(M)eine Definition von gerechter Moderation

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MinaHarkness
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(M)eine Definition von gerechter Moderation

Beitrag von MinaHarkness »

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Ich stelle diese Gedanken einmal zur Disposition. Ich wähle bewusst einen neuen Thread, weil ich nicht zurückschauen möchte, sondern nach vorn. Auch wenn diese Gedanken, die ich nun formulieren will, sich aus den Erfahrungen der Vergangenheit speisen, will ich versuchen, mich vorwärts auszurichten, auf Lösungen, für ein Dilemma, das ich immer wieder mitbekommen habe.

Leitziel: Gerechte Moderation

In aller Regel wird darunter verstanden, dass alle Mitglieder eines Forums nach Möglichkeit exakt gleich behandelt werden sollten, strikt nach definiertem Regelwerk. Nur so, so wird angenommen, könne Willkür und Klüngel verhindert werden. "Gleiches Recht für alle" lautet die Maxime. Dass diese nur scheitern kann, in Anbetracht von Etwas, woran bereits die Justiz sich die Zähne ausbiss und sich, daraus resultierend, in verschiedene Rechtsbereiche aufgliedern musste; daran denkt im ersten Moment niemand. Dieses Etwas ist schlichtweg dem Umstand geschuldet, dass Menschen unterschiedlich sind. In ihren Charakteren, ihren Gemütsverfassungen, ihren Erfahrungswerten, Lebensgeschichten, psychischen, physischen, mentalen und finanziellen Möglichkeiten. Und insofern kann es gar kein "gleiches Recht" für alle geben.

Behandelt man alle gleich, wird man den Meisten nicht gerecht werden. In der Politik nennt man das "Gießkannenprinzip", das dafür bekannt ist, denen Vorteile zu verschaffen, die sie gar nicht unbedingt nötig hätten und diejenigen nur sehr bedingt, bzw. ungenügend (da zu teuer) zu erreichen, die sie dringend nötig hätten. Doch das ist dann nicht mehr finanzierbar, will man "den Vorteils-/ Entlastungskuchen" an alle gleichmäßig verteilen. Ähnlich verhält es sich mit moderativer Gerechtigkeit. Stellt man Parameter auf, so werden diese ausprobiert und genutzt werden. Grenzen auszuloten, das ist ein Prinzip menschlicher Natur. Insofern ist man gut beraten, bei der Freiheit in den Regularien etwas tiefer zu stapeln, als man tatsächlich beabsichtigt zu sein.

Gut. Ich habe also auf dem Begriff "Gerechtigkeit" herum gedacht und bin zu dem Ergebnis gelangt, dass moderative Gerechtigkeit nicht darin liegen kann, alle gleich zu behandeln, koste es, was es wolle. Ein User, der seit Jahren dabei ist und vorwiegend gute und hilfreiche Beiträge schreibt, verdient im Falle seines Ausflippens, was jedem mal passieren kann, mAn eindeutig eine andere Behandlung, als jemand, der sich erst vor einigen Tagen registrierte und seit dem Beiträge hart am Rande der Provokation schreibt. Beide würden, so ihnen der Ton heftig verrutscht, in gleicher Weise die Regeln verletzen und müssten, nach dem Gleichbehandlungsprinzip, exakt die gleiche Behandlung erfahren. In vielen Foren hieße das Verwarnung, Sperrung / Editierung etc. pp..

Ich halte das für falsch und würde diese Art Gerechtigkeit als ungerecht definieren; nämlich dem Betreffenden nicht gerecht werdend, der sich vielleicht 1x alle Jubeljahre einen Ausreißer leistet. In diesem Sinne würde ich es in einer Form definieren wollen, die sich wie folgt liest: Moderative Gerechtigkeit, ist in allererster Linie das Bestreben, dem jeweiligen Einzelfall gerecht zu werden. Zu schauen, wo steht der Betreffende? Was kann er leisten? Was kann das Forum / die Gemeinschaft leisten (ohne Schaden zu nehmen)? Wie kann man Kompromisse finden, die möglichst Vielen gerecht werden? Das Gleichbehandlungsprinzip halte ich hingegen in rigider Anwendung für destruktiv wirksam, weil es lediglich Druck und Angst vor Repressalien erzeugt.

Mich würden Eure Gedanken zu dieser Auslegung von (moderativer) Gerechtigkeit interessieren.

LG Mina
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Wüstenrose
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Re: (M)eine Definition von gerechter Moderation

Beitrag von Wüstenrose »

Mina,
ich finde die Sache recht schwierig zu beantworten,denn ein jeder hat eine andere Auffassung von Gerechtigkeit.
Auch bei einem langjährigem User kann sich das Umfeld drastisch verändern,in dem Falle wäre es hilfreich,erst mal nach dem eigentlichen Problem nachzufragen,anstatt gleich zu sperren oder andere Sanktionen zu veranstalten.Schließlich ist man auch nur ein Mensch.
Bei Neueinsteigern könnte man auch dezent nachfragen mal und harmloserweise auch nochmal die Forenregeln unter das Näschen halten. :D
Schließlich sind das auch Menschen,die "gehört"werden wollen,aber aus irgendeinem Grunde so arschig sich benehmen.Oder weil sie es nie richtig lernen konnten,sich in Gegenwart anderer zu "benehmen".
Gibt zuhauf Gründe dafür.

Ist schwierig,ein richtiges Maß zu finden,das allen gerecht wird.

Auch in einer Familie gibt es nun mal Regeln,sonst würde alles drunter und drüber gehen.Schlägt einer verbal zu,fühlen sich andere mitunter auch verpflichtet,es demjenigen gleich zu tun und dann bricht das Chaos aus.
Es ist durchaus Kunst,sich dann auf diesem brüchigen Steg neutral zu bewegen.Ohne diverse Drohungen usw.Es geht auch anders.
Die verborgene Quelle des Humors ist nicht Freude,
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(Mark Twain;1835-1910,Schriftsteller,Quelle:Poesiealbum)
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Re: (M)eine Definition von gerechter Moderation

Beitrag von Mischa »

Das A und O ist, jedenfalls soweit ich das in all diesen Jahren miterlebt habe, dass man nicht die Bodenhaftung verliert. Dass man in der Lage ist Fehler zugeben zu können und sich auch mal hinzustellen, auch als Admin und zu schreiben, dass man auch nicht weiß, was jetzt besser wäre.

Mit den Leuten im Gespräch zu bleiben, ohne Gottkomplex über deren Köpfe hinweg, mit den Forenregeln als 10 Gebote im Gepäck. Wenn es erst soweit ist, kann man die Kiste schrotten, das tut sie irgendwann so oder so von selber, steuert niemand mehr gezielt gegen.

Klar ist es wichtig, eine klare Linie zu vertreten, aber wenn die lautet, dass man versucht mit den Leuten möglichst fair umgehen zu wollen, dann muss man in der Lage sein, sich auch mal an die eigene Nase zu fassen.

Irgendwen zu sanktionieren löst keine Probleme. Okay, manchmal geht es nicht anders. Aber das solltedie Ausnahme sein, nicht die Regel.

Grüßerles!
Mischa
There is a crack in everything, that's how the light gets in. (L. Cohen)
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MinaHarkness
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Re: (M)eine Definition von gerechter Moderation

Beitrag von MinaHarkness »

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Ich denke, ich bin das Ganze mit deutlich zu viel Idealismus angegangen. Ich werde das in Ruhe überdenken müssen. Auch, wie viel ich leisten kann und will. Ich merke, dass solche dramatisch geprägten Aktionen, wie das die letzten Wochen öfter der Fall war, mich stark beanspruchen. Im Hintergrund noch in PN damit konfrontiert zu sein u. ä. m., das ist für mein Nervenkostüm nicht gut. Dafür muss eine Regelung gefunden werden. Ein solches Forum (und auch ich, als darin involvierte Leistungskraft) hat eben auch Grenzen. Diese für mich neu zu definieren, das nehme ich mir für die kommende Zeit einmal vor. Ich will das hier noch lange machen, ergo muss ich dafür sorgen, dass es mich nicht überfordert. Es nutzt keinem, wenn mir Kraft und Lust gänzlich abhanden kommen. Ich kann und will es mir nicht leisten, dass Einzelpersonen mich innerhalb dieser Gesamtkonstellation zu sehr in Anspruch nehmen. Das wäre wirklich ungerecht, den Leuten gegenüber, die sich hier einbringen, vertrauen und ihrerseits kaum Ansprüche stellen; im Gegenteil konstruktiv mitwirken.

Ich danke denjenigen, die hier sind und mit Mischa und mir an einem Strang ziehen. Ich bin froh darum, dass Ihr hier seid. :flo:

Danke und schönes Wochenende! LG Mina

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