Das halbleere Glas

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Herbstschmerz
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Das halbleere Glas

Beitrag von Herbstschmerz »

Hallo allerseits! Ich lese seit einer Weile mit und dachte, ich traue mich jetzt endlich auch mal. Ich habe das Problem, dass ich es nicht fertigbringe, das Positive in meinem Leben zu sehen.
Eigentlich sehe ich schon, aber es gibt immer etwas, das ich lieber hätte, das irgendwie besser wirkt. Davon träume ich dann und bin mit dem was ich habe unzufrieden bis sogar unglücklich.

Ich weiß, dass das dumm ist und ich mir mein Leben selber versaue dadurch. Deshalb bin ich irgendwo auch wütend auf mich. Das macht es nicht besser, im Gegenteil. Ich denke in solchen Momenten, dass ich nie erreichen werde zufrieden zu sein, weil ich schlicht und ergreifend zu blöde dazu bin. Aber ich kann damit nicht aufhören. Kennt das jemand und hat vielleicht einen Rat für mich?

LG
Janundso
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Re: Das halbleere Glas

Beitrag von Janundso »

:wc4:

Was sind das denn für Dinge, von denen du träumst (bzw davon geträumt hast, bis du es erreicht hast)?

Hast du zB das Gefühl, eine Beziehung/ Kinder/ anderen Beruf/ mehr Freunde/ Hobbys könnten dich erfüllen?

Fühlst du dich teilweise auch innerlich leer, oder bloß nicht immer glücklich?
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MinaHarkness
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Re: Das halbleere Glas

Beitrag von MinaHarkness »

..

Grüß Dich Herbstschmerz (ist das angelehnt an die Band?) ..
herzlich willkommen bei uns. Ich würde mich Jan anschließen wollen und gerne explizit nachfragen, ob sich Deine Wünsche eher in Richtung konkreter Veränderung bewegen, meint, einen konkreten Anlass bieten? Oder ob wir mehr von einem generellen Muster reden? Will sagen, dass, ganz egal welche "Verbesserungen" eintreten, Du dann wieder etwas findest, das "irgendwie besser" wäre? Ergo: Beziehen sich diese Träume auf konkrete Dinge, (so dass mit Erreichen eben dieser, das Problem quasi erledigt wäre) oder geht es um eine Denkweise, die alles was Du erreicht hast (egal was), sozusagen als ungenügend klassifiziert und Dich wieder in die gleiche mentale Lage bringt?

LG Mina
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Herbstschmerz
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Re: Das halbleere Glas

Beitrag von Herbstschmerz »

Ich würde sagen es ist ein Muster. Es ist eigentlich egal ob ich mich verändere und auch worauf sich diese Veränderung bezieht. Ich habe vor ein paar Jahren mein Leben komplett umgeworfen, den Job gewechselt, bin umgezogen, habe einen neuen Mann kennengelernt. Und nach ein paar Jahren ist es wieder das gleiche Gefühl, als wäre das gar nicht mein Leben.
Nicht so, dass ich es leben wollen würde. Dabei ist es nicht einmal so, dass ich es nicht mehr mögen würde. Ich habe nur das Gefühl, ich könnte mehr erreichen. Einen besseren Job, mehr Besitz, ein größeres Auto, ein schöneres Haus, einen Partner mit höherem Status.

Ich vermeide es, mich zu vergleichen und trotzdem, nach einer gewissen Zeit fängt es wieder an, als wollte etwas in mir unzufrieden sein. Ich bin zwiegespalten. Habe inneren Widerstreit mit mir. Weiß ich doch, dass das alles eine Endloswiederholung ist und selbst wenn ich alles ändere, ich wieder an diesem Punkt landen werde, auch wenn ich mich objektiv betrachtet verbessert habe. Mir ist das klar. Aber das ändert nichts. Und ich verstehe nicht woran das liegt.

Vielleicht ist das eine Form davon, dass ich Angst habe, dass es das jetzt schon gewesen sein könnte und mir am Ende nicht genügen wird. Dass irgendwo das Leben existieren würde, das ich hätte mitnehmen sollen. Mein optimales Leben, das ich nur deswegen nicht erreiche, nichtmal finde, weil ich nicht genug gesucht, mich zu wenig angestrengt und mich mit zu wenig zufrieden gegeben habe.
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Mischa
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Re: Das halbleere Glas

Beitrag von Mischa »

Herzlich Willkommen Herbstschmerz! Wie alt bis du, wenn ich mal fragen darf? Und gab es bereits mehrere dieser 'Zyklen'? Sind die immer in objektiver Verbesserung geendet? Ich frage, weil ich das in der Tat von mit selber kenne.

Das hat sich erst gelegt, als ich mal richtig vor die Wand gefahren bin damit. Ich habe das für mich so erklärt, dass das eine Art erlernte Strategie war, die erst scheitern musste, bevor ich sie gezielt und ernsthaft infrage gestellt habe. Fühlst du dich normalerweise stets ruhelos? Irgendwie 'immer auf der Suche'?

Grüßerles!
Mischa
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Herbstschmerz
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Re: Das halbleere Glas

Beitrag von Herbstschmerz »

Mischa hat geschrieben: 31. Okt 2021, 09:39 Herzlich Willkommen Herbstschmerz! Wie alt bis du, wenn ich mal fragen darf? Und gab es bereits mehrere dieser 'Zyklen'? Sind die immer in objektiver Verbesserung geendet? Ich frage, weil ich das in der Tat von mit selber kenne.

Ja, eigentlich schon. Ich konnte mich objektiv immer verbessern, wenn man so will. Daran könnte es natürlich auch liegen stimmt. Dass ich immer Recht behalten habe mit meinem Streben.
Aber wenn ich ehrlich bin, hat mich das keinen Deut glücklicher werden lassen. Ich würde lieber lernen, mich zufrieden zu geben
und es gut sein zu lassen. Und mich glücklich, mit dem, was ich habe.
Nur wie macht man das? :wf: Ich bin knapp 40.

Lg
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MinaHarkness
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Re: Das halbleere Glas

Beitrag von MinaHarkness »

..

Hallo Herbstschmerz..
hast Du schon einmal über eine (Gesprächs)Therapie nachgedacht oder, fürs Erste, diverse Kurse, die sich mit dem eigenen Innenleben befassen (Psychoedukation)? Das hier, aus der Ferne, zu klären, erscheint mir diffizil. Letztendlich musst Du, um nachhaltig und effektiv etwas zu verändern in Deinem (Selbst)Wertesystem (und dort verorte ich das Problem, aber das ist lediglich eine Vermutung ins Blau), in Dir selbst empfinden, verstehen und be|greifen, was genau Dich umtreibt. Wenn Du das hast für Dich klären können, kannst Du, zur Not erneut mit professioneller Hilfe (sollte das tatsächlich zusätzlich nötig werden), daran gehen Verhaltens- und Zielalternativen zu entwickeln. Ich vermute, es hängt damit zusammen, dass Dein Selbstwertempfinden sehr stark mit Status korrelieren könnte und immer wieder eine Steigerung braucht. Das könnte dieses Getriebensein in Dir erzeugen.

LG Mina
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