effizient in dieser Hinsicht und vergeudete Investitionen sind einem klaren Geist zuwider. Es muss sich lohnen.

Warum beschreibe ich das auf diese Weise? Um zu verdeutlichen, dass das Denken eines Psychopathen (ist er ein funktionaler, wenig impulsiver, gut angepasster Vertreter dieser Charakterstruktur) nüchtern ist. Es ist wenig durchsetzt mit Gefühlsregungen. Das bedeutet nicht, dass keine Gefühle vorhanden wären. Aber der Fokus liegt nicht darauf, sondern auf dem Bestreben, das Beste für sich heraus zu holen und möglichst reibungslos zurecht zu kommen. Und werden Gefühle dem zum Hindernis, ist ein solcher Mensch in der Lage, sich innerlich konsequent davon zu distanzieren (seinen Fokus davon weg zu lenken). Ausnahmen davon bilden Emotionen, die impulsiv gesteuert sind und zu denen der Betreffende keinen rationalen Zugang hat. Hier kommt es wieder auf die Reflektiertheit an und wie trainiert derjenige im Umgang mit der Beherrschung solcher Impulse ist. Dennoch ist all das nicht per se "bösartig" und auch nicht "gefühllos"; es ist anders. Die Prämissen sind anders gesetzt. Der Fokus liegt auf anderen Dingen, als das bei emotional geprägten Personen der Fall ist.

Hier noch ein relativ annehmbarer / gemäßigter Artikel dazu: [Externer Link : bitte anmelden]

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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von MinaHarkness »

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(Kein) Gewissen

Um zu verstehen, dass ein Psychopath von seiner Warte aus nicht bösartig motiviert ist, sondern lediglich zielorientiert, ist es wichtig, seine innere Funktionsweise möglichst klar nachvollziehen zu können. Das wird einem nicht nur im allgemeinen Umgang mit einem solchen Menschen zugute kommen; sondern speziell auch im Kontext Liebesbeziehung. Sollten Sie, lieber Leser, ein emotional geprägter Mensch sein, so versuchen Sie sich nun vorzustellen, sie müssten eine wichtige Prüfung absolvieren und sich dazu voll auf die Aufgabe konzentrieren. Sie würden nach Möglichkeit alles andere ausblenden, tief durchatmen, alles an Emotion und Störendem so weit es ginge in den Hintergrund drängen und voll konzentriert auf das Wesentliche (die Aufgabe) zur Tat schreiten. Das ist der Alltagsmodus, der "Normalmodus" eines Psychopathen. Ein Mensch dieser Verfasstheit, gehört er zu den funktionalen, angepassten und damit erfolgreichen Psychopathen, ist im Grunde ein stets vollkommen zielorientiertes Wesen, das alles Andere am Rande vorbeirauschen lässt, während es zielstrebig fokussiert seiner selbst gewählten Sache dient.

Die Bedürfnisse, die seine Umwelt derweil an ihn heranträgt, werden nur innerhalb der Dienlichkeit dieser Sache gewertet und entweder von ihm befriedigt, weil ihm das sinnvoll erscheint, oder ignoriert; weil als unnötig (Energieverschwendung) klassifiziert. In ähnlicher Weise werden jegliche Situationen bewertet, die sich im normalen Alltag stellen. Ein Psychopath handelt nicht aus dem Bestreben heraus "nett sein" zu wollen und hofft auch nicht "gemocht zu werden". Letzteres strebt er lediglich dann an, wenn es seiner Sache dienlich erscheint. Er ist kein soziales Wesen und folglich völlig unabhängig von dem, was die meisten emotional motivierten Menschen antreibt; dem Wunsch nach Gemeinschaft und der darin empfundenen Sicherheit / Geborgenheit. Seine Ziele sind vollkommen different davon angesiedelt. Was er anstrebt ist die Herrschaft, die vollkommene Kontrolle über sein Leben und alles was darin stattfindet; von ihm ausgewählte Menschen inklusive. Die "Meisterschaft" über sein Dasein. Ein Psychopath ist immer dominant (das bezieht sich nicht zwingend auf sexuelle Präferenzen, aber darauf, wie die Dinge zu laufen haben; nämlich stets nach seiner Regie). Er will besitzen, beherrschen, führen und kontrollieren. Das ist seine Art der Sicherheit, die er sich als Basis versucht weitestmöglich her zu stellen.

Er ist geistig dominiert und angetrieben. Dem entsprechend findet er Sicherheit in klaren Strukturen, Bestätigung im Herrschen, Freude / Befriedigung in der Führung und Bestimmung. Er strebt im Grunde das Gleiche an, wie ein emotional gesteuerter Mensch (Sicherheit, Bestätigung, Befriedigung), nur auf einer anderen Ebene, als ein emotionaler Mensch das tut. Ein solcher findet all diese Dinge eher in Vertrauen, Hingabe, Nähe, Geborgenheit u. ä. m.. Ein Psychopath vertraut nur sich selbst. Nähe stellt er auf intellektueller (und ggf. sexueller) Ebene her, Geborgenheit ist für ihn in Form von Sicherheit, das heißt Kontrolle, erlebbar; ist er sich dieser Kontrolle völlig sicher, kann er sich entspannen. Loyalität und freiwillige, vollkommene Offenheit / Ehrlichkeit (ihm gegenüber) ist ihm in privaten Beziehungen folglich ein wichtiger Faktor. Kann er sich dieser im Gegenüber sicher sein, bekommt dieses für ihn dadurch einen angenehmen Faktor und damit (rein rational betrachtet) erhöhten / brauchbaren Stellenwert, weil er es nicht manipulieren / unterwerfen und damit automatisch in seinem Ansehen degradieren muss. Hingabe ist ihm grundsätzlich fremd, da mit Kontrollverlust assoziiert. Es ist nicht so, dass das für ihn nicht erlernbar wäre. Allerdings wird er das nur anstreben, wenn ein klarer Vorteil darin ersichtlich ist; Lustgewinn beispielsweise. Psychopathen sind, aufgrund ihrer sehr hohen Reizschwelle was Emotionen angeht, idR überaus hedonistisch veranlagt.

Da die gesamte Entscheidungsfindung und damit Handlungsweise auf Parametern fußt, die auf geistiger / kognitiver Ebene zu verorten sind, jedenfalls ist das seine Wahrnehmung seines Handelns, ist er damit nicht identifiziert. Er handelt vernünftig / zielorientiert (von seiner Warte aus), das ist es, was sein Handeln bestimmt. Von dieser Position aus ist nicht er es, der handelt, sondern er unterwirft sich der Notwendigkeit der Zielorientierung und damit der Logik. Er verortet den Antrieb seiner Handlungen nicht in seinem Selbst, sondern in von außen gesetzten Parametern. Das erklärt, warum er kein "schlechtes Gewissen" kennt. Entgegen der landläufigen Annahme, ein Psychopath sei gewissenlos, weil er keine Empathie kennen würde, ist das nicht der Grund; denn er kennt Empathie sehr wohl. Kann diese sogar aktivieren in sich, wenn er das will und sich darauf konzentriert. Neuere Untersuchungen zeigen dies immer klarer. [Externer Link : bitte anmelden] Der Grund für die Gewissenlosigkeit (und damit auch die nicht übernommene, persönliche Verantwortung) liegt darin, dass er seine gesamte Handlungsweise als von außen bestimmt erlebt. Von seiner Warte aus reagiert er lediglich (zielorientiert / logisch). Muss er seinen Mitmenschen Schmerz zufügen oder sie bis über ihre Grenzen fordern, so ist das ein nötiger Kollateralschaden, denn das Ziel steht darüber. So behandelt er sich selbst ebenfalls. Deshalb erlebt er das als statthaft.

In einer Liebesbeziehung erwartet er vom Gegenüber das, was er selbst einbringt - den absoluten Willen und die Definition als oberstes Ziel. Hat er daran keine begründeten Zweifel im Gegenüber, wird er auch nicht zu Mitteln greifen (müssen), das Gegenüber seinem Willen zu unterwerfen. Im Gegenteil, kann das Gegenüber ihm rein logisch vermitteln, dass es der gemeinsamen Sache dient, es freundlich / zuvorkommend zu behandeln, weil das seinen eigenen Lust-/ Prestigegewinn o. ä. steigert, wird er das tun - aber auch nur dann. Wer mit einem Psychopathen eine Beziehung führen will, der braucht in erster Linie eines: Einen kühlen Kopf. Liebe ist für einen Psychopathen ein Willensakt. Die Nähe und Verbindung erfolgt geistig und sexuell, nicht emotional. Insofern ist jegliches emotionale Drama für ihn ein reines Ärgernis, das er mit voller Härte versuchen wird auszumerzen. Das ist der Grund für die vielen emotionalen "Opfer", die sich als "zerstört" und "missbraucht" erleben. Der Psychopath bekämpft das, was er als störend (seinen Zielen im Wege stehend) erlebt.

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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von MinaHarkness »

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Wie muss ich sein, will ich (dauerhaft) eine Beziehung mit einem Psychopathen führen? Und wie (auf welcher Entwicklungsstufe und von welcher Grundkonstitution) muss der Psychopath sein, dass er daran überhaupt ernsthaft Interesse hat? (Was die Grundvoraussetzung jeglicher ernsthafter Beziehungsversuche wäre.)

Oder: Grenzsetzung versus Erlebnishunger -- Langeweile versus (psychopathischer) Spieltrieb

Das Einfachste wäre, Sie wären selbst ein Psychopath; möglichst auf gleicher Entwicklungsstufe und von möglichst identischem (niedrigem) egozentrischem Impulsivitätslevel. Es gibt mittlerweile sogar dazu erste Studien, dass Psychopathen sich gegenseitig anziehen: [Externer Link : bitte anmelden] Das wäre das Optimum. Und selbst dann ist es ein Wagnis und Abenteuer, denn eigentlich macht einen eine dissoziale Störung auf regulärer / herkömmlicher Ebene bindungsunfähig. Ich persönlich bin mittlerweile zu der Ansicht gelangt, dass so, wie ich es im Einstieg dieses Themas bereits darlegte, wie sich die Psychopathie in zwei wesentliche Merkmals- / Faktorenstränge zerlegen lässt (Furchtlose Dominanz / Egozentrische Impulsivität), sich auch die Beziehungs(un)fähigkeit der entsprechend zuzuordnenden Individuen gestaltet.

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Ein klarer Warnhinweis vorweg, weil ich weiß, dass viele Menschen (besonders Frauen) im Netz auf der Suche sind, nach einer quasi "Gebrauchsanweisung", um zu einem Wesen durchzudringen, welches sie aufgrund seiner brachialen Alpha-Typ-Dominanz begehren, das sie indes zerstören wird, kommen sie ihm zu nah, bzw. (und das wäre die einzig faktisch korrekte Beschreibung) kommt es ihnen zu nahe; weil sie dann unkontrolliert emotional werden - und erst damit wird der Psychopath zum alles zerfetzenden Predator. Er ist der natürliche Feind dessen, was sie unter "Liebe" verstehen, weil das für ihn keine "Liebe" ist, sondern lediglich dumm und ärgerlich. Damit also etwas, das es unerbittlich aus dem Weg zu räumen gilt, siehe letztes Posting zur Zielstrebigkeit / Gewissen. Wer einen Psychopathen nah zu sich lassen will (und Nähe sucht er unbedingt, allerdings in seinem Sinne), der muss begreifen, was dieser will - und bereit (und vor allen Dingen in der Lage) sein, es ihm ohne Wenn und Aber zu geben. Ansonsten wird er sich unverzüglich in einen Aggressor übelster Sorte verwandeln. Das Schicksal so vieler "liebender" Frauen, die schlicht nicht begriffen haben, dass das, was sie in ihm suchen und versuchen ihm zu geben (Emotionalität und ggf. assoziiertes Drama / Tränen u. ä.), einen Psychopathen triggert in den Jagd-/ Kampf- / Abwehrmodus zu wechseln.

Und das ist - wie sie dann anschaulich erleben dürfen - der GAU für jedes empfindsame Wesen. Also, wenn Sie, liebe Leserin, der Ansicht sein sollten, dass Ihre romantische Vorstellung von hoch emotionaler Liebe, selbst einen Psychopathen "heilen" könnte - vergessen Sie es einfach. Der Psychopath wird dieses für ihn absolut lächerliche Ansinnen nehmen und damit herumspielen, wie eine Katze mit einer Maus. Denn das ist alles, was er damit anfangen kann. Zu mehr taugt ihm das nicht, aufgrund seines Wesens. Er ist die Katze, Sie sind die Maus - und das werden Sie mit dieser Art Anliegen und Herangehensweise IMMER sein und bleiben. Also nehmen Sie Abstand, in Ihrem eigenen Interesse. Es gibt keine Gebrauchsanweisung, um aus einem grundaggressiven, machthungrigen, kontrollsüchtigen Wesen ein Kuscheltier zu generieren; weil das wider seiner Natur wäre. Und noch etwas, ein funktionaler Psychopath ist nicht im herkömmlichen Sinne "krank", ergo gibt es auch nichts, was "die Liebe heilen" müsste. Er hat eine Charakterstruktur, die mit dieser Art "Liebe" inkompatibel ist. Je schneller Sie das begreifen und reagieren / Abstand nehmen, um so besser für Sie.


..

Nähe - im Sinne eines Psychopathen

Ich möchte daran erinnern, dass es sich um fortlaufende Texte handelt. Diese Darlegungen beziehen sich also auf die spezifischen Aussagen, die ich bisher in diesem Thema tätigte. Um das nachvollziehen zu können, ist es folglich nötig, es nach zu lesen, zumindest ab dieser Stelle. So wie Geborgenheit für einen Psychopathen nichts Anderes bedeutet als Sicherheit, die für ihn wiederum darin liegt, die volle Kontrolle sicher bei sich zu wissen (und sich daraufhin entspannen zu können, so wie ein Löwe, sich sicher fühlend, in der Sonne döst), verhält es sich mit Nähe. Nähe bedeutet für ihn nicht Kuschelhormone, Vertrauen, Innigkeit oder Zärtlichkeiten. Das ist Theater, das er liefert, wenn er weiß, dass sein Gegenüber das braucht, um ihm bessere Chancen zu eröffnen, dass er seine Form von Nähe wird durchsetzen können. Und das ist alles was er will. Das steht als oberste Prämisse - IMMER - über Allem, er will seinen Willen durchsetzen. Und zwar zu 100%. Er will beherrschen und besitzen. Er führt und lenkt. Er kontrolliert und dominiert - ohne Wenn und Aber. Er will die Oberhand, unbedingt und nicht verhandelbar. Seine Art von Augenhöhe besteht darin, dem Gegenüber im Gegenzug seine Bedürfnisse anzuerkennen und ggf. zu befriedigen - wenn er es für sinnvoll hält. (Darum muss gerungen werden - s. u..) Wer nicht bereit ist, sein Innerstes BEWUSST einem derartig motivierten und konstituiertem Wesen zu öffnen, der ist als Partner eines Psychopathen ungeeignet und wird Schäden erleiden. Mitunter in erheblichem Ausmaß.

Nähe bedeutet für einen Psychopathen Wissen. Absolutes Wissen um sein Gegenüber. (Und damit Dominanz, Kontrolle und in Besitznahme - denn sein Partner IST sein Besitz; in seiner Auffassung.) Das komplette Eindringen und Durchdringen dessen aktuellen mentalen und emotionalen Zustandes. Hingabe auf geistiger Ebene (und natürlich letztendlich körperlicher, wenn man sich intellektuell genügend angeheizt hat). Kontrolle und in Besitznahme / Unterwerfung. Damit das nicht zu langweilig wird, braucht er dennoch Widerstand, allerdings nicht in emotionaler Form (Drama), was ihn unverzüglich schwer verärgern wird und dazu führen, dass er so verletzend wird, wie es ihm irgendwie möglich ist, um diesen - ihn schrecklich nervenden - Impuls beim Gegenüber zu eliminieren. Sondern intellektuellen Widerstand. Gegenseitiges, intellektuelles / rhetorisches Balgen. Es darf nicht zu leicht sein, sonst langweilt es ihn. Gegenseitige Provokation, Widerstand in rationaler, messerscharfer Streitrhetorik. Er will demontieren, er will eindringen, Abwehr niederreißen, er will wissen was dahinter ist. Der ideale Gegenpart wehrt sich, in exakt gleicher Weise und provoziert ihn ebenso aus sich heraus, wie er es im Gegenzug mit ihm tut. Genau das ist es, was er will -> Widerstand, Kampf, Ringen - unerbittlich - möglichst in gleicher perfider, zerfetzender, raubtierhafter Weise, wie er selbst sich hinein begibt. Er braucht einen Gegner, kein Opfer! (Keine Maus.) Er will sich (liebevoll rabiat - in seiner Art von Liebe) balgen / messen. Wie zwei Großkatzen, die sich gegenseitig zu unterwerfen suchen, indem sie die Krallen ineinander schlagen, sich beißen (und am Ende gegenseitig ihre Wunden lecken / Sex haben). Ein Psychopath ist ein intellektuell gesteuerter, kognitiver Kämpfer und er braucht, um sich zu spüren (sich zu kicken / erregen), einen Gegenpart, der ihm auf gleicher Ebene begegnen und ihn parieren kann.

Um das Ringen zu beenden, muss man bereit sein, ihn dorthin zu lassen, wo er hin will. In die eigene Innenwelt. Man muss sich ihm öffnen / seinem Willen letztendlich unterwerfen und ehrlich Auskunft geben. Danach erfolgt die in Besitznahme, u. U. auch körperlich (sehr wahrscheinlich auch körperlich). Das muss man mögen und genießen (können). Verlieren / loslassen um zu siegen / etwas zu bekommen / gewinnen, sozusagen. Denn man wird guten Sex bekommen, verdammt guten idR, schließlich hat man sich ein episches Vorspiel verpasst.

Hier nun eine Szene, die eine solche Situation wiedergibt. Geschrieben in der Ich-Form; jedoch exemplarisch zu verstehen. Um zu verdeutlichen was ich meine:

Er kniff auf einmal die Augen zusammen, sah mich überaus provozierend an und meinte: "Wir sollten das jetzt mal klären. Ich bin keinesfalls länger gewillt, diesen infantilen, dysfunktionalen, frustrierend unausgegorenen Beziehungsversuch in dieser Weise fortzuführen." Er musterte mich regelrecht lauernd und in mir wuchs unvermittelt der Zorn. "Aha. Und wann ist dir das eingefallen? Bevor oder nachdem du beschlossen hast, mich hier nun ungefragt zu überfallen? Frustrationen entstehen im Übrigen durch infantiles, unausgegorenes Verhalten, das dann dysfunktionale Beziehungsversuche produziert. Wie würdest du denn dein eigenes Verhalten in diesem Zusammenhang bewerten?" ..Und dann sind wir mordsmäßig aneinander geraten. Es fiel dennoch nicht ein lautes Wort. Wir waren beide ganz leise. Haben eher gezischt, als laut zu werden. Zwischendrin habe ich fast erwartet, dass einer von uns das Knurren anfangen würde, so sehr haben wir uns argumentativ ineinander verbissen. Ich weiß kaum noch, was wir uns alles um die Ohren gehauen haben, aber es war heftig. Angefangen bei unserem Treffen im Hotel, über all diese Jahre, bis in die Gegenwart. Ich bin derartig in Fahrt geraten, dass ich mich teilweise selbst nicht wiedererkannt habe.

Mir war nicht klar, dass ich intellektuell in der Lage bin, mich in dieser krassen Form zu duellieren. Und, dass es mir irgendwie auch noch unheimlichen Spaß machen würde. Das ist das Allerverrückteste daran. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl von Ohnmacht, das ich im Ringen mit so vielen anderen Menschen erlebt habe. Es war eher so, als würden zwei gleichartige Wesen sich balgen, raufen, zwicken, aber niemals ernsthaft zubeißen. Wir klärten "das (mit) Uns" allumfassend. Wir stritten und taten es doch nicht. Wir stritten um zueinander zu kommen, nicht um uns zu trennen, das habe ich die ganze Zeit stark in mir gespürt. Deshalb ging ich mit, glaube ich und gab keinen Deut Boden nach. Ließ ihn voll auf mich prallen und parierte ihn. Weil er mir die Sicherheit vermittelte, das ich das tun könne, so ich wolle und dass das genau die Art und Weise wäre, um alles aus dem Weg zu räumen; was wir auch taten.

Nach, ich schätze, guten zwei Stunden, entstand eine Pause. Da saß ich also, auf 180, den Puls in meinem vermutlich hochroten Kopf, aber um einen (mein) Landerhalt reicher, meines Empfindens nach. Wir musterten uns, ich war nicht mehr zornig, längst nicht mehr und er scheinbar auch nicht. Auf einmal veränderte sich sein Gesicht völlig, er strahlte mich an und meinte langgezogen: "Na? ..Glücklich?" - Ich habe ihn angestarrt - und gestarrt - und spürte, wie da innerlich bei mir, ganz langsam, irgendwie quietschend vom eingerostet Sein, sich ein riesiger Hebel umlegte. Ich spürte die Bewegung in mir, nahm wahr, dass er mich ganz intensiv beobachtete, mir zusah und vermutlich genau nachvollziehen konnte, was da vor sich ging. Der innere Hebel rastete in mir mit einem unspektakulären Klicken ein. Dann sagte ich, vollkommen sachlich: "Ich liebe dich." - und bin über ihn hergefallen.

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Man muss es mögen. Es muss der eigenen Natur entsprechen.


Fortsetzung folgt.

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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von MinaHarkness »

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Manipulation, Intrigen & Lügen (Spieltrieb)

Entgegen der allgemeinen Standardtexte mit Verurteilungen des psychopathischen Wesens, lügt ein Psychopath nicht grundsätzlich oder zum reinen Vergnügen. Er lügt, wenn er sich Vorteile davon verspricht (oder Nachteile abwenden will), respektive um seine Ziele zu erreichen. Alles was darüber hinausgeht, ist Energieverschwendung und, durch seine grundsätzlich rationale Natur, daher eher unwahrscheinlich. Gleiches gilt für Manipulationen. Er tut das nicht grundlos oder rein aus Prinzip heraus. Es sind Strategien um seine Ziele zu verfolgen, denn diese stehen über allem. Das Primärziel ist immer die Durchsetzung seines Willens / Kontrolle über die Situation zu erlangen / Herr der Lage zu werden, bzw. zu bleiben. Die innerhalb dieses Willens sich ergebenden Ziele sind die Prämissen unter die er seine Handlungen (rational und willentlich) stellt. Dabei erlebt er seine Umgebung und die darin gegebenen Voraussetzungen als Handlungsimpuls und Antrieb. Er reagiert, von seiner Warte aus. Da er, wie bereits erklärt, nicht mit seinem Tun identifiziert ist und er sich lediglich als Akteur ansieht, der auf die Umgebungsvariablen möglichst logisch im Sinne seiner Ziele reagiert, fühlt er sich auch niemals als "Schuldiger", wenn etwas schief geht. Es ist eben dumm gelaufen. Das ärgert ihn mitunter und er bekommt einen Wutanfall, indes er umdisponiert.

Er hat sein Bestmögliches geleistet, in konzentrierter, zielgerichteter Weise. Somit hat er keinen Fehler gemacht. (Je nach Reflektiertheit, kann diese Ebene variieren und der Psychopath wird wissen, dass er optimieren sollte, hinsichtlich seines Verhaltens - was er bei berechnender Einsicht auch tun wird.) Stößt er an Grenzen, so ist das entweder ein Widerstand, der ihn dazu reizt, ihn zu überwinden (Nähe herzustellen / Vereinnahmung des Gegenübers), ihn also quasi positiv herausfordert (seinen Spieltrieb reizt), oder aber ein reines Ärgernis, das er als schuldig seiner schlechten Laune, die daraus unweigerlich entsteht, ausmachen und schlicht zu beseitigen suchen wird. Sei es durch gezielte Aggression, Manipulation oder Intrigantentum, je nach Umgebungslage. Er weiß durchaus um moralische und gesellschaftliche Normen und berücksichtigt diese auch so weit, wie das seinen Plänen dient oder zumindest nicht schadet. Er fühlt sich ihnen indes nicht verpflichtet, was erklärt, dass er weder mit der Modifikation der Wahrheit, noch mit anderen Manipulationsstrategien irgendwelche emotionalen Probleme hat. Er fühlt nichts im Zusammenhang mit diesen Dingen. Außer vielleicht Bestätigung / Genugtuung, wenn alles gut in seinem Sinne ineinander greift. Er kann Regeln / Werte rational im Kontext gängiger Maßstäbe einordnen, bewertet sie jedoch in erster Linie danach, ob es für ihn vorteilhafter ist, sich daran zu halten oder sie zu umgehen.

Und er wird sich für das entscheiden, was vorteilhafter für ihn ist. Ein einfaches Beispiel: Macht seine aktuelle Partnerin ihm Szenen und zeigt Eifersucht, wird er sie entweder noch mehr eifersüchtig machen - und zwar sehr gezielt - um sie so dazu zu bringen, in einer Weise zu funktionieren, wie er sich das zu dem aktuellen Zeitpunkt wünscht. Vielleicht damit sie sich mehr um ihn müht, die Szenen unterlässt, ihm sexuell entgegenkommt, abnimmt, ergo sich in seinem Sinne verhält; um ihn nicht an eine Andere zu verlieren. Hat er erst eruiert und herausgefunden, dass er sie in dieser Weise steuern kann, weil sie es zulässt, wird er sich dessen bedienen. Oder aber, er hat keinen Nerv auf eine Szene und will dennoch Sex, dann wird er leugnen etwas Regelwidriges getan zu haben, ihr vielleicht die kalte Schulter zeigen und sich unter einem Vorwand mit einer Anderen treffen, die ihn nicht nervt und williger ist. (Oder er sucht ein Bordell auf.) Das alles gilt im Übrigen auch umgekehrt, also für einen weiblichen Part. Generell gilt dabei, ein Psychopath REagiert lediglich (so sein Erleben). Hätte der betreffende Partner sich anders verhalten, hätte er es auch getan. Bei Vorwürfen wird exakt das die Antwort sein - immer! Und sie stimmt sogar. ;-) Er sieht das sachlich. Er will etwas erreichen. Er tut, was getan werden muss. Fertig. Das erklärt vielleicht auch, warum Menschen, die unter Liebe eine emotionale Bindung verstehen, die sie anhält sich möglichst moralkonform und schonend gegenüber dem Partner zu verhalten, mit ihren Erwartungen bei einem Psychopathen nur enttäuscht werden können.

Dieser verhält sich nicht in moralischen Parametern, weil sie ihn nur insofern berühren, als dass sie Handlungsspielräume u. U. begrenzen könnten, aber keineswegs müssen. Vielfach ist es für einen Psychopathen auch eine Art spielerische Herausforderung die Spielräume und ihre Grenzen auszuloten. Das kitzelt seine Nerven und vertreibt (seine häufig notorische) Langeweile. Er beschäftigt sich gerne mit Menschen, bzw. damit, wie er sie lenken kann. Ist es seinen Zielen von Vorteil, dass es irgendwem gut geht, wird er nach Kräften dafür sorgen, dass es dem Betreffenden gut geht. Hier liegt der Schlüssel für eine Partnerschaft, bei der man nicht ins Hintertreffen gerät, lässt man sich darauf ein. Dann, wenn der Psychopath selbst etwas will und man darum weiß, kann man mit ihm Vereinbarungen treffen, an die er sich von sich aus halten wird, weil das seinen eigenen Interessen dient. Er ist nicht per se bösartig und will unbedingt lügen, betrügen, intrigieren oder manipulieren. Das sind lediglich Werkzeuge. Zeigt sich ihm ein Weg, sein Ziel ohne diese Werkzeuge zu erreichen, womöglich noch in einer optimierten Form, wird er diesen freiwillig und willentlich gehen. Er ist schließlich kein Idiot, sondern explizit auf Effizienz fokussiert. Eine Beziehung ist unter dieser Prämisse in erster Linie ein Geschäft das klug verhandelt sein will. Nachverhandlungen inklusive.

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Fortsetzung folgt.

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Re: Positive Psychopathie - furchtlose Dominanz - dunkle Triade

Beitrag von MinaHarkness »

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Die Tarnung / Maske

Die Psychopathie ist eine sogenannte Spektrumsstörung. Das bedeutet, dass es eine sehr große Bandbreite von Persönlichkeitsdimensionen und deren jeweiligen Ausprägungen gibt. Das beginnt bei psychopathischen Zügen, die gar nicht so selten sein werden in der "Normalbevölkerung" und endet beim psychologisch gut durchleuchteten, psychopathischen Mörder in der Verwahranstalt. Es gibt also durchaus Menschen, die psychopathische Merkmale aufweisen, mitunter in deutlicher Ausprägung, ohne indes tatsächlich Psychopath zu sein; in einem pathologisch relevanten Sinne. Dieser tritt erst ab ganz bestimmten Werten und Merkmalen ein und längst nicht alles davon hat mit Aggression, Devianz und / oder Delinquenz zu tun. Anders ausgedrückt: Die meisten Psychopathen wissen gar nicht, dass sie welche sind und würden sie es wissen, würde das zum Einen nichts ändern und wäre ihnen zum Anderen nur insofern wichtig, dass es ihnen keine Nachteile bringt. Eine solche Diagnose, so sie denn gestellt wird (und das wird sie in den seltensten Fällen, wenn der Betreffende nicht justiziabel auffällig wird), ist, wird sie öffentlich, mitunter ein GAU für die Karriere des Betreffenden; und nicht nur für diese. Psychopathen haben keinen guten Ruf.

Hier ein Text in diesem Zusammenhang.

Natürlich erlebt ein derartig konstituierter Mensch sich idR als andersartig, zwingend erfolgt das indes nicht. Er nimmt sich selbst schließlich als selbstverständlich wahr und kommt nicht unbedingt auf die Idee, an einer Persönlichkeitsstörung zu leiden, schon gar nicht, wenn er die Erfahrung macht, mit seiner Verfasstheit erfolgreich zu sein; oft erfolgreicher als seine Mitmenschen. Jedenfalls oberflächlich betrachtet. Demzufolge ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Psychopath sich als solcher outen wird. Als ich das erste mal, im Bezug auf mich, die Aussage las, "eine bekennende Psychopathin", wurde mir mit Macht bewusst, dass das in etwa die Qualität besitzt, die das Eingeständnis eines massiven Makels mit sich bringt. Ich selbst erlebe das nicht so; im Gegenteil. Mir hat meine Verfasstheit überhaupt erst ermöglicht, das Leben zu führen, das ich führte und führen kann. Für mich war es lebensrettend (im Sinne des Erhalts meines Sozialstatus / meiner Arbeitskraft und sozialen Kompatibilität) psychopathisch zu sein.

Auch dazu ein weiterführender Text.

Dass ich diagnostiziert wurde, geht auf das Betreiben meines Partners zurück, der, selbst Psychopath, sichergehen wollte. Er suchte jemanden, mit dem er sein Alter (er ist deutlich älter als ich), in dem er nicht alleine sein will, verbringen kann. Kosten-Nutzen-Rechnung, denn die Chancen, dass eine längerfristige Kooperation (eine emotionale Bindung im herkömmlichen Sinne ist es nicht) funktionieren kann, steigen in dieser Konstellation (ähnlich geartete Wesenszüge) enorm. Wir kannten uns bereits seit Jahren und er vermutete stark, dass ich die Vorgaben erfüllen könnte, wollte dies jedoch abgesichert haben. Ich beugte mich und unterzog mich der teuren und anspruchsvollen Diagnostik. Eine wirkliche Überraschung war es am Ende nicht. Nichtsdestotrotz ist eine solche Konstellation ungewöhnlich. Nicht nur, weil mein Partner bereits um sich wusste, sondern auch, dass er offen damit umging und mir die Möglichkeit gab, das Ganze abzuschätzen und bewusst zu entscheiden ob ich das mitgehen will. Allerdings hatte er mir vorher über all diese Jahre eine perfekte Show geliefert und auch zu Beginn unserer Beziehung war ich keineswegs im Bilde. Es war ein Prozess über mehrere Wochen, in denen er mich gezielt dorthin führe, wo er mich haben wollte. Er belog mich und manipulierte mich. Für mich war und ist das okay, es diente dem Ziel, das erst das Seine war und nun das Unsrige ist. Ich gehöre ihm (und er mir) - wir haben das so entschieden, weil uns das Vorteile bringt. Mich stört es nicht, manipuliert er, weil ich es nicht anders machen würde. Für mich ist das ein statthaftes Werkzeug, dessen ich mich selbst bediene. Es sei denn, es gibt andere Absprachen aufgrund bestimmter Zielsetzungen.

Und das ist das Entscheidende. Um die Maske bewusst absetzen zu können:

- Muss man überhaupt erst einmal um sich wissen.
- Sichergehen können, dass das Gegenüber mit dem zurechtkommen wird, was es zu sehen bekommt und zwar OHNE emotionales Drama.

Fortsetzung folgt.

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